Marzi – Eine Kindheit in Polen (1984 – 1987)

Marzena Sowa, Sylvain Savoia
Marzi – Eine Kindheit in Polen (1984 – 1987)

Marzi – L’Intégrale 1 : La Pologne vue par les yeux dune enfant, Frankreich, 2008
Panini Comics, Stuttgart, 06/2012
HC, gebunden
Graphic Novel, Biografie, Zeitgeschichte
ISBN 978-3-86201-401-9
Aus dem Französischen von N. N.
Titelillustration und Zeichnungen von Sylvain Savoia

www.paninicomics.de
www.lambiek.net/artists/s/savoia_sylvain.htm

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Alles beginnt mit einem Karpfen, der bis zum Weihnachtsessen in der Badewanne der Familie Sowa seine begrenzten Runden dreht. Töchterchen Marzena, genannt Marzi, ist fünf Jahre alt. In der Folge begleitet der Leser Marzi durch die wechselhaften Episoden ihrer Kindheit, wird Zeuge ihres Alltags, ihrer Ängste und Wünsche und sieht die Welt des kommunistischen Polens von 1984 bis 1987 durch ihre kindlichen Augen. Heute ist Marzena Sowa die Lebensgefährtin des französischen Comicautors Sylvain Savoia, der von den ‚exotischen‘ Berichten aus ihrer Kindheit so begeistert war, dass er die erzählten Erinnerungen zu einer Comicbiografie verarbeitete.

Statt einer durchgehenden Handlung reiht Sylvain Savoia hier 33 Episoden (mit jeweils 1 – 9 Seiten Länge) aus Marzis Kindheit aneinander. Zwar chronologisch geordnet, doch weitestgehend ohne narrativen Zusammenhang. Mit Marzia die Erzählerin schildert er glückliche wie auch schmerzliche Momente oder einfach wertfrei dargestellte Normzustände, wie etwa die leeren Regale im Supermarkt und die Euphorie, die in stundenlanges Schlange stehen mündet, wenn schließlich tatsächlich einmal Orangen oder ähnlich exotische Ware im Laden ankommt. Im Hintergrund der Handlung bekommt man jedoch ein Bild Polens an der Schwelle zum Umbruch gezeigt („Marzi“ spielt in den Jahren 1984 – 1987). Immer wieder nimmt Marzis Vater (auch nachts) an Demonstrationen und Streiks teil, die schließlich in die gesellschaftliche und politische Neuausrichtung Polens führen sollen. In der letzten Episode dieses Bandes taucht dann erstmals im Rahmen der Fernsehberichterstattung die spätere politische Gallionsfigur Lech Walesa auf.

„Marzi“ funktioniert also – so man sich mit der Geschichte Polens etwas auskennt, oder diese Zeit bewusst erlebt hat – auf zwei Ebenen. Dennoch drängt sich dieses zweifellos bedeutende politische Geschehen niemals in den Vordergrund. Nur an wenigen Stellen wird Marzis Mikrokosmos aus Schulalltag, Familienausflügen und Feiertagen von diesen Vorbereitungen der politischen Umwälzung berührt. Autor und Zeichner Sylvain Savoia bleibt stets auf die kleine Marzi fixiert und versteht es, die gewählte kindliche Perspektive der Ereignisse konsequent beizubehalten. Da hat ein langweiliger Tag im Schrebergarten den gleichen Stellenwert wie die Panzer, die plötzlich nachts durch Warschaus Straßen rollen. Die überwiegend sepiafarbenen, cartoonhaften Zeichnungen unterstreichen ebenso wie die stets gleiche Seitenaufteilung (6 gleich große Panels pro Seite) nochmals die kindliche, naive Erzählperspektive, die noch einer erfahrenen Ereignisbewertung entbehrt.

Paninicomics legt diesen Eisner-Award-Gewinner in Deutschland als hochwertigen und edlen Hardcoverband in schmucker Ausstattung auf, der die knapp EUR 25,- Anschaffungspreis rechtfertigt. „Marzi“: Das Abenteuer Kindheit im kommunistischen Polen der 1980er Jahre, am Rande des politischen Umbruchs. Ein erfrischend anderes Comicerlebnis, geschildert in 33 Episoden.

Copyright by 2013 © Elmar Huber (EH)

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