Jule und der Schrecken der Chemie

Andrea Heering
Jule und der Schrecken der Chemie

Wiley-VCH
Reihe: Erlebnis Wissenschaft
ISBN: 978-3-527-33487-2
Sachbuch, Bildung
1. Auflage 11.09.2013
ca. 240 S. – 21,4 x 14,0 cm; Hardcover
Illustriert von Aruna Palitzsch-Schulz

www.wiley-vch.de

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Die Autorin

Andrea Heering ist Lehrerin für Integrierte Naturwissenschaften und Chemie an der Europäischen Schule Brüssel IV in Belgien. Frau Heering ist Generalsekretärin der Kommission zur Evaluation und Entwicklung von Lehrplänen für Biologie an den Europäischen Schulen und Mitglied der Lehrplankommission für Integrierte Naturwissenschaften.
(Quelle: Wiley-VCH)

Das Buch

Für manchen ist Chemie seit der Schule der Inbegriff für effektreiche Knallerei oder absonderliche Gerüche. Mitunter erinnert man sich noch an Verfärbungen beim Mischen von Flüssigkeiten oder dem Lösen von Pülverchen. Die Theorie jedoch, die Logik, die hinter all dem steckt und das alles verbindet, ist oft verwirrend und bleibt für manche ein tiefdunkles Geheimnis. Als Physiker wird man zu Beginn des Studiums, zum Leidwesen vieler und nicht zuletzt der betreuenden Chemie-Doktoranden, genötigt, sich mit Titrationen, Summenformeln und Reaktionsgleichungen herumzuschlagen.

Hätte man nur in der Schule besser aufgepasst. Aber nicht alles sollte man auf die eigene Kappe nehmen. Unterricht kann auch interessant ablaufen und Lehrbücher griffig und spannend geschrieben sein. Das zeigt Andrea Heering eindrucksvoll mit dem lehrreichen Buch “Jule und der Schrecken der Chemie”.

Jule ist 13 Jahre alt, somit voll in der Pupertät und in der weiterführenden Schule bereits besagtem “Schrecken der Chemie” ausgesetzt. Anhand ihrer Erlebnisse mit Familie, mit Freunden oder einfach mit der Tücke verschiedener chemischer Stoffe führt die Autorin die Leser durch einen herrlich lockeren Chemiekurs. Hier dient das vergeigte Dinner mit Jules Schwarm zur Erläuterung der Mischbarkeit verschiedener Stoffe; dort macht ein kleiner Rauhaardackel, der im Weinkeller umkippt und wiederbelebt werden muss,  deutlich, dass und warum manche Gase schwerer sind als andere. Wegen eines unfachmannisch eingebauten Kamins, der die Kohle nur unvollständig verbrannt hat, kommt es im Ferienhaus, das sich Jule und ihre Eltern angemietet haben, zu einem gefährlichen Brand. Diese und viele andere in flotte Prosa verpackte Erlebnisse, die die Verbindung zwischen Alltag und Schulchemie herstellen, sind überaus einprägsam.

Anschließend an jede dieser Anekdoten macht die Autorin die Leser auf sehr anschauliche Weise mit den jeweiligen chemischen Hintergründen vertraut. Immer wieder gibt es Exkurse, die das Erlernte vertiefen oder erweitern, herrlich und sehr treffend betitelt als Exkurse für Zweifler, Tortenliebhaber, Waghälse oder andere. Die Themen reichen von den Stoffeigenschaften, von Sinn und Zweck theoretischer Modelle über den “Teilchencharakter der Materie” bis hin zu den “Gesetzen chemischer Reaktionen” und dem “Feinbau der Teilchen”.

Aussagekräftige Tabellen, übersichtliche Gegenüberstellungen, Fotos, Grafiken und nicht zuletzt die hübschen Illustrationen von Aruna Palitzsch-Schulz runden den sehr guten Eindruck des Buches ab. Abschließend gibt es noch einen “persönlichen Spickzettel”, in dem alle wichtigen Erkenntnisse des Buches stichwortartig zusammengefasst sind, ein paar Seiten vertiefender Anmerkungen und ein ausführliches Register.

Fazit

Andrea Heerings Texte lesen sich ungemein flüssig, ihre Erklärungen sind durch Jules teils lustige, teils dramatische Erlebnisse gut motiviert und lagern sich gerne und dauerhaft im Gedächtnis an. Mit ihrer direkten Anrede “du” und “wir” überbrückt sie die Kluft zwischen Lehrer und Schüler und schafft so eine angenehme, vertraute Atmosphäre. Sie stellt damit aber auch klar, dass das Buch nicht in erster Linie für Erwachsene geschrieben ist.

Für Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis 10 ist “Jule und der Schrecken der Chemie” als den Schulstoff begleitende Literatur bestens geeignet. Interessierte Erwachsene, die sich die Grundlagen der Chemie erarbeiten wollen und sich nicht an der jugendlichen Protagonistin stören, können hier ebenfalls bedenkenlos zugreifen. Ein erfrischendes und lehrreiches Lesevergnügen, nach dessen Lektüre nur “Jule und die Chemie” übrigbleiben. Der “Schrecken” hat sich ganz und gar verflüchtigt. Große Klasse!

Copyright © 2013 by Michael Bahner

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Comments

  1. FRISCH AUFGENOMMEN:

    sfbasar.de » Blog Archiv » SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Fragen an den Opa – aus Technik, Wissenschaft und Forschung” sagt:
    Montag 4. November 2013 um 14:37 e

    […] – BUCHBESPRECHUNG: JULE UND DER SCHRECKEN DER CHEMIE von Andrea Heering – Rezension von Michael Bahner (FÜR ETWA… BUCHBESPRECHUNG: KLASSISCHE MECHANIK – VOM WEITSPRUNG ZUM MARSFLUG von Rainer Müller – […]

  2. Hallo Herr Karl,
    offensichtlich sind Sie auch Naturwissenschaftler und können, genauso wie ich, den Stress, den man mit Chemie haben kann, sehr gut nachempfinden?!?! Schön, dass Ihnen das Buch gefallen hat, dass Sie es wirklich gelesen und eine Menge meiner eigenen Gedanken bei der Entstehung des Buches wiederentdeckt haben.
    Nur eine kleine Anmerkung, bevor sich potentielle Leser abgeschreckt fühlen: Meine 6. Klasse konnte die Geschichten schon prima verstehen und fand sie toll, eigentlich ist das Buch für Jugendliche ab 12 gedacht…
    Ich denke, ich werde in der nächsten Zeit ab und zu auf Ihrer Website vorbeischauen um mir Ideen für meine nächste Ferienlektüre zu holen… Viel Erfolg weiterhin mit dieser sehr gelungenen Seite, Ihre
    Andrea Heering

  3. Liebe Andrea Heering,

    Herr Karl ist der Chefredakteur und stellt die Rezis ein, rezensiert hat er sie aber nicht, sondern der Rezensent, der unter der Rezi genannt wurde. „(Copyright © 2013 by Michael Bahner)“

    Vielleicht kann Herr Bahner ja was dazu sagen?

  4. Liebe Frau Heering,

    Ihnen ist ein kleiner – verständlicher – Fehler unterlaufen. Die Rezi zu Ihrem Buch stammt nicht aus meiner Feder sondern von einem unserer Rezensenten, Herrn Michael Bahner. Ich bin „nur“ der Chefredakteur, der die Rezis einstellt, terminlich plant, die Verlage und Redakteure betreut und auch ab und an eine Rezi schreibt.

    Das Lob in diesem Fall gebührt aber allein Herrn Bahner; und wir sind sehr glücklich, mit ihm einen Rezensenten zu haben, der sich in diesem Genre auskennt. Ich werde ihm gerne Ihr Statement weiterleiten; wahrscheinlich hat er es aber schon gelesen.

    Also, an dieser Stelle mal wieder ein längst überfälliges: Dankeschön Michael! Weiter so.

    Mit galaktischen Grüßen
    Werner Karl 😉

  5. Lieber Herr Karl,
    vielen Dank für die nette und persönliche Rückmeldung.
    So also an Herrn Bahner:
    Danke für die detailgetreue Analyse meines Buches und die ansprechende Darstellung Ihrer Ergebnisse auf dieser Website!
    Ich würde mich freuen, wenn Jule vielen Menschen den Schrecken vor der Chemie nehmen könnte, den ich (leider) zur Genüge in vielen Jahren des Unverständnisses am eigenen Leibe erleben musste – dabei kann es so einfach sein, wenn man es nur richtig angeht….(Wie Sie selbst ja auch geschrieben haben!)
    Mit den besten Grüßen aus Brüssel von Ihrer
    Andrea Heering

  6. Liebe Frau Heering,

    es freut mich, dass Ihnen die Besprechung gefallen hat, zumal ich ungeheueren Spaß an der Lektüre hatte und das bei einem Fach, das ich früher nur mit der Beißzange angefasst hätte ;-).

    Sie haben natürlich ganz recht: das Buch ist für die 7. – 10. Klasse konzipiert, entsprechend einem Alter ab 12. Genauso steht es im Vorwort „Hallo, du!“. Genau diese Stellen hatte ich markiert und rausgeschrieben, um sie dann leider falsch zu übertragen. Ich muss gestehen, auch nach mehrmaligem Durchlesen ist mit das nicht mehr aufgefallen.
    Vielen Dank für die Richtigstellung.

    Die Rezension erscheint übrigens auch in der Anthologie Fragen an den Opa – aus Technik, Wissenschaft und Forschung”.

    Viele Grüße aus Stuttgart
    Michael Bahner

  7. @ Galaxykarl

    Detlef hätte gern hier in dieser Rezi die Jahrgangsstufen (Zielgruppe) richtig gestellt. Ich könnte dir jetzt das korrigierte komplette Fazit zuschicken. Das müsstest du dann nur noch austauschen. Aber ich richte mich nach dir, was dir am geschicktesten erscheint und/oder was für dich der geringste Aufwand ist.

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