Eolo – Leben und Schicksal eines italienischen Anarchisten 1918 – 1945

Gianni Sparapan
Eolo – Leben und Schicksal eines italienischen Anarchisten 1918 – 1945

(sfbentry)
Eolo (1918 – 1945), Italien, 2002
Donat Verlag, Bremen, 08/2011
HC, biografischer Roman, Geschichte
ISBN 978-3-938275-80-1
Aus dem Italienischen von Günther Gerlach
Titelgestaltung und Layout von hofAtelier Toni Horndasch, Bremeb
19 SW-Abbildungen im Innenteil
Mit einem Vorwort von Vincenzo Orlando

www.donat-verlag.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Eolo Boccato wurde 1918 als eines der Kinder des Anarchisten Amerigo Boccto geboren und wuchs als Freigeist auf, der seinen Angehörigen und Freunden in Liebe zugetan war, aber gegen die Obrigkeit rebellierte. Schon bald brachte er durch sein Handeln und seine Reden die Faschisten gegen sich auf. Den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs sah er als Chance, Worten Taten folgen zu lassen und die Gegner zu bekämpfen, um dem Volk die Freiheit zu bringen. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er aus der Armee entlassen und ging, nachdem die Faschisten einen seiner Brüder ermordeten, in den Untergrund.

Ideologie und persönliche Beweggründe vermischten sich, Gewalt wurde mit Gegengewalt beantwortet. Sympathisierten viele zunächst noch mit der Boccato-Bande, so stellten schließlich immer mehr Bürger deren Motive infrage, denn die Aktionen von Eolo und seinen Kameraden wurden immer brutaler und kosteten auch Außenstehen das Leben. Nach einer langen Hetzjagd durch die Wehrmacht und die italienischen Faschisten wurde Eolo Boccato 1945 durch eine Granate getötet.

Wie der Titel „Eolo – Leben und Schicksal eines italienischen Anarchisten 1918 – 1945“ vorwegnimmt, handelt es sich bei dem vorliegenden Buch um einen biografischen Roman. Anhand von historischen Dokumenten rekonstruierte Gianni Sparapan das kurze Leben von Eolo Boccato, ergänzt durch einige fiktive Figuren und Szenen. Dem Autor ging es darum aufzuzeigen, wie ein freundlicher junger Mann an den Gräueln, die er und seine Angehörigen erleben mussten, zerbrach und sich zu einem unerbittlichen Rächer entwickelte, wie sich Ideale persönlichen Motiven unterordneten, wie aus Gewalt und Gegengewalt zu einer Spirale erwuchs, aus der es kein Entkommen gab.

Die einzelnen Stationen des Lebenswegs der Hauptfigur werden in kurzen Episoden geschildert: Eolo Boccatos familiärer Hintergrund, seine Kindheit- und Jugend, sein kurzes Glück an der Seite einer ihn liebenden Frau und der gemeinsamen Tochter, die eskalierenden Ausschreitungen der Faschisten, der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, der Mord an seinem Bruder, die wechselseitigen Racheaktionen, schließlich sein gewaltsamer Tod. Dazwischen streute der Autor Gedichte sowie SW-Fotos von den Personen und Lokalitäten.

Kleine Details wie z. B. Erklärungen zu den nicht-christlichen Namen, die die Anarchisten ihren Kindern gaben, ihre Einstellung zur Ehe und Familie und ihre nachvollziehbaren Ideale verdeutlichen, wem die Sympathien des Autors gehören. Auch der Leser bringt den Anarchisten Verständnis entgegen – bis sich ihre Aktionen an Skrupellosigkeit mit denen der Faschisten messen können. Hier wird nichts beschönigt, die Schilderungen bleiben neutral und sachlich, als Eolo dem Rachewunsch nachgibt, selbst zum Verbrecher wird und seine Ideale verrät. Sein gewaltsames Ende ist praktisch die Konsequenz seiner Taten.

„Eolo“ ist keine leichte Kost und wendet sich an geschichtlich interessierte Leser, die biografischen Romanen mehr abgewinnen können als herkömmlicher Belletristik, die der reinen Unterhaltung dient.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

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