Boyfriend 3

Daisy Yamada
Boyfriend 3
Japan, 2010

(sfbentry)
EMA, Köln, 03/2012
TB, Manga, Romance, Drama
ISBN 978-3-7704-7687-9
Aus dem Japanischen von Christine Steinle

www.manganet.de
http://ameblo.jp/daisyyamada/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Horais Vater will den Jungen zwingen, eine angesehene Schule zu besuchen, damit er eine glänzende Karriere machen und ihm als Arzt nachfolgen kann. Davon will Horai jedoch nichts wissen, denn erstmals hat er Spaß in der Schule und einen Menschen gefunden, an dem ihm etwas liegt. Hijiki, die ahnt, dass etwas vorgefallen sein muss, weil ihr Klassenkamerad nicht zum Unterricht kommt, eilt zu Horai nach Hause und stellt sich zwischen Vater und Sohn, wird darum selbst Opfer der Handgreiflichkeiten. Und schon wartet der nächste Schicksalsschlag auf Hijiki. Ihre Großmutter bricht zusammen und muss ins Krankenhaus. Der Vater, der ein zweites Mal geheiratet hat, will die Tochter zurückholen und auf ihre frühere Schule schicken, wo sie von den anderen Schülern schikaniert wurde. Hijiki, so gern sie im Haus der Oma und bei ihren neuen Freunden bliebe, hat keine andere Wahl, und es kommt so schlimm, wie sie befürchtet hat, denn die Schüler erinnern sich an sie …

Mobbing ist ein ernstes Thema, und es gibt wohl kaum jemanden, der nicht selbst entsprechende Erfahrungen machte oder wenigstens ein Opfer kennt. Die Betroffenen und die wenigen, die den Mut haben zu helfen, stehen dem Phänomen meist hilflos gegenüber, denn es gibt keinen triftigen Grund, warum eine bestimmte Person schikaniert wird – diejenigen, die physische und psychische Gewalt ausüben, tun dies, weil sie es können. Es ist die Freude daran, Macht auszuüben, einen Wehrlosen zu verletzten, sich womöglich abzureagieren, weil man anderswo selbst das Mobbing-Opfer ist. Das Umfeld ist noch immer viel zu wenig sensibilisiert für das Problem, es fehlen geeignete Strategien, und die potentiellen Helfer fürchten, ebenfalls ausgegrenzt und attackiert zu werden, so dass sie lieber wegsehen.

In (Shojo-) Mangas ist Mobbing bereits ein gängiges Thema geworden, z. B. in „Vitamin X“, „An deiner Seite“, „Arata Kangatari“ und auch in „Boyfriend“. In den realistischer inszenierten Titeln werden die Vorgänge, der Kummer und das Bemühen des Betroffenen, aus dem Teufelskreis auszubrechen, überzeugend und erschütternd beschrieben, da die Künstler bestrebt sind, den Opfern deutlich zu machen, dass sie selber nicht schuld sind und sich unbedingt Hilfe suchen müssen, da sie allein keine Chance haben, eine Lösung zu finden. Überwiegend jedoch liefert das Thema nur den Aufhänger für eine Romanze mit einem zuckersüßen Happy End, wie man es in der Realität leider nicht erleben wird. Nach einem ernsthaften Beginn, der neugierig auf das Kommende macht, verschieben sich die Prioritäten, denn das Opfer findet Freunde, die sich für ihn oder sie einsetzen, und schließlich auch die erste große Liebe.

So auch Hijiki, die ihren Peinigern erst durch einen Umzug zu ihrer verständnisvollen Oma und einen Schulwechsel entfliehen kann. In der neuen Klasse bemüht sie sich, fröhlich zu wirken, keinen Anlass für Gemeinheiten zu geben und findet sogleich Anschluss. Allein Horai durchschaut sie, und wenig später wissen auch die übrigen Bescheid, behandeln sie aber nicht anders als zuvor. Dass Hijiki nach ihrer Rückkehr ins Elternhaus und an die frühere Schule von Horai und den anderen nicht allein gelassen wird, ist letztlich keine Überraschung. Es setzen sich sogar Personen für sie ein, von denen man das nicht erwartet hätte. Davon und von einem solch glücklichen Ausgang können Betroffene nur träumen. Die Geschichte ist zwar unterhaltsam und entbehrt auch nicht einiger spannender und tragischer Momente, aber es wird versäumt, den Leser aufzuklären – schade.

In Folge ist der Dreiteiler „Boyfriend“ auch nur einer von vielen romantisch-dramatischen Mangas ohne echten Tiefgang, deren einziges Anliegen darin besteht, Leserinnen ab 12 Jahre zu unterhalten. Das bestätigt auch die Bonus-Story, die eine weitere Schülerliebe mit Hindernissen nach üblichem Schema zum Thema hat. Die Zeichnungen sind ‚typisch Shojo‘, ganz nett, aber nicht außergewöhnlich. Hat man noch nicht viele Mangas gelesen und schätzt Titel wie z. B. „Twinkle Stars“, „Aishiteruze Baby“ oder „xx me!“, wird man sicher auch an „Boyfriend“ Freude haben.

Copyright © 2012 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.