Handbuch für Autorinnen und Autoren 8. Auflage

Sandra Uschtrin & Heribert Hinrichs (Hrsg.)
Handbuch für Autorinnen und Autoren
8. Auflage

Uschtrin Verlag
ISBN 978-3-932522-16-1
8., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage 2015
Hardcover
Umfang 704 Seiten

www.uschtrin.de

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

„Die 8. Auflage des Handbuchs ist da? Brauch ich nicht; hab doch schon die 6. (oder 7.) Auflage. Die genügt mir.“ Könnte man meinen … wenn man unberücksichtigt lässt, dass die 7. Auflage schon 2010 erschien. Und 5 Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Vor allem, wenn man die digitalen Umwälzungen und ihre bisher noch nicht abgeschlossenen (werden sie das je sein?) Veränderungen des Buchmarktes betrachtet. Dazu weiter unten mehr.

Bevor ich zum Inhalt komme, erst mal die „Äußerlichkeiten“ des Handbuchs (ich bin fast versucht, es Werk zu nennen, da Handbuch bei dem Umfang zu tief gestapelt ist): Das Hardcover in Blau und Grau liegt als Leineneinband deutlich besser in der Hand als das silbergraue, und ein wenig störend seidenglänzende, Vorläufermodell. Die geprägten Schriften befriedigen den Haptiker in mir. Die Innenseiten bestehen aus leicht grauem Papier, was mich unwillkürlich an Alt- oder Recyclingpapier denken lässt. Kein Hinweis hierzu, ob dem so ist (was begrüßenswert wäre) oder ob es eher für das lesende Auge angenehmer sein soll (was ich – zumindest für mich – verneinen muss; ich sage nur: Kontrastverlust). Die Seitenzahlen sitzen dort, wo sie hingehören, nämlich einzeln, unten und nicht „doppelt“ und am oberen Außenrand wie bei der 7. Auflage. Aber das ist Geschmackssache. Die einzelnen Abschnitte sind klar gegliedert und das sich wiederholende Blau und Grau des Umschlags betonen hier angenehm Überschriften und Texte.

Augenscheinlich gleiche Beiträge zur Vorauflage habe ich mir genauer angeschaut. Die Texte wurden wirklich überarbeitet, merklich modernisiert und vielfach ergänzt, z. B. „Heftromane und wie man sie verkauft“ behandelt nun auch die Aspekte „E-Book-Serien“ und „Truestorys“. „Schreiben fürs Theater“ hat eine neue Einführung und ein Interview erhalten, die beide andere Blicke auf das Thema werfen. „Drehbuchschreiben“ wurde erweitert mit Beiträgen wie „Literaturverfilmungen“, „Kann man vom Drehbuchschreiben leben?“ und „Der Tatort im Ersten“ usw. usw. Also nix mit: „Ich hab die 7. und brauch´ die 8. nicht“.

Deutlich stärker – weil wie oben als eine der Veränderungen des Buchmarktes angedeutet – ausgeweitet hat sich der Abschnitt „Selfpublishing und Marketing“. War der Bereich Marketing in der 7. Auflage noch gerade 14 Seiten dünn, umfasst er hier schon geschmeidige 62 Seiten. Allerdings hauptsächlich aufgrund der Hinzunahme durch den Punkt Selbstveröffentlichung, dem rasant boomenden Markt. Dass hier die wichtigsten Kenner der Szene – Matthias Matting und Wolfgang Tischer – nicht fehlen dürfen, versteht sich fast von selbst. Super! (Öhm, eine Kleinigkeit: Ich dachte immer, es gäbe kein Plural von Cover; Covers klingt einfach schräg). Wie wichtig die Herausgeber „Selfpublishing und Marketing“ betrachten, sieht man gut an der Positionierung des Themas im Buch: nämlich gleich am Anfang!

Auch wenn ich das Wachstum des Themas an sich wirklich begeistert aufgenommen habe, kann ich nicht umhin zu erwähnen, dass gerade der Bereich Marketing trotzdem ein wenig mager und zu allgemein wegkommt. Welche Marketing-Maßnahmen ein Selfpublisher machen könnte, wird zwar kurz aufgelistet. Welche er sich aber – bei vermutet schmalem Budget – leisten könnte und welche nicht, wird unbefriedigend behandelt. Auch die Wirksamkeit/Nachhaltigkeit einzelner Maßnahmen wird leider nicht thematisiert; Stichwort: Google Analytics. Bei den erwähnten Werbemitteln fragt man sich doch immer: „Wo treibt sich meine Zielgruppe im Real-Life herum?“ Schließlich gibt es massenhaft Leseratten/Altersgruppen, die nicht unbedingt im Netz aktiv sind. „Wo kann ich denen begegnen?“ Ihnen auf Buchmessen aufzulauern und Give-aways, Lesezeichen und Postkarten in die Hand zu drücken, wirkt aufdringlich und ist wenig effizient, da man nicht erkennen kann, ob die heimgesuchte Person für „mein“ Genre Interesse hegt. Potential für die 9. Auflage, die hoffentlich nicht erst 2020 kommt.

Weiterhin – und natürlich aktualisiert – vorhanden:
–    Aus- und Fortbildung für Schriftstellerinnen
–    Hörspiele schreiben und produzieren
–    Literaturzeitschriften
–    Kontaktaufnahme: Anschreiben, Exposé, Textprobe/Manuskript
–    Literaturagenturen
–    Verlage und Genres
–    Infobörsen, Netzwerke & literarische Einrichtungen
–    Geld verdienen mit literarischen Dienstleistungen
–    Recht und Soziales

Ein guter Teil des Handbuchs strotzt nur so von relevanten Adressen, Quellen, Buchtipps, etlichen Interviews und anderen Hinweisen, die aus diesen 704 Seiten geballter Autorenhilfe locker das Zehnfache ergeben können. Vielleicht ist das genau das Hauptanliegen des Uschtrin-Verlages, seiner Herausgeber und der erfreulichen Vielzahl renommierter AutorInnen, welches dieses Werk mit ihren Beiträgen zu einem unverzichtbaren Werkzeug machen: Angehenden und bereits publizierenden SchreibarbeiterInnen deutlich zu machen, dass Schreiben als kreativer Akt längst nicht mehr allein der nackte Text ist. Sondern auch die Arbeit davor, währenddessen und – in Hinblick auf Selfpublishing – ganz besonders danach.

Wahrscheinlich – nein ganz sicher – werde zumindest ich das „Handbuch für Autorinnen und Autoren“ immer wieder zu Rate ziehen. Müsste ich Punkte verteilen, würde ich 9 von 10 wählen!

Copyright © 2015 by Werner Karl
www.wernerkarl.org

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Comments

  1. Liebe Freunde des Buchrezicenter,

    hier noch eine Ergänzung zur obigen Rezi. Die Verlagschefin, Frau Sandra Uschtrin, hat mir folgende E-Mail geschickt:

    Lieber Herr Karl,

    ich kann mich meiner Chefredakteurin nur anschließen! Ich habe mich sehr gefreut, dass Sie beide Handbuch-Ausgaben miteinander verglichen haben. Und – wie ja auch immer bei den einzelnen Federwelt-Ausgaben: dass Sie sich das Handbuch wirklich genau angeguckt haben. Das machen Rezensenten ja oft eher nicht. Leider.

    Zum Papier: Es ist das 70-g/m2-Recyclingpapier Lettura (umweltfreundlich aus 100% Altpapier) mit 72er Weiße.
    Ein Verlag verbraucht ja Tonnen von Papier. Vor einigen Jahren habe ich mich daher entschieden (nach einer Recherche für einen Federwelt-Artikel über das Thema Papier, die mir die Augen öffnete), nach Möglichkeit nur noch umweltfreundliches Recyclingpapier zu verwenden, und zwar am besten solches, das mit dem Blauen Engel ausgezeichnet ist. Das ist nämlich das umweltfreundlichste. Seither (Heft 89, August/September 2011) verwenden wir in der Federwelt Papier, das mit dem Blauen Engel zertifiziert ist. Und so eben auch im neuen »Handbuch für Autorinnen und Autoren«.

    Da kann ich nur noch mal Danke sagen für den Rezi-Titel und diese erfreuliche Papier-Info.

    LG Werner Karl 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.