40 Jahre Carlsen Comics: Gaston – Ausgewählte Katastrophen

André Franquin
40 Jahre Carlsen Comics: Gaston – Ausgewählte Katastrophen

Gaston Lagaffe, Frankreich, N. N.
Carlsen Comics, Hamburg, 10/2007
HC-Album, Comic, Funny, Satire, 978-3-551-73180-7, 96/1000
Aus dem Französischen von Klaus Müller, Peter Müller, Eckart Sackmann, Hedda Siebel
Titelillustration und Vorwort von André Franquin

www.carlsencomics.de
http://spirou.spirou.com/
www.gastonlagaffe.com

Gaston ist eine der bekanntesten und beliebtesten Figuren von André Franquin. Der chaotische Bürobote hatte ab 1957 immer mal kleine Auftritte in der Serie „Spirou & Fantasio“, bis er seinen eigenen Titel erhielt, an dem der Künstler bis zu seinem Tod im Jahr 1997 arbeitete.

Im französischen Original heißt Gaston „Gaston Lagaffe“ (= Ungeschick), und natürlich folgen die kurzen Geschichten, die sich um ihn ranken, dem Prinzip nomen est omen. Gaston ist ein richtiger Antiheld, der viel (zu viel) Phantasie hat, eigentlich immer etwas Gutes und nur das Richtige tun will, doch was er auch anpackt: Es geht gründlich schief.

Das Chaos, das er verursacht, indem er einfach bloß untätig herumsteht oder etwas gegen seine Langeweile unternimmt, indem er die Aufträge wortwörtlich oder durch eine kluge Erfindung schneller auszuführen versucht, bricht nicht allein über ihn herein, sondern zieht auch die Menschen seines Umfelds in Mitleidenschaft, seien es die Angestellten der – tatsächlich existierenden – Redaktion Dupuis, aus der die dt. Übersetzung den Carlsen Verlag machte, der Polizist Knüsel, Gastons Kumpel Alfons o. a.

Die Scherze beruhen auf Situationskomik und Wortwitz, doch erlaubt sich Franquin bei „Gaston“ deutlich mehr zu übertreiben und das (Verlags-) Leben zu parodieren als in anderen Reihen. Trotzdem sind es Geschichten, wie sie der Alltag schreibt, man kann sich und seine Bekannten darin wieder finden und herzlich über den Klamauk lachen.

Der vorliegende Band erscheint als edle Sammlerausgabe: Hardcover mit Foliendruck, Kunstdruckpapier, sauberer Druck. Jede Comic-Geschichte erstreckt sich über eine Seite und schildert pointiert eine bestimmte Situation. Manches Thema, das für mehr Seiten gut ist, wird fortgesetzt. Darunter finden sich auch Running Gags wie Gastons ständig kaputtes Auto oder Fräulein Trudels Flirtversuche.

Hier darf man miterleben, wie Gaston aus Sparsamkeit den nadellosen Weihnachtsbaum wiederherzustellen versucht und dabei eine Panne erleidet. Der positive Nebeneffekt ist, dass er einen Einbrecher so sehr erschreckt, dass dieser froh ist, als die Polizei ihn in Gewahrsam nimmt. Für viele fängt der Urlaub mit der Reparatur des Autos an, und für jemanden wie Gaston hört das nie auf. Gastons kaputter Schirm entwickelt ein erstaunliches Eigenleben. Er selbst verwandelt sich auf wundersame Weise in ein Monster, das die Leute erschreckt. Und oft ist alles, was ihm dazu einfällt, das berüchtigte: Was denn? – Das und noch viel mehr kann man auf rund 100 Seiten nachlesen.

Wort und Bild verschmelzen zu einer gelungenen Einheit. Das Betrachten der einzelnen Panels, die liebevoll mit vielen Details versehen sind, ist ein Genuss.
Mag man das „Marsupilami“ oder „Spirou & Fantasio“, dann ist „Gaston“ geradezu ein Muss. Vielleicht beinhalten die kleinen Geschichten über die Tücken des Alltags, die der Titelheld ständig provoziert, sogar die schönsten Ideen von André Franquin.

Jung und Alt haben ihren Spaß an dieser Serie, wobei erst das reifere Publikum sowohl die schöne Gestaltung des Albums wie auch die Anspielungen wirklich zu würdigen weiß. Die Freunde francobelgischer Comics sollten sich den Band nicht entgehen lassen! (IS)

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40 Jahre Carlsen Comics: Gaston

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