Amelia rockt!

amelia-rocktJimmy Gownley
Amelia rockt!
Amelia 3

Amelia Rules! 5 + 6, Renaissance Press, USA, 2009
comikat/eidalon verlag, Brandenburg, Erstausgabe: 9/2009
HC, vollfarbiger Comic, Comedy
ISBN 9783939585879
Aus dem Amerikanischen von Stefan Pannor
Titelillustration von Jimmy Gowley

www.comicat.de
www.eidalon.de
www.ameliarules.com
www.pannor.de

Schon seit einer geraumen Weile leben Amelia und ihre Mutter bei Tante Tanner, die für die Neunjährige wie eine große Schwester ist, ihr das Verständnis entgegenbringt, das die Mutter missen lässt, und so manches erlaubt, was Eltern nicht immer zulassen würden. In ihrer neuen Klasse hat sich Amelia eingelebt, und in Reggie, der ein großer Superhelden-Fan ist, Rhonda, die in Reggie verknallt ist, und Pyjamaman, der nie spricht, hat sie treue Freunde gefunden. Man mag die Clique zwar für Loser halten – aber wer will schon etwas mit tumben Raufbolden oder nervigen Modepüppchen zu tun haben? Endlich nimmt sich Amelias Vater Zeit für seine Tochter. Seit der Scheidung der Eltern haben sie sich kaum noch gesehen. Die große Freude erhält einen empfindlichen Dämpfer, als Amelia feststellen muss, dass der Vater auch ihre Freunde zum Camping eingeladen hat, dabei hätte sie ihn lieber für sich allein gehabt. Amelia beschließt, beleidigt zu sein und allen zu grollen.

Als die Schule wieder beginnt, wird Amelia plötzlich von ihren Klassenkameraden freundlich begrüßt, sogar von jenen, die sie immer geschnitten haben. Schon bald wird ihr klar, dass es gar nicht um sie geht sondern um Tante Tanner! Die junge Frau war einst ein populärer Rockstar, der nun wieder in den Medien ist. Zu gern wüsste Amelia, weshalb sich Tante Tanner vor einigen Jahren zurückgezogen hat und wieso sie jetzt ein Abschiedskonzert geben will. Befindet sich die Antwort auf der Musik-Kassette, die Amelia in einem Karton auf dem Speicher entdeckt? Mit dem Label comikat will der eidalon verlag junge Leser ansprechen, die Comics mögen, welche anspruchsvoller sind als Disney, Superhelden & Co. Darum bemüht man sich, die Lizenz für ‚etwas andere’ Serien zu erhalten, die mehr an Titel wie „Peanuts“ und „Mafalda“ erinnern, wie z. B. „Polly und die Piraten“, „Alice im Wunderland“ oder auch „Amelia“.

Die Idee mag an sich gut sein, doch bei der Lektüre dieser Reihen wird schnell deutlich, dass der vordergründige Humor, die Anspielungen und die tiefer gehenden Aussagen doch eher an reifere Leser adressiert sind. In „Amelia rockt!“, dem nun schon dritten Band dieser Reihe, begegnet man Kindern im Grundschulalter, die keiner heilen Welt entstammen, sondern in einem Umfeld aufwachsen, das heute für viele gang und gäbe ist. Die Titelfigur ist ein Scheidungskind, Reggie identifiziert sich mit den Helden aus seinen Heften, Rhonda leidet unter der Beliebtheit ihrer jüngeren Schwester, Pyjamaman stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Sie sind die Außenseiter in ihrer Klasse, und wenn man sich für sie interessiert, dann steckt immer etwas anderes dahinter. Trotzdem lässt sich das Quartett das Leben nicht vermiesen. Altklug hinterfragen sie die Welt der Erwachsenen, die nicht immer verständlich ist – und die auch der Autor nicht zu erklären versucht. In einer Geschichte lernt Amelia, dass auch ihr Vater Probleme hat und sehr traurig ist, dass er nicht viel Zeit mit ihr verbringen kann. Er möchte wissen, wie es der Tochter geht und ob sie nette Freunde hat. Sein Versuch, ihr gegenwärtiges Leben kennen zu lernen und ihr eine Freude zu bereiten, geht zunächst völlig schief, aber eine Aussprache führt zu neuen Einsichten.

Nicht ganz so einfach ist es für Amelia, als Tante Tanner ungewünschte Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das Mädchen erhascht einige Eindrücke vom einstmals ‚wilden Leben’ der Tante, kann aber die einzelnen Puzzlestücke nicht zusammensetzen. Was bleibt, sind Vermutungen, dass die junge Frau in verschiedenen Bereichen einige Enttäuschungen hatte hinnehmen müssen und sie ihre Karriere an den Nagel hängte, um sich selbst treu zu bleiben. Nebenbei wird der Star-Rummel auf die Schippe genommen, beispielsweise durch die Jugendfreunde, die Tanner gar nicht kennt, und die Kollegen, die ausschließlich auf sich selbst fixiert sind. Auch wenn Jimmy Gownley immer wieder neue Themen findet, die er beleuchten und parodieren kann, so erscheint einem der dritte Band nicht mehr ganz so spritzig und witzig – vielleicht weil sich die Running Gags und sarkastischen Sprüche mit der Zeit abnutzen und sich langsam eine Wiederholung der Motive einschleicht. Freilich wird man durch die Situationskomik gut unterhalten, man nimmt Anteil an den Problemen der jungen Protagonisten, freut sich über ihre dicke Freundschaft, aber große Überraschungen gibt es keine.

Ergänzt wird die Story durch eher einfache, cartoonhafte Illustrationen. Alles in allem ist „Amelia“ eine Comic-Serie, welche sich an erwachsene Sammler wendet, die sich über die mehr oder minder versteckten Anspielungen amüsieren und die aufwändige Gestaltung der Bücher – Hardcover, Kunstdruckpapier – zu schätzen wissen. Auf die Interessen der Kinder, die überwiegend quirlig-spannende Unterhaltung wünschen, wird nur scheinbar eingegangen.

Irene Salzmann (IS)

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