Blutsbande

blutsbandeEd Brubaker
Blutsbande
Criminal 2

Lawless (Criminal 6 – 10), Vertigo/DC, USA, 12/2007
Panini Comics, Stuttgart, 8/2008
PB, Krimi, Mystery
ISBN 9783866076488
Aus dem Amerikanischen von Claudia Fliege
Titelillustration und Zeichnungen von Sean Phillips
Mit einem Vorwort von Frank Miller

www.panninicomics.de
www.edbrubaker.com/
www.seanphillips.co.uk/

Tracy Lawless wird aus dem Armee-Gefängnis entlassen und erfährt, dass sein Bruder vor fast einem Jahr starb. Er kehrt in seine alte Heimat zurück, um herauszufinden, was geschah. Tracy verschafft sich Zugang zu der Diebesgang, mit der auch sein Bruder unterwegs war, und nähert sich so einer Wahrheit, die ihm eventuell schon bewusst war, aber die er nicht wirklich wahrhaben wollte. Ähnlich wie schon im ersten Band der „Criminal-„Reihe, „Feigling“, hat auch hier der Protagonist so eine Art ‚Fähigkeit’, eine latente Mutation, wenn man so will.

Tracy Lawless geht in der Masse unter, kann sich sozusagen unsichtbar machen. Allerdings nicht immer unsichtbar genug, für seine Verfolger. Diese sind auf seiner Spur, da er sie um eine Menge Geld gebracht hat, die er für seine Suche, für seinen Einstieg in sein neues/altes Leben benötigt. Ebenso konsequent und unbarmherzig wie er selbst vorgeht, werden bei beiden Suchen auch von anderen Menschenleben zerstört, fließt Blut und wird sich nahezu ausschließlich in der Dämmerung oder ganz in der Nacht bewegt. So sind auch die Bilder nahezu monochrom gehalten, die dicken Striche Phillips’ unterstreichen dabei die Dunkelheit, das Trübe und Träge, das zum Teil auch in den Gedanken der Figuren auftauchen mag.

Ohne dass es geäußert wird, befinden diese sich immer auf der Suche, sei es auf der offensichtlichen, wie bei der Hauptfigur, sei es auf der nach ‚dem Sinn des Lebens’, einer Aufgabe oder auch nur der Richtung, in der man sich bewegen möchte. Verloren wirken gerade auch die Mitglieder der Diebesbande, die ohne Führung halt- und ziellos scheinen. Und letztlich ist auch Tracy jemand, der nach Führung sucht. Etwas, was er in seiner Zeit in der Armee akzeptieren gelernt hat und was ihm auch hier, zwischen allen Fronten, hilft zu überleben. Der Ton des, von Frank Miller im Vorwort erwähnten, Film Noir ist es, der diesen Comic, sowohl inhaltlich als auch grafisch ausmacht. Die Panels sind wenig innovativ angeordnet, erzählen die Geschichte mit ihren Rückblenden gerade heraus und unterstützen gerade auch durch die Geradlinigkeit die nicht wirklich wortgewaltigen, aber umso aussagekräftigeren Aktionen der Protagonisten.

Im Gegensatz zu den Zeichnungen und ihrer Anordnung, wird die Geschichte selbst weniger geradlinig erzählt. Manche Aktion wird erst viel später erklärt, und erst in vielen Rückblenden werden Personen und Geschehnisse deutlicher herausgestellt, wird für den Leser klarer, welche Bedeutung sie für Tracy, für die Story an sich haben. Der Comic zieht den Leser, der sich darauf einlassen mag, in seinen Bann, weiß sehr gut zu unterhalten und lässt, bei aller Härte und Brutalität, Nähe zu dem kompromisslosen Protagonisten entstehen. Durch die Rückblenden werden dessen Handlungen zumindest nachvollziehbar und passen sich soweit in die Welt ein, die in der „Criminal“-Reihe geschildert wird. Trotz der wenig filigranen Zeichnungen entsteht ein sehr lebendiges Bild vor den Augen des Betrachters. Selbst eine Verfolgungsjagd wird, trotz der sehr statisch gewählten Ausschnitte, flott und in gewisser Weise auch actionreich inszeniert und zu Papier gebracht.

Thomas Folgmann (ft)
 
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