Cherish

cherishWataru Yoshizumi
Cherish

(sfbentry)
Japan, 2006
Tokyopop, Hamburg, 03/2010
Manga, Romance, Drama
ISBN 978-3-86719-859-2
Aus dem Japanischen von Thilo Waßmer

www.tokyopop.de
http://ribon.shueisha.co.jp/data/sensei/yoshizumi_sensei.html

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Manchmal steht nicht nur die Liebebeziehung der beiden Protagonisten im Mittelpunkt der Geschichte, sondern auch deren familiäres Umfeld. Gerade wenn es ein wenig außergewöhnlich ist, kann es die Romanze maßgeblich beeinflussen. Das bekommt Chihiro zu spüren. Sie hat kein normales Elternhaus, sondern wächst bei dem letzten guten Freund ihrer Mutter und dessen Partner auf. Seit ihre Mutter vor fünfzehn Jahren an Krebs gestorben ist, ziehen sie das Mädchen liebevoll auf und unterstützen sie, wo immer sie können. So hat sie inzwischen die Schule gut hinter sich gebracht und beginnt ein Studium.

Schnell findet sie durch ihre offene und freundliche Art gute Bekannte und Aufnahme in einem Club. Da aber erwartet sie eine unangenehme Überraschung: Eines der Mitglieder ist Masanori, ihr Ex-Freund aus der Mittelschule, der mit ihr gebrochen hat, als sie ihm von ihrem besonderen Elternhaus erzählt hatte. Nun ist sie hin und her gerissen, denn zum einen erwachen ihre Gefühle wieder mit voller Wucht, auf der anderen Seite kann sie ihm noch immer nicht verzeihen, dass er ihre Familie, so wie sie ist, nicht toleriert. Dennoch will sie ihm eine letzte Chance geben.

In der zweiten Geschichte, „Happyness“, begegnet der junge Autor Tsuda in seinem Verlag einer jungen Grafik-Designerin. Er bewundert bald mehr als nur ihre wunderschönen Hände, denn sie scheint eine junge Witwe zu sein und trotz eines Schicksalsschlags nicht die Freude am Leben verloren zu haben. Das beeindruckt ihn so sehr, dass er sich in sie verliebt und sie sanft umwirbt, nur um schließlich die Wahrheit zu erfahren, denn Einiges ist anders, als er denkt. Die beiden Geschichten von „Cherish“ sind erstaunlich erwachsen und realistisch beschrieben. Die Künstlerin verzichtet darauf, klischeehaft auf die Tränendrüsen zu drücken und plädiert still für Toleranz und Offenheit gegenüber den Menschen, die ein anderes Lebensmodell für sich gewählt haben, gerade in der ersten Geschichte.

Das ist auch die große Stärke des Bandes, denn man erlebt selten, dass man sich die Szenarien sogar im richtigen Leben vorstellen kann. Die Mangaka findet genau den richtigen Weg, um Spannung zu erzeugen, aber trotzdem unaufdringlich zu erzählen. Vieles kann man zwischen den Zeilen lesen – gerade die nur all zu menschlichen Missverständnisse entstehen so und werden auch auf diese Weise wieder aufgeklärt. Ebenso liebevoll sind die Zeichnungen gestaltet. Die Künstlerin verzichtet darauf, albern zu werden, bringt einen aber doch immer wieder zum Schmunzeln. Der Federstrich ist leicht und beschwingt, zart und detailreich und vertieft die Atmosphäre noch.

Daher sei „Cherish“ all jenen empfohlen, die auch einmal Romanzen genießen wollen, in denen weder der Klamauk regiert noch zu dick aufgetragen wird. Denn diese beiden Geschichten finden einen guten Mittelweg zwischen Fiktion und Wirklichkeit.

Copyright 2010 © by Christel Scheja (CS)

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