Blutfehde

Alan Moore
Spawn: Blutfehde
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Spawn 32: Blood Feud, Preludes &Nocturnes + Spawn: Blood Feud 1 – 4, Image Comics, USA, 19935
„Spawn” und „Violator“ wurden erdacht von Todd McFarlane
Panini Comics, Stuttgart 12/2015
PB mit Klappenbroschur, vollfarbige Graphic Novel im Comic-Format
Horror, Splatter
ISBN 978-3-95798-516-3
Aus dem Amerikanischen von Claudia Fliege
Titelillustration von Tony S. Daniel mit Kevin Conrad
Zeichnungen von Tony S. Daniel, Kevin Conrad, Todd Broeker mit Electric Pickle, Phillip Timper, Andy Troy, Pat Martin
Leseempfehlung: Ab 18 Jahre!
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www.paninicomics.de
www.image.com
www.spawn.com
www.dodgedemlogic.com
http://tonysdaniel.deviantart.com
www.kevinconradart.com

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Seit einer geraumen Weile leidet Al Simmons alias „Spawn“ unter plötzlichen Blackouts und wirren Albträumen. Gleichzeitig ereignen sich in seinem Umfeld bestialische Morde. Jemand jagt wahllos Menschen und zerfleischt sie. Als Grauen kennt keine Grenzen, als er nach einem Blackout inmitten eines solchen Blutbads wieder zu sich kommt. Hat er das angerichtet? Oder sein Kostüm, das eigentlich ein Symbiont ist? Die Polizei nimmt ihn natürlich sogleich ins Visier und lässt extra einen Spezialisten anreisen, den Vampirjäger John Sansker. Er stöbert Spawn auf, erweist sich als überlegen und schlägt ihn in die Flucht. Um nicht erneut von seinem Kostüm zum Mörder gemacht und wieder in Ruhe gelassen zu werden, trennt sich Al von dem Symbionten, sperrt ihn in einer Truhe ein und versenkt diese im Meer.

Doch das Leiden geht weiter, denn das Kostüm ruft nach ihm und zieht ihn weiterhin in Albträume hinein. Als Al auch noch die Freundschaft der letzten Kameraden von früher und der Penner in seiner Gasse verliert, beschließt er, dort unterzutauchen, wo niemand freiwillig sein Dasein würde fristen wollen: in einem Abwasserrohr. Ausgerechnet hier trifft er auf den Violator, der gerade dabei ist, sich abzusetzen, da er eine Begegnung mit Sansker vermeiden will. Das Wenige, das Al vom Violator erfährt, genügt allerdings, ihn das Puzzle zusammensetzen zu lassen und die Wahrheit zu erahnen. Vielleicht zu spät, denn die Cops Sam und Twitch, die an Spawns Schuld an den Morden zweifeln, sind der Lösung des Rätsels nahe und müssen teuer dafür bezahlen …

„Spawn: Blutfehde“ ist ein Abenteuer aus den Anfangsjahren des Titelhelden. Wie z. B. schon die Mini-Serie „Violator“ stammt sie aus der Feder von Alan Moore („V wie Vendetta“, „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“). Der Autor steuerte sogar einige Skizzen bei, die teilweise von Tony S. Daniel („The Tenth“, „Batman R. I. P.“) übernommen und ausgearbeitet wurden. Tatsächlich gelingt es dem Illustrator, die Figuren genauso überzeugend darzustellen wie Todd McFarlane, Greg Capullo und andere Kollegen, die an „Spawn“ arbeiten oder gearbeitet haben. Auch diese „Spawn“-Mini-Serien fügt sich chronologisch in die laufende Handlung der Haupt-Reihe ein. Eigentlich schade, dass man diesen Umstand nicht bei der schönen „Spawn – Original Collection“ berücksichtigt hat, denn das wäre die Gelegenheit gewesen, alle Episoden lückenlos und in der richtigen Reihenfolge zu präsentieren, denn bei der „Collection“ merkt man durchaus, dass einige Geschichten – die Oneshots, Crossover und Spin Offs – fehlen, darunter das „Batman“-Crossover, aus dem Spawn mit dem Schnürsenkel im Gesicht hervorgeht, und die „Angela“-Hefte.

Es finden sich außerdem immer wieder Querverweise auf die Serien von Todd McFarlanes Mitgründern des Image-Labels; manchmal gibt es auch Gastauftritte dieser Figuren (hier wird Rob Liefelds Helden-Team „Youngblood“ erwähnt). 1995 war bei Image noch die Welt in Ordnung, doch es sollte nicht mehr lange dauern, bis Streitigkeiten und andere Probleme einige Künstler dazu bewogen, das Label zu verlassen und eigene Wege einzuschlagen oder gar wieder zu Marvel oder DC zurückzugehen. Danach war es leider vorbei mit den Hommagen und Crossover, ein Schicksal, das später auch „Angela“ wiederfuhr, die 2013 von Neil Gaiman ins Marvel-Universum eingegliedert wurde.

In „Blutfehde“ muss sich Al Simmons gleich mit zwei Problemen befassen, die ihm schwer zu schaffen machen: Zum einen befürchtet er, dass das Kostüm die Kontrolle über ihn gewinnt und ihn zu morden zwingt. Sich seiner zu entledigen, erweist sich jedoch als verkehrt, denn sie brauchen einander, und nichts ist so, wie er zunächst schien. Zum anderen will John Sansker (sans cœr = ohne Herz) Spawn vernichten, so wie er bereits andere ‚Monster‘ unschädlich gemacht hat. Natürlich steht Al eine ganze Weile auf der Leitung und begeht Fehler über Fehler. Ausgerechnet der Violator, der alles andere als ein Freund ist, bringt ihn dazu, die Dinge zu sehen, wie sie in Wirklichkeit sind, und endlich die richtigen Schlüsse zu ziehen. Daraufhin beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn die Cops stellen für Sansker keine Bedrohung dar, und noch immer will dieser Spawn ausschalten.

Dass Sansker kein ‚Guter‘ ist, macht Alan Moore sehr schnell deutlich. Er beschreibt ihn als einen Wolf im Schafspelz, der sich seiner so sicher ist, dass er sich kaum Mühe mit seiner Tarnung gibt. Optisch ist er dem Marvel-Charakter Sabretooth sehr ähnlich und zeigt sogar dessen paranoide, gewalttätige, blutrünstige Wesenszüge, was gewiss kein Zufall, sondern gewollt ist.

Typisch Alan Moore: Seine Charaktere sind ambivalent, der Schein trügt stets. Sansker verkörpert den mutigen Vampirjäger, ist aber in Wirklichkeit … – nun, das sollte man selber lesen. Spawn, der äußerlich ein ‚Monster‘ ist, erweist sich als jemand mit inneren Werten, denn er trennt sich von seinem Symbiont und zieht sich zurück, weil er nicht möchte, dass Unschuldige seinetwegen zu Schaden kommen. Dem kontrastreichen Duo „Sam & Twitch“, einem rustikalen, verlotterten Fresssack und einem überkorrekten, nerdigen Beamtentyp, traut man wenig zu, und doch erkennen sie schneller als manch andere die Wahrheit und handeln mutig, selbst wenn alles gegen sie steht. Der Autor spielt mit den Genre-Archetypen und den Klischees. Die Protagonisten mit ihren Eigenarten werden überspitzt, aber trotzdem nachvollziehbar dargestellt. Man könnte sich amüsieren über diesen treffenden, bitterbösen Humor, der sich über den kompletten Band entfaltet, aber angesichts der ernsten Situation und den reichlichen Splatter-Szenen bleiben etwaige Lacher im Hals stecken.

Das macht „Spawn: Blutfehde“ zu einer Lektüre für das reifere Publikum, das mit den hier verarbeiteten Themen umgehen kann und den parodistischen Charakter des Titels erkennt. Die Handlung wurde zudem zeichnerisch gelungen in Szene gesetzt und unterstreicht gleichfalls durch angemessene Übersteigerungen den Mix aus Ernsthaftigkeit und Parodie. Ein gelungenes Paperback mit einer in sich abgeschlossenen Handlung für Erwachsene!

Copyright © 2016 by Irene Salzmann (IS)

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