China Girls

china-girlsRain, Fang Yili, Seduce, Guo Yuan, Little Thunder, Ma Xin, Ji Di, Xi Ying, Coco Wang, Liu Xing, Hu Rong, A Geng
China Girls

(sfbentry)
China/Frankreich, 2009
Tokyopop, Hamburg, 04/2010
PB mit Klappbroschur, vollfarbig, Manhua, Drama, Comedy
ISBN 978-3-86719-870-7
Aus dem Französischen von Thomas Schöner, ursprüngliche Übersetzung aus dem Chinesischen von Cecile Reverdy
Titelbild und Zeichnungen von de genannten Künstlerinnen
Mit einem Vorwort der China-Expertin Francoise Hauser

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Obwohl China durch die Öffnung zum Kapitalismus einen Schritt in die Moderne gemacht hat und eigentlich durch die Aussagen des Kommunismus die Gleichheit der Geschlechter leben müsste, sieht es im Land auch heute noch ganz anders aus. Wenngleich viele Frauen schon früh ihren Mann stehen müssen und nichts geschenkt bekommen, in Ausbildung und Qualifikation nicht hinter ihren Kollegen zurückstehen, werden sie immer noch benachteiligt, denn getreu der Lehren des Konfuzianismus herrscht in der Gesellschaft immer noch der Gedanke vor, das Frauen in erster Linie ins Haus gehören, um den Mann zu versorgen und die Kinder aufzuziehen. Gegebenenfalls können sie noch als schmückendes Beiwerk an der Seite eines reichen Mannes auftreten, sei es als Konkubine oder Ehefrau. So hat sich bis heute auch im Westen das Bild der zierlichen und gehorsamen Dienerin gehalten, der niedlichen Puppe, die zwar schön aussieht, aber sich bescheiden zurückzieht und zufrieden mit ihrem Dasein ist.

Dass es aber junge Frauen gibt, die dieses Schicksal nicht mehr durchmachen wollen und auf ihre Art und Weise zu rebellieren versuchen, zeigen die zwölf hier in diesem Band versammelten Geschichten. Die jungen Manhua-Zeichnerinnen packen Themen aus ihrer eigenen Lebenswelt an, erzählen von ihren Wünschen, Träumen und Hoffnungen, den Schlupflöchern, die sich manchmal bieten, aber auch den Schattenseiten ihres Lebens, der Bitterkeit und den Enttäuschungen, die sie einstecken müssen. Sie thematisieren Dinge, die die Öffentlichkeit gerne unter den Tisch kehren würden, wie etwa psychische Störungen, die sich längst nicht nur im Westen ausbreiten. Gerade in „Sie“ wird das sehr deutlich, als eine junge Frau von einem kleinen Mädchen verfolgt wird – oder annimmt, dass es so ist? Was hat das Kind vor? Will sie ihren Freund und sie auseinander treiben?

„Schlaf mein Schatz“ beginnt mit einem Märchen und zeigt auf rührende Weise, dass chinesische Frauen auch Freude daran habe, Mutter zu sein, und ihren Nachwuchs bewusst gerne aufziehen. In einer anderen Geschichte findet eine vom Leben enttäuschte und einfach nur dahin vegetierende junge Frau durch eine Blume, die sie für eine Freundin in Pflege nimmt, wieder Freude am Leben und erkennt, dass es ganz allein an ihr liegt, was sie aus ihrem Dasein macht, sowohl in der Firma als auch in der Freizeit. Ein molliges Mädchen wird von ihrem Freund zurück gestoßen, der sie als viel zu fett empfindet. Aus Verzweiflung beschließt sie, nichts mehr zu essen, was sie aber nur schwächt. Da kommt das Angebot einer kleinen Apfelkatze gerade recht … – das Ganze erweist sich schon bald als eine bitterböse Betrachtung des Schlankheitswahns, bei dem nicht wenige Frauen auf Angebote hereinfallen, die ihnen im Grunde nur trügerische Lügen vorspielen.

In „Bonbons“ trauert eine Frau um ihre verstorbene Tochter. Dabei begibt sie sich auf eine Reise in die Anderswelt, durch die sie lernt, dass es irgendwann einmal genug ist und das Leben auch mit einem Lachen weitergehen sollte und nicht nur mit ewiger Bitterkeit. Einen frechen Blick auf die britischen und chinesischen Marotten wirft die zwischen London und Peking hin und her pendelnde Coco Wang in „Geburt einer Künstlerin“. Dabei hält sie beiden Kulturen augenzwinkernd einen Spiegel vor. Dann ist da noch die Klassensprecherin, die bisher ganz gut in ihrer Klasse zurecht gekommen ist, nun aber einen immer und immer wieder kehrenden Traum hat, in dem sie von ihren Schulkameraden nicht mehr beachtet wird und am Ende ganz alleine bleibt. Warum hat sie das Gefühl, das genau das eigentlich die Wahrheit ist? Obwohl nur kurz erzählt und mit wenig Text verstehen, berühren die Zeichnungen durch ihre reine und klare Aussage.

Das sind nur einige Geschichten dieses zuerst in Frankreich erschienenen Bandes, der einen Einblick in die moderne Lebenswelt der Chinesinnen gibt. Es ist sehr leicht zu erkennen, dass gerade die jungen Frauen weit entfernt von dem Bild der gehorsamen und stillen Jungfrau sind, die immer im Schatten des Mannes steht. Auch wenn sie nicht immer selbstbewusst und unabhängig sind, so definieren sie sich doch aus sich selbst heraus, und die Geschichten berühren ihren Lebensalltag. Obwohl dann und wann Männer auftauchen, bleiben sie doch im Hintergrund. Die jungen Künstlerinnen zeigen, dass gerade die jungen Frauen in den Städten nicht viel anders leben als im Westen. Um ihrem Hund das Leben zu retten, gibt eine junge Frau sehr viel von ihrem hart verdienten Geld aus, etwas, was vor zwanzig Jahren noch undenkbar war. Aber sie will einfach den Gefährten nicht verlieren, der sie bei so vielen schönen Erlebnissen begleitet hat. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz, doch sind die jungen Chinesinnen wirklich immer zur absoluten Selbstaufgabe bereit.

Alles in allem ist eine ruhige und berührende Sammlung entstanden, mit Geschichten, die tief in die Seelen der jungen Frauen schauen und auch dem Leser erlauben, durch ihre Augen einen Blick auf die Gesellschaft im Reich der Mitte zu werfen. Manchmal bedarf es dabei Vorstellungskraft, aber nichtsdestoweniger bleiben die Aussagen klar und deutlich bestehen. Daher sei allen empfohlen, die sich für das moderne China interessieren und mehr über die Gedankenwelt der Bevölkerung aus einer ganz besonderen Sicht erfahren wollen, einer, die sonst in der Öffentlichkeit immer noch oft genug schweigen muss, einen Blick in diesen Band zu werfen.

Copyright 2010 © by Christel Scheja (CS)

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