Die Welt der Hetären – Berühmte Frauen zwischen Legende und Wirklichkeit

Wolfgang Schuller
Die Welt der Hetären – Berühmte Frauen zwischen Legende und Wirklichkeit

Klett-Cotta, Stuttgart, 3/2008
HC mit Schutzumschlag, Sachbuch, Kulturgeschichte, 978-3-608-96001-3, 304/2490
Titelgestaltung von Philippa Walz, Stuttgart unter Verwendung eines Fotos von akg-images/Werner Forman
16 Seiten mit Abbildungen aus verschiedenen Quellen
Autorenfoto von N. N.

www.klett-cotta.de

www.uni-konstanz.de/geschichte/altegeschichte

Hetären, Kurtisanen und Geishas – gebildete Frauen, die am Rande der Gesellschaft eine Ausnahmestellung innehatten und in allen Zeiten bewundert, aber gleichzeitig auch verachtet wurden, bewegten von jeher die Phantasie der Menschen. Wer waren sie? Wie waren sie wirklich? Wie lebten sie?

Was ist Wahrheit, was Mythos? – Diesen Fragen geht der Altertumswissenschaftler Wolfgang Schuller anhand von historischen Quellen in seinem Buch „Die Welt der Hetären“ nach.

Zunächst beschreibt er die Probleme, die sich ihm stellten: Von keiner Hetäre gibt es unmittelbare Überlieferungen wie Schriftstücke sondern nur Gedichte und Lieder von Freunden und Kritikern, die die Schönheit und Klugheit dieser Frauen preisen oder sie verspotten, sowie bruchstückhafte Berichte aus zweiter und dritter Hand, die aus denselben Gründen mit Vorsicht zu genießen sind. Oft bleibt unklar, ob die Schilderung einer realen oder fiktiven Persönlichkeit gilt bzw. ob es mehrere Frauen dieses Namens gegeben hat. Forschungsergebnisse wurden bislang nur von männlichen Altertumswissenschaftlern zusammengetragen, was das Bild der Hetäre nicht unerheblich mit beeinflusst hat.

Dann wendet sich der Autor den Hetären selbst zu und nennt einige der bekanntesten Frauen der archaischen Zeit, des Klassik, der hellenistischen Epoche, des römischen Reichs bis zum Ende der Spätantike. Da es zu weit führen würde, auch die Kurtisanen der Renaissance, die Mätressen absolutistischer Herrscher und die Musen vieler Künstler aus der ‚Demi-Monde’ des 19. Jahrhunderts oder ihre Pendants aus anderen Kulturkreisen zu berücksichtigen, verbleibt der Schwerpunkt der Abhandlung auf den griechischen und römischen Hetären.

Man geht davon aus, dass sich ihr Stand aus den Begleiterinnen entwickelte, die während eines Symposions bei Tisch aufwarteten, für schongeistige Unterhaltung und durchaus auch für erotische Spiele sorgten. Oft handelte es sich um Sklavinnen, um Freigelassene, seltener um Bürgerinnen. Wurde der Wert einer Sklavin erkannt, sorgte ihr Besitzer für eine umfassende Bildung und genoss Dank seiner klugen Begleiterin Ansehen bzw. mehrte durch sie sein Vermögen. Die kostbaren Geschenke ihrer Bewunderer erlaubten es der Hetäre, sich schließlich freizukaufen, in Wohlstand zu leben und sich die Männer auszusuchen, denen sie ihre Gunst schenkte.

Darin unterscheidet sich die Hetäre von der einfachen Prostituierten, die nur ihren Körper an Männer verkaufen konnte und bei den Freiern keine Wahl hatte. Zwar war es nicht ungewöhnlich, dass eine Hetäre eine Liebesbeziehung einging und unter Umständen zur Ehefrau erhoben wurde, doch wurden klare Grenzen gezogen: Die Gemahlin war zuständig für einen geordneten Haushalt und das Aufziehen legitimer Kinder (Bürger), wodurch sie der Polis von Nutzen war. Die Konkubine/Prostituierte bot sexuelle Vergnügungen.

Die Hetäre erfüllte die geistigen Ansprüche. Der junge Protegé wurde als zuverlässiger Gefährte und eventueller Nachfolger erzogen, wobei die ‚Knabenliebe’ vom Älteren auf den Jüngeren – nicht umgekehrt – projiziert wurde und entgegen vieler Meinungen das Zusammensein nie über ‚Schenkelverkehr’ hinaus ging.

Der Niedergang der Hetären wird ihrem sinkenden Ansehen – mehr Schein als Sein – in römischer Zeit und dem Erstarken des Christentums, das Sinnesfreuden durch eine neue Prüderie ersetzte, zugeschrieben.

Zweifellos hat es keine Ära gegeben, in denen die Hetären wirkliche Achtung genossen. Vordergründig wurden sie von ihren Verehrern gerühmt, einige Frauen konnten sogar politischen Einfluss nehmen und es zu einem beträchtlichen Vermögen bringen, doch die Mehrheit sah sich allgemeiner Verachtung ausgesetzt, und nicht selten wurden sie noch posthum von Dichtern und Geschichtsschreibern getadelt und angeklagt.

Interessiert man sich für (griechische und römische) Kulturgeschichte, und möchte man mehr über das Leben der Hetären erfahren, sollte man zu seriösen und wissenschaftlich fundierten Sachbüchern wie „Die Welt der Hetären“ greifen – und nicht zu oberflächlichen Abhandlungen der Regenbogenpresse, die bloß die deftigen Details medienwirksam aufbereitet. Fakten mögen zwar nicht so unterhaltsam zu lesen sein wie verkappte Liebesromane, doch wer echte Wissbegierde mitbringt, wird von den Zitaten und Auszügen aus Liedern und Gedichten fasziniert sein und sich über die Quellenangaben freuen, die es ermöglichen, sich weitere Kenntnisse zu dem Thema anzueignen. (IS)

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Die Welt der Hetären: Berühmte Frauen zwischen Legende und Wirklichkeit

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