Der Atem Gottes

Guy Adams
Der Atem Gottes
Sherlock Holmes 1

The Breath of God, GB, 2012
Panini Comics, Stuttgart, 04/2014
TB mit Klappbroschur
Krimi/Thriller, Mystery, History
ISBN 978-3-83322-872-8
Aus dem Englischen von Claudia Kern
Titelgestaltung von tab indivisuell, Stuttgart

www.paninicomics.de/
www.guyadamsauthor.com/
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„Es heißt auch, Moses habe den Atem Gottes beschworen, um die Israeliten zu töten, die die zehn Gebote nicht befolgen wollen. Einige Gelehrte glauben, dass es ein Synonym für die Macht Gottes ist, ein poetischer Begriff, der den Text auflockern sollte. Andere widersprechen dem und sagen, dass es wörtlich zu nehmen sei und dass es sich beim Atem Gottes um eine furchtbare und elementare Kraft handele, die enorme Zerstörung anrichten könne. Sie wäre auch in der Lage, einen Mann umzubringen, ohne dass es ein Anzeichen für einen Angriff gäbe.“ Der junge Lebemann Hilary de Montfort stirbt in einer stürmischen Winternacht auf den Straßen Londons. Für den Zustand des Leichnams – in seinem Körper ist kein Knochen mehr heil – gibt es keine rationale Erklärung. Auch ein Augenzeuge von Sir Hilarys Tod hat außer diesem niemanden auf der nächtlichen Straße gesehen.

Kurz darauf berichtet Dr. John Silence, Sherlock Holmes neuster Klient, diesem, dass ein junges Mädchen im augenscheinlichen Zustand dämonischer Besessenheit drei Namen nannte, Sir Hilary de Montfort, Laird of Boleskine und eben Sherlock Holmes. Da die beiden erstgenannten Männer Mitglieder des ‚Hermetischen Ordens der goldenen Morgendämmerung‘ waren/sind, setzen Holmes Ermittlungen hier an.

Plötzlich stirbt ein weiteres Mitglied der ‚Goldenen Morgendämmerung‘ einen ungewöhnlichen Tod. In der Folge leidet Watson unter erschreckenden Halluzinationen. Das Übernatürliche scheint nach den Ermittlern zu greifen. Unverhoffte Hilfe erhalten die Detektive von Geisterfinder Thomas Carnacki, der ebenso wie die Freunde unterwegs ist zum Anwesen des Laird of Boleskine, auch bekannt als Aleister Crowley. „„Aufgeschlossen…“ Holmes verdrehte die Augen und ließ sich in seinen Sessel sinken. „Es gibt wenige Worte, vor denen es mir mehr graust als vor diesem „Aufgeschlossen“ … Wie kann man so etwas auch nur erwägen? Aufgeschlossen in einem Meer aus Müll … Das wäre so, als schwämme man mit aufgerissenem Mund durch die Themse, um ihre Ausdünstungen tief einatmen zu können.““

Mit Guy Adams Roman startet nun auch Panini Books eine eigene „Sherlock Holmes“-Reihe. Es scheint noch immer kein Mangel an neuen Fällen des Meisterdetektivs zu herrschen. Doch während die Kleinverlage vorwiegend die Erzählungen deutscher AutorInnen verlegen, hält sich Panini, ebenso wie derzeit Bastei Lübbe mit den Romanen von David Pirie, an Übersetzungen aus dem Englischen. Der erste Autor in dieser Reihe, Guy Adams, ist ein britischer Schauspieler, der selbst schon Sherlock Holmes gespielt hat, Comedian und eben Autor, der seit seinem Debut 2009 bereits auf einem bereits durchaus erklecklichen Output zurückblicken kann.

Für seinen ersten „Sherlock Holmes“-Roman gibt sich Adam auch gar nicht mit dem Detektivteam zufrieden sondern stellt diesem schon gleich Algernon Blackwoods Erforscher des Übernatürlichen John Silence zur Seite und später auch William Hope Hodgsons „Geisterfinder“ Thomas Carnacki, der sich hier als eine Art Urahn im Geiste von John Constantine empfiehlt. Aus der realen Historie gesellt sich noch der Okkultist Aleister Crowley hinzu, den es als vermeintliches zukünftiges Mordopfer zu beschützen gilt.

Selbst mit diesen fantastisch beschlagenen Kollegen an der Seite bleibt Holmes seiner Überzeugung treu, dass es sich bei den seltsamen Todesfällen um rational erklärbare Ereignisse handeln muss. Die endgültige Auflösung gibt ihm natürlich Recht, auch wenn lange Zeit alles für ein übernatürliches Wirken spricht. Gerade hier wäre jedoch etwas mehr Zurückhaltung von Adams angeraten gewesen, um den gedanklichen Rücksprung in die Rationalität weniger holprig zu gestalten. Subtilität kann man dem Autor nicht gerade vorwerfen. Davon abgesehen, bietet „Der Atem Gottes“ ein flottes Pastiche-Crossover, das – wie schon nicht wenige Geschichten des Originalkanons – mit dem Fantastischen spielt und zeitweise gehörig auf die Actiontube drückt. Zwar werden einige „Holmes“-Puristen höchstwahrscheinlich die Nase rümpfen ob des unverfrorenen Umgangs mit den Figuren, alle anderen werden kurzweilig unterhalten.

Das Taschenbuch von Panini Books ist ordentlich verarbeitet und wurde durch ein etwas größeres Format und Klappenbroschur aufgeedelt. Allerdings wurde durch den sehr großzügigen Satz Seitenschinderei betrieben. Auch das dicke Papier trägt dazu bei, dass das Buch nach mehr Inhalt aussieht, als eigentlich drin steckt.

Gemeinsam mit gleich zwei weiteren „Serienhelden“ tritt Sherlock Holmes der göttlichen Vergeltung entgegen. Ein temporeiches Pastiche-Mashup, das Lust auf den Folgeband macht.

Copyright © 2015 by Elmar Huber (EH)

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