Mafiatochter – Aufgewachsen unter Gangstern

Karen Gravano mit Lisa Pulitzer
Mafiatochter – Aufgewachsen unter Gangstern

(sfbentry)
Mob Doughter (2012)
Hannibal Verlag (Hannibal Crime)
ISBN: 978-3-85445-387-1
Sachbuch, Biografie
Erschienen: 1. Aufl. 09.2012
Übersetzer: Henning Dedekind
Umfang: 240 S., s/w Privatfotos; 24,0 x 16,0 cm;  Einband: Paperback

www.hannibal-verlag.de
www.thegravanos.com

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Vorbemerkung

Dies ist die Biographie einer der Autorinnen, Karen Gravano. Da nicht ersichtlich ist, welchen Anteil Lisa Pulitzer an der Erstellung dieses Buches hatte, werde ich im Folgenden von “den Autorinnen” schreiben.

Buch

Karen Gravano wird am 8. Mai 1972 in Brooklyn als Tochter von Salvatore und Debra Gravano geboren. Gleich zu Beginn wird der Leser damit konfrontiert, dass Salvatore Gravano kein Vater der gewöhnlichen Sorte ist, als ihn Karen zusammen mit Mutter, Tochter und Neffen in Gefängnis in Arizona besucht. Dann beginnt die Rückblende, die Lebensumstände des Vaters und der Mutter werden beleuchtet, und Karens Leben beginnt im Schatten von Gangstern und Verbrechen.

Sie wächst auf wie viele Kinder in ihrer Umgebung, bis sie eines Tages bemerkt, dass ihr Vater anders ist als andere Väter. Ihm wird mehr Respekt und Aufmerksamkeit entgegengebracht als anderen. Beispielsweise ist er bei einer Beerdigung der erste, dem kondoliert wird, noch vor der Ehefrau des Verstorbenen. Karen genießt es, als seine Tochter besonders zuvorkommend behandelt zu werden. Viel später erst wird ihr bewusst, dass diese besondere Behandlung weniger auf Ansehen als auf Furcht basierte. Das geht so lange, bis ihr Vater sich von der Mafia distanziert.

Salvatore “Sammy the Bull” Gravano steigt auf zum zweitmächtigsten Mann der Mafia in den USA neben John Gotti, seinem Boss. Ende 1990 werden beide inhaftiert und Sammy unter anderem des 19-fachen Mordes beschuldigt. Im Laufe des Prozesses fühlt er sich immer mehr von John Gotti verraten. Sammy Gravano macht schließlich einen Deal mit dem FBI, der viele Mitglieder der Mafia ans Messer liefert, allen voran seinen Boss. Ausgenommen werden dabei seine eigenen Leute, und ihm selbst verschafft dieser Handel eine Haftminderung, sodass er insgesamt nur noch fünf Jahre abzusitzen hat.

Selbst Karen fühlt sich von ihrem Vater verraten und versucht, auf den Prinzipien und Werten, die sie glaubt von ihm vermittelt bekommen zu haben, ihr eigenes Leben aufzubauen. Ihre Mutter und ihr Bruder Gerard ziehen nach Arizona, wo Sammy einsitzt und wo er nach seiner Entlassung lebt. Währenddessen lebt Karen in New York, ihre Freunde sind Gangster, und mit einer Freundin baut sie einen “Gras Service” auf. Doch dann zieht auch sie nach Arizona, wo schließlich ihre Tochter Karina geboren wird. Als sie und ihre Familie des illegalen Drogenhandels beschuldigt werden, macht ihr Vater ein zweites Mal einen Handel mit der Polizei und nimmt den Großteil der Strafe auf sich, um seine Familie zu schützen. Zwei Jahrzehnte muss er verbüßen, während Karen und ihre Mutter mit Bewährungsstrafen davon kommen. Im Hinblick auf die Verantwortung, die sie gegenüber ihrer Tochter hat, beschließt Karen, ihren Lebensunterhalt fortan auf legalem Weg zu verdienen. Sie arbeitet als Kosmetikerin und tritt später in der Reality Show “Mob Wives”, Mafiafrauen, auf.

Fazit

“Mafiatochter” ist nicht reißerisch, es hat nicht zu tun mit einem Mafia Thriller. Wer das erwartet, wird enttäuscht. Der Stil ist flüssig und die Sprache angenehm unaufdringlich, auf keinen Fall Gossensprache, auch, wenn jemandem mal “der Arsch aufgerissen” wird. Die Autorinnen schaffen es spielend, den Leser in ihren Bann zu ziehen. Die Welt der Karen Gravano ist zunächst so gewöhnlich wie die vieler anderer, gleichzeitig ist sie aber auch so fremd, dass man sich immer wieder fragt: wie passt das zusammen? Einmal möchte Karen eine Freundin einladen, bei ihr zu übernachten, aber ihr Vater vertröstet sie, dass es heute wirklich nicht ginge, vielleicht am Wochenende und steckt seine Waffe weg.

Das Buch ist faszinierend fremd und ehrlich, soweit man das als Außenstehender beurteilen kann, vor allem aber gut zu lesen. Und wenn es Karen Gravano geholfen hat, sich auf diese Weise die Irrungen und Wirrungen dieses Teiles ihres Lebens von der Seele zu schreiben und damit abzuschließen, ist das in Ordnung. Die Fotos und die Zeichnung im Mittelteil sind leider von mäßiger Qualität. Wie dem auch sei, ich fand “Mafiatochter” interessant und nie langweilig.

Copyright © 2012 by Michael Bahner

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