Der fingierte Ausbruch – Chronologie einer Flucht

Köhler, Klaus
Der fingierte Ausbruch
Chronologie einer Flucht
 
(sfbentry)
Esch Verlag
ISBN: 978-3-943760-54-5
Paperback
Umfang: ca. 320 Seiten
Erscheinungsdatum: 24.08.2012

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Zum Autor

Klaus Köhler wurde 1952 in Ebersbach geboren. Nach seiner Ausbildung zum Eintopf- und Delikatessenkoch, war er Betreiber eines „Kulturzentrums“ in der DDR. Nach sozialistischem In-Ungnade-Fallen, durfte er sich als Transportarbeiter bewähren. MIT DER WENDE WUCHSEN IHM GLÜCKSFLÜGEL.

Zum Buch

Sein aktueller Tatsachenroman „Der fingierte Ausbruch“ erregte bereits vor seinem Erscheinen Aufregung in gewissen Kreisen. Köhler fasste die Idee zum Buch spontan bei einem Besuch im berüchtigten Stasi-Zuchthaus Bautzen II. Er lebt mit seiner Partnerin in einer Kleinstadt nahe Bautzen.
(Verlagsinfo)

Mein Eindruck

Selbst im Westen wussten wir, dass die DDR eine Diktatur – übrigens wie viele andere vergangenen und auch aktuellen Diktaturen -, schlichtweg ein Scheißland war, in dem man nicht tot über dem Zaun hängen möchte (was bei vielen Opfern an der Grenze und bei Fluchtversuchen tatsächlich so passiert ist). Anders kann ich es nicht benennen. Es ist aber etwas anderes, die Verhältnisse von jemandem zu erfahren, der in so einem Land geboren wurde, darin aufwachsen und sämtliche Schikanen, Einschränkungen und Missverhältnisse erleben und erleiden musste.

Oh ja, jetzt kommt sofort der Spruch: „Es war nicht alles schlecht in der DDR.“ MIR wird schlecht bei diesem Satz, den ich auch im Unterricht über das Dritte Reich habe hören müssen, von einem, der sich mit dem Regime arrangiert hätte, wäre er nur rechtzeitig geboren worden. Aber es ist ja einfacher, sich NACH einer Diktatur die Dinge herauszupicken, die tatsächlich – für die Apparatschiks, IM´s und anderen Speichellecker – sicher vorhanden waren. Apropos geboren: All jenen, vor allem Jugendlichen aus den „neuen Bundesländern“, die sich – zusammen mit den Ewiggestrigen – in Ostalgie-Feten vorgaukeln, dieser Unrechtsstaat wäre ja gar nicht so schlimm gewesen, dem sei der Roman Klaus Köhlers wärmstens zu empfehlen.

Köhler besticht durch eine mehr als deutliche Sprache. Es gruselt mich als Wessi, wenn ich mir die Szenen vor Augen führe, die er erschreckend drastisch und mit beklemmender Tatsachentreue darstellt. Und so etwas kann man sich nicht aus den Fingern saugen, wenn man nicht ganz genau – vielleicht sogar im eigenen familiären Umfeld – mitbekommen hat, was einem passieren konnte, in diesem Arbeiter- und Bauernparadies.

Ich musste das Buch mehrmals zur Seite legen, weil ich immer wieder den Brechreiz unterdrücken musste, der mich bei dem Geschilderten dabei überkam. Vielleicht sollte man den Roman sogar zur Pflichtlektüre in Ost und West machen. Ich fürchte leider, dass sich an den relevanten Stellen immer noch Personen befinden, die dies verhindern können.

Einziges Manko ist das schreckliche – ich vermute eher nicht stattgefundene – Lektorat. Die 300 Seiten sind durchsetzt von Rechtschreib- und Stilfehlern, die selbst dem oberflächlichsten Leser nicht entgehen können, einem professionellen Lektorat schon gar nicht. Ich finde es auch sehr seltsam, wenn auf der Verlagsseite Autoren empfohlen wird, Leseproben aus der Mitte und dem Ende (!) ihres Werkes einzusenden. Gerade die ersten 30 Seiten eines Buches entscheiden, ob ein Leser – ein Käufer – bei der Stange – T´schuldigung – dem Text bleibt.

Gottseidank ist der Text dank dem Autor so fesselnd, dass man über diese Mängel hinweglesen kann. Leider hilft es dem Autor nicht, seine wirklich unbehaglich wirkende Geschichte an den Mann oder die Frau zu bringen. Unbehaglich ist vielleicht das richtige Wort für so ein Buch. Aber möglichst viele sollten genau dieses Unbehagen spüren (dürfen). Es führt uns – wieder einmal – vor Augen, was in einem Staat so richtig schief laufen kann, wenn wir es zulassen. Zumindest jeder, der Klaus Köhlers „Der fingierte Ausbruch“ gelesen hat, wird hier mit gespitzten und hellhörigen Ohren Äußerungen unserer Politiker wahrnehmen. Und das ist gut so!

Copyright © 2012 by Werner Karl
www.wernerkarl.org

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