Organismische Rekorde – Zwerge und Riesen von den Bakterien bis zu den Wirbeltieren

Klaus Richarz, Bruno P. Kremer
Organismische Rekorde – Zwerge und Riesen von den Bakterien bis zu den Wirbeltieren

Springer-Verlag GmbH
ISBN: 978-3-662-53779-4
Sachbuch, Tiere & Natur
Erschienen im Mai 2017
XXVI, 305 Seiten; 193 x 128 mm
90 schwarz-weiß Abbildungen
Softcover

www.springer.com

Klaus Richarz war hauptamtlich im Naturschutz tätig. Er leitete das Institut für angewandte Vogelkunde in Frankfurt und ist weiterhin ehrenamtlich und als Gutachter im Naturschutz tägig.

Bruno P. Kremer lehrte am Institut für Biologie und ihre Didaktik der Universität zu Köln. Jetzt beschäftigt er sich mit regionalwissenschaftlichen Fragestellungen.

Beide sind Autoren zahlreicher Sach-, Fach- und Lehrbücher.
(Quelle: Springer-Verlag GmbH)

Er war schon von weitem zu erkennen: der nicht enden wollende Strom neugieriger Besucher, der sich langsam durchs Maurische Landhaus schob. Alle wollten einem ganz besonderes Schauspiel beiwohnen, einem Ereignis, das es nur alle Jubeljahre zu bestaunen gibt. Und hier, in der Wilhelma, Stuttgarts Zoologisch-Botanischen Garten, sollte es gar noch einen Rekord geben. Grund für den ganzen Rummel war eine Blüte, genauer gesagt der Blütenstand der Amorphophallus titanum, der so genannten Titanenwurz. Nicht sehr lieblich für menschliche Augen und Nasen, aber gigantisch in seinen Ausmaßen von fast drei Metern Höhe und seinem intensiven süßlichen Aasgeruch, den man wahrnahm, lange bevor die Pflanze in Sicht kam. Eine wirklich beeindruckende Erscheinung und ein besonderes Erlebnis – nicht nur für Fliegen und Käfer, die normalerweise angelockt werden.

Um solche und andere Rekorde und Extreme verschiedenster Art geht es in dem Buch Organismische Rekorde – Zwerge und Riesen von den Bakterien bis zu den Wirbeltieren von Klaus Richarz, Bruno P. Kremer. Dabei beschränken sich die Autoren allerdings nicht, wie der Untertitel impliziert, auf die Kleinsten und die Größten. Bei den insgesamt über 160 Einträgen aus den Bereichen Bakterien, Protisten, Pilze, Pflanzen und Tiere findet man neben den „üblichen Verdächtigen“: den schnellsten, größten, kleinsten, stärksten, langlebigsten oder giftigsten Vertretern auch die, mit dem höchsten Blutdruck, die konsequentesten Fleischfresser oder sogar das „hässlichste Säugetier“. Egal, ob dabei Schnäbel gemessen werden, Ohren, Schnurrbärte oder auch Seidenfäden, ein bisschen stellt sich das Gefühl ein, jede Art stellt bei geeigneter Messung ihren eigenen Rekord auf. Macht nichts, die einzelnen Abschnitte sind trotzdem interessant und größtenteils amüsant zu lesen.

Manchmal, vor allem in den ersten Kapiteln, muss man sich als unbedarfter Nicht-Biologe durch einige Fachtermini, sowie stellenweise allzu detailierte Beschreibungen mühen, aber das hält sich glücklicherweise in Grenzen. Sicher ist das auch dem Umstand zu verdanken, dass den meisten Lesern Bakterien, Protisten und Konsorten nicht so geläufig sind wie Wildhunde, Wale oder Fledermäuse. Es wird aber nie so ausufernd, dass man das Kapitel überblättert oder gar das Buch weglegt. Apropos Protisten: der Begriff hat dem Rezensenten dieser Zeilen vor der Lektüre des Buches tatsächlich nichts gesagt. Jedes Kapitel beginnt allerdings mit einer mehrseitigen, gut verständlichen Einführung ins Thema (hier: Protisten), mit Bildern und ein bisschen Historie, die solche Lücken schnell schließt.

Inhalt:
1. Bakterien – die Kleinsten der Kleinen
2. Protisten – von ziemlich klein bis erstaunlich groß
3. Pilze – die etwas anderen Lebewesen
4. Pflanzen – so ganz anders, als man denkt
5. Tiere – eine unglaubliche Bauplanvielfalt
Literatur
Sachverzeichnis

Was angenehm auffällt, ist die vorsichtige, wissenschaftliche Art, wie mit Fakten auf der einen und Spekulationen auf der anderen Seite umgegangen wird. Die Autoren berichten sehr sachlich, und Vermutungen sind immer als solche erkennbar. Am Beispiel des größten Landtieres (Schwerlaster auf vier Beinen: Die größten Landtiere) wird das deutlich. Nach den im Buch aufgeführten Daten handelt es sich dabei um den Argentinosaurus. Da von diesem Dinosaurier offenbar kein vollständiges Skelett vorliegt, gilt für die Autoren ein anderer Vertreter, nämlich der Brachiosaurus als Rekordhalter in dieser Disziplin. Als Das größte Tier, das je auf Erden lebte, was Wassertiere einschließt, gilt daher auch wieder der Blauwal, der, falls sich die Größe des Argentinosaurus bestätigte, seinen ersten Platz abgeben müsste.

Welches Tier kann eigentlich am höchsten springen? Na klar, der Floh. Das ist altbekannt und hat sich bereits tief im kollektiven Gedächtnis eingenistet – aber zu Unrecht, denn die Behauptung ist leider falsch. Bedauerlicherweise wird dieses Missverständnis im Buch nicht aufgeklärt, sondern, im Gegenteil, sogar bestätigt. Es gibt ein paar populäre Physikbücher, die sich dieses Problems annehmen. Eine besonders griffige Erklärung findet man z.B. in der Physik der Superhelden von James Kakalios. Ein Floh, skaliert auf die Größe eines Menschen, bräche unter seinem eigenen Gewicht zusammen (ganz abgesehen davon, dass andere Funktionen wie die Tracheenatmung nicht mehr klappen würden). Seine Sprunghöhe wäre in dem Fall eher kümmerlich. Streifen aus den Anfängen des schwarz-weißen Science-Grusels wie Formicula oder auch neuere CGI-Spektakel wie Kong: Skull Island machen zweifellos Spaß, fördern aber höchstens den Popcorn-Konsum als wissenschaftliche Einsichten. Ein Mensch, auf die Ausmaße von Insekten geschrumpft, würde sich in den entsprechenden Wettbewerben sicher besser schlagen als allgemein vermutet. Bei dem im vorliegenden Buch erwähnten „Ameisen-Rekord“ verhält es sich im Übrigen genauso.

Bis auf diesen kleinen wissenschaftlichen Schnitzer, wird man in Organismische Rekorde – Zwerge und Riesen von den Bakterien bis zu den Wirbeltieren aber gut und reichlich mit interessanten Fakten und kurzweiligen Geschichtchen aus der Tier- und Pflanzenwelt versorgt, rund um teilweise herrlich ausgefallene Rekorde. Im Allgemeinen sind die Texte kurzweilig, illustriert mit vielen – in der Print-Ausgabe nur schwarz-weißen – Bildern. Wer die eBook-Ausgabe erwirbt, ist vermutlich besser dran, zumindest das Online-Exemplar des Rezensenten war farbig bebildert.

Copyright © 2018 by Michael Bahner

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