Das Spiel von Katz und Maus 2

Setona Mizushiro
Das Spiel von Katz und Maus 2

(sfbentry)
Sojou no Koi wa Nido Haneru, Japan, 2009
Carlsen Manga, Hamburg, 06/2010
TB, Manga, Boys Love, Drama, Romance
ISBN 978-3-551-77808-6
Aus dem Japanischen von Alexandra Klepper

www.carlsenmanga.de
www.page.sannet.ne.jp/setona/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Kyouichi wurde von seinem Vater, der einen schweren Stand in der Familie hatte, erzogen, zu allen Frauen höflich zu sein und sich ihren Wünschen zu fügen. Dank seines guten Aussehens und zuvorkommenden Benehmens bringt man ihm überall reichliche Sympathien entgegen, doch sobald eine Frau ihn näher kennen lernt, stellt sie fest, dass seine Nachgiebigkeit auch ihre Schattenseiten hat. In Folge geht Kyouichis erste Ehe schief, und auch seine Affären dauern nicht lange, weil er nie eine klare Position bezieht, den bequemsten Weg einschlägt und jedem das Gefühl gibt, dass er sich zwar lieben lässt, die Zuneigung aber nicht im gleichen Maße erwidert.

Als Imagase, ein einstiger Kommilitone und Detektiv, seine Homosexualität offenbart und Kyouichi Avancen macht, lässt sich dieser auf eine Beziehung ein, obwohl ihn nur Frauen reizen. Imagase liebt und will geliebt werden, Kyouichi genießt die Aufmerksamkeiten, aber auch diesmal erfüllt er die Hoffnungen seines Partners nicht. Als schließlich Tamaki, eine Arbeitskollegin, Kyouichi ihre Gefühle gesteht und nach dem Tod ihres Vaters Trost sucht, zieht sich Imagase enttäuscht und eifersüchtig zurück. Kyouichi hält ihn nicht auf, obwohl er seine Unentschlossenheit sogleich bedauert. Ausgerechnet Tamaki ist es, die sich Wochen später an Imagase wendet, weil sie glaubt, verfolgt zu werden. Weder er noch Kyouichi konnten loslassen, und das unerwartete Wiedersehen zwingt beide zu einer Entscheidung …

Obwohl „Das Spiel von Katz und Maus“ mit für das Genre Boys Love gängigen Motiven aufwartet (das Coming Out eines Homosexuellen, seine Liebeserklärung nach Jahren der heimlichen Sehnsucht, Affären, verständnisvolle und weniger verständnisvolle Partner, das Bemühen, die eigenen Gefühle zu begreifen und das Richtige zu tun), fällt der Zweiteiler doch deutlich aus dem Rahmen des Üblichen. Setona Mizushiro, die u. a. durch die Serie „After School Nightmare“ bekannt ist, konstruiert keine geradlinige, simple Handlung um niedliche Bishonen, die sich nach einigem Hin und Her glücklich in die Arme fallen. Stattdessen handelt es sich bei ihren Protagonisten um junge Erwachsene, die mitten im Leben stehen und schon so manche bittere Erfahrung machen mussten, daraus aber kaum etwas lernten. Kyouichi lässt sich nach seiner gescheiterten Ehe mit dem homosexuellen Imagase ein, und obwohl er tief in seinem Innern viel für diesen empfindet, scheint das (falsche) Geschlecht eine unüberwindliche Hürde zu sein.

Beide leiden, da sie einerseits zusammen bleiben wollen, aber andererseits keine Möglichkeit finden, ihre unterschiedlichen Bedürfnisse in Einklang zu bringen. Als mit Tamaki die scheinbar ideale Frau ins Kyouichis Leben tritt, kommt es nicht etwa zu einer Dreiecksbeziehung sondern zum Bruch. Zunächst scheint es, als würden es die Männer schaffen, getrennte Wege zu gehen und über die frustrierende Erfahrung hinweg zu kommen, aber schon bald zeigt sich, wie sehr sie sich geirrt haben – und dass die Anziehungskraft zwischen ihnen unvermindert ist. Kyouichi muss sich entscheiden, aber will Imagase das überhaupt noch? Kann er der Person, die er innig liebt, erneut Vertrauen schenken und eine mögliche zweite Enttäuschung verkraften? Das Auf und Ab der Gefühle von allen Beteiligten wird intensiv und überzeugend beschrieben. Keiner ist besser als der andere oder trägt die alleinige Schuld an den Konflikten, denn ausnahmslos handelt jeder egoistisch und möchte sein Glück festhalten. Imagase drängt, fordert, wirkt unstabil und hysterisch, Kyouichi erscheint äußerlich nachgiebig, ist aber im Innern starr und weicht unangenehmen, bindenden Antworten aus, Tamaki verkörpert die ideale, duldsame Ehefrau, die ihre eigenen subtilen Methoden hat, um ihre Wünsche durchzusetzen.

Es geht vor allem um das psychologische Moment, die zwiespältigen Gefühle und Zweifel, weniger um die Geschichte an sich oder gar die erotischen Szenen. Beziehungen zwischen Männern und Frauen bzw. Männern und Männern rangieren gleichberechtigt nebeneinander, und die Message lautet, dass nicht das Geschlecht sondern der Mensch das Wichtige ist und das Herz darüber entscheidet, wen man liebt – mit allen Konsequenzen. Dies wurde von der Mangaka in ihrem charakteristischen, klaren Stil zeichnerisch gelungen umgesetzt. Die Personen stehen im Mittelpunkt, ihre Gestik und Mimik ergänzen die Dialoge. Die Hintergründe sind sparsam ausgeführt oder entfallen ganz. Man vermisst dieses Drumherum jedoch nicht, da die Charaktere und die Art und Weise, wie sie mit der Situation umgehen, in den Bann ziehen und nichts vom Wesentlichen ablenkt. Von daher kann man „Das Spiel von Katz und Maus“ allen Leserinnen empfehlen, die intelligente Boys Love schätzen.

Selbst wenn man sich nicht unbedingt für das Genre begeistern kann, aber gern realistisch inszenierte Dramen liest, sollte man dem Titel eine Chance geben. Romantisch-dramatische Serien, die ähnliche Akzente setzen, sind z. B. „La Esperanza“, „Crazy Love Story“ und „Bokura ga ita“.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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