Vom Gottesteilchen zur Weltformel – Urknall, Higgs, Antimaterie und die rätselhafte Schattenwelt

Rüdiger Vaas
Vom Gottesteilchen zur Weltformel – Urknall, Higgs, Antimaterie und die rätselhafte Schattenwelt

(sfbentry)
Kosmos
ISBN: 978-3-440-13855-7
Sachbuch, Bildung
1. Aufl. 17.12.2013
ca. 512 S. – 21,8 x 14,0 cm
Hardcover

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Der Autor

Rüdiger Vaas ist Wissenschaftsreporter sowie Astronomie-und Physik-Redakteur des populären Monatsmagazins „bild der wissenschaft“. Er ist ein versierter Kenner der modernen Kosmologie, zu der er mehrere Bücher publiziert hat und weltweit Vorträge hält.
(Quelle: Kosmos Verlag)

Das Buch

In seinem Buch “Vom Gottesteilchen zur Weltformel” verschafft der Wissenschaftsjournalist Rüdiger Vaas den Lesern zunächst einen Überblick über die Entdeckungs- und Erkenntnishistorie bei der Erforschung der Materie. Das Standardmodell der Materie, wie das theoretische Gerüst zur Beschreibung aller Teilchen und Kräfte (mit Ausnahme der Gravitation) bescheiden bezeichnet wird, enthält neben Elektronen, Neutrinos, Quarks und anderen auch das weithin bekannte Higgs-Boson, das bereits 1964 vorhergesagt wurde. Je kleiner die Teilchen sind, desto mehr Energie wird benötigt, um sie zu erzeugen und zu erforschen, und daher ist man gezwungen, immer größere Beschleuniger zu bauen. Eines der bekanntesten Kernforschungszentren ist das CERN bei Genf, das den zurzeit größten Beschleuniger beherbergt, den LHC, der, wie sich der Autor ausdrückt, mitsamt seinen teils haushohen Detektoren die größte je von Menschen geschaffene Maschine ist. Hier kommt der Autor ins Schwärmen, was allzu verständlich ist angesichts der schieren Masse an Superlativen, die sowohl den Bau und den Betrieb des LHC, als auch die Auswertung der Daten betreffen.

Seit 1964 harrte das Higgs-Boson also seiner Entdeckung, bis es dann 2012 tatsächlich nachgewiesen wurde. Im Kapitel “Gottesteilchen” erzählt Rüdiger Vaas diese packende Jagd, wie zunächst an anderen Beschleunigern Indizien gefunden wurden und schließlich am LHC der Nachweis des Higgs-Teilchens gelungen ist. Trotz der vielen, aber notwendigen Physik und der Masse an technischen Eckdaten gelingt es dem Autor ohne Weiteres, die Leser bei der Stange zu halten, nicht zuletzt durch zahlreiche Anekdoten und seinen lebendigen Schreibstil. Aber nicht nur “normale Materie” entsteht in den großen Beschleunigern, sondern auch ganz andere Arten, wie beispielsweise die so genannte Antimaterie, auf die der Autor im 3. Kapitel eingeht. Spätestens nach der Verfilmung des Bestsellers “Angels & Demons” von Dan Brown (dt. “Illuminati”) gehört ihre Existenz zum Allgemeinwissen. Aber kann diese hochgefährliche Materie wirklich den Vatikan pulverisieren? Rüdiger Vaas wäre kein ernstzunehmender und guter Wissenschaftsreporter, wenn er diesen dramatischen, zugegebenermaßen höchst unterhaltsamen Garn nicht aus wissenschaftlicher Sicht relativieren würde und nicht doch noch ein äußerst spannendes Kapitel aus der Realität extrahieren könnte. Beides macht er hervorragend, auch wenn er, vielleicht der Dramatik wegen, die Auflösung von Dan Browns schriftstellerischen Freiheiten ans Ende des Kapitels stellt.

Danach wendet er sich einer der großen und ganz aktuellen Fragen sowohl der Kosmologie als auch der Elementarteilchenphysik zu: der nach Natur und Ursprung der “Dunklen Materie”. Das (beinahe vollständige) Standardmodell und die Suche nach den wenigen noch nicht entdeckten Teilchen sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass der größte Teil der Masse, aus der die Galaxien bestehen, nicht zu detektieren ist. Sie ist in jeder Hinsicht dunkel und macht sich hauptsächlich über ihre gravitative Wirkung bemerkbar. Gerade das macht das Thema und dieses Kapitel, in dem die Theorien, woraus diese Dunkle Materie bestehen könnte und die Suche nach Indizien, besonders faszinierend. Im nächsten Kapitel geht es um Symmetrieprinzipien, bis schließlich im letzten Kapitel “Weltformel” die String- oder M-Theorie als bislang bester Kandidat für eine Theorie vorgestellt wird, die alles erklären soll. Am Schluss gibt es noch Listen von Büchern, Artikeln und Internet-Links passend zu den Themen, jedoch leider kein Register.

Keine Frage, Rüdiger Vaas schreibt überaus routiniert und kann wissenschaftliche Zusammenhänge ohne Weiteres auch für Nicht-Wissenschaftler äußerst plastisch darstellen. Viele Bilder, Illustration und Tabellen helfen unter anderem dabei, manche allzu abstrakte Hürde zu meistern oder ein gewisses Maß an Ordnung in das Wirrwarr an Teilchen zu bekommen. Sehr interessant sind die zahlreichen Einschübe (hier “Exkurse” genannt), die zusätzliche oder detailliertere Informationen zum Stoff bieten. Sehr schön: ein übersichtliches Fazit fasst am Ende jedes Kapitels die wesentlichen Punkte zusammen.

Fazit

Rüdiger Vaas’ Sachbuch “Vom Gottesteilchen zur Weltformel” ist packend erzählt und bei wissenschaftlichen Sachverhalten so detailliert erklärt wie nötig, um die Zusammenhänge klar zu machen – und den Spannungsfaden nicht abreisen zu lassen. Ein tolles populärwissenschaftliches Lesebuch!

Copyright © 2014 by Michael Bahner

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Comments

  1. FRISCH AUFGENOMMEN:

    NEU – BUCHBESPRECHUNG: VOM GOTTESTEILCHEN ZUR WELTFORMEL – URKNALL, HIGGS, ANTIMATERIE UND DIE RÄTSELHAFTE SCHATTENWELT von Rüdiger Vaas – Rezension von Michael Bahner (FÜR ETWAS ÄLTERE LESER!)

    SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Fragen an den Opa – aus Technik, Wissenschaft und Forschung”

    http://sfbasar.filmbesprechungen.de/allgemein/sfbasar-de-anthologie-mit-themenschwerpunkt-%e2%80%9cfragen-an-den-opa-%e2%80%93-aus-technik-wissenschaft-und-forschung%e2%80%9d/

  2. Ich glaube, hier fehlt ein Wort, oder:

    „Am Schluss gibt es noch Listen von Büchern, Artikeln und Internet-Links passend zu den Themen, jedoch leider (KEIN) Register.“

  3. Hallo Simone,

    danke für den Hinweis; hat der Rezensent wohl übersehen. Ich fummle es rein.

    mgg
    Werner 😉

  4. Hallo Simone und Werner,

    genau dieses Wort hat gefehlt. Euch vielen Dank für’s finden und korrigieren. Im Übrigen beruhigt und freut es mich, wie aufmerksam unsere Rezis gelesen werden 🙂

    Viele Grüße 😉
    Micha

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