Der Fluch der dreißig Silberlinge

Jean van Hamme (Text), René Sterne (Zeichnungen), Chantal de Spiegeleer (Farben/Zeichnungen)
Der Fluch der dreißig Silberlinge
Teil 1: Die Schriften des Nicodemus

(sfbentry)
La Malediction des trente Deniers, Tome 1: Le Manuscrit de Nicodemus, 2009
Carlsen Comic
ISBN 9-783551-023360
Genre: Comic & Manga, Abenteuer, Krimi & Thriller
Erschienen 2011
Übersetzer: Harald Sachse
Umfang: 54 Seiten

www.carlsen.de/web/comic/index

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

Edgar, Francis und Philip

Edgar Pierre Jacobs, der Vater der Serie „Die Abenteuer von Blake und Mortimer“, wurde am 30. März 1903 in Brüssel geboren. Er arbeitete unter anderem als Theaterschauspieler, Illustrator und Bariton (an der Oper in Lille), bevor er 1940 die amerikanische Serie „Flash Gordon“ von Alex Raymond fortführen durfte. Zwei Jahre später, 1944, wurde er Assistent von Hergé, und arbeitete mit ihm an der Neufassung verschiedener „Tintin“-Alben (dt.: „Tim und Struppi“). Den Stil der „Ligne Claire“, der klaren Linie, den Jacobs so von der Pike auf erlernte, übernahm er in seine eigene Arbeit. So erschien nach dem Ende des 2. Weltkriegs 1946 das erste Abenteuer von Blake und Mortimer „Le Secret de l’Espandon“ (dt.: „Der Kampf um die Welt“) im neu gegründeten Comic-Magazin „Tintin“.

Jacobs ließ Blake und Mortimer bis 1972 acht teils mehrbändige Abenteuer bestehen, wobei das letzte „Les 3 Formules du Professeur Satô“ (dt.: „Die 3 Formeln des Professor Sato“ und „Mortimer gegen Mortimer“) zunächst unvollendet blieb. Er starb am 20. Februar 1987. Erst 1990 wurde dieses letzte Abenteuer von dem Zeichner Bob de Moor fertig gestellt.

Die neuen Abenteuer

1996 wurde das erste der neuen Abenteuer von Blake und Mortimer in dem Band „L’affaire Francis Blake“ (dt.: „Der Fall Francis Blake“) veröffentlicht. Das Team bestand zunächst aus dem Autoren Jean van Hamme (XIII, Largo Winch, Thorgal) und dem Zeichner Ted Benoît (Ray Banana). Da Benoît als Perfektionist der klaren Linie gilt und diese Art Zeichnung keine Fehler verzeiht, wurde es bald klar, dass, wollte man die Fans nicht zu lange auf neue Bände warten lassen, ein zweites Team her musste. Das fand man auch, und so bestritten die Freunde in „La Machination Voronov“ (dt.: „Die Voronov-Intrige“) unter der Regie von Yves Sente (Text) und André Juillard (Zeichnungen) ihr nächstes Abenteuer.

Vorbemerkung

Der vorliegende Band ist der Beginn des sechsten „neuen“ Abenteuers, nur dass diesmal van Hamme nicht auf Benoît zurück greifen konnte. Er fand in René Sterne einen Zeichner, der, wie unschwer zu sehen ist, die Ligne Claire ebenso perfekt beherrschte wie die anderen Zeichner der Serie vor ihm. Die Farben steuerte dessen Lebensgefährtin Chantal de Spiegeleer bei. Wegen des tragischen Tods René Sternes, von dem das Vorwort berichtet, stellte schließlich Chantal de Spiegeleer mit Unterstützung das Album fertig.

Das Album

(Zitat)
… um einer umstürzenden Zypresse auszuweichen zieht der Lincoln unvermittelt nach links … und stürzt in die Tiefe. [Neben dem qualmenden Wrack des Wagens im Regen liegt regungslos der Körper eines Mannes – und eine offene Schatulle.] [Von oben sieht ein Motorradfahrer, mit nassem, jedoch perfekt sitzendem Anzug und Fliege bekleidet, über die Straßenbefestigung in die Tiefe und bemerkt mit ernster Miene:] „Well, die Gentlemen scheint es ordentlich erwischt zu haben.“
(Ende des Zitats)

Der Gentleman auf dem Motorrad ist niemand anderer als Professor Philip Mortimer, Brite selbstverständlich, was diese spezielle Art staubtrockener Bemerkungen hinreichend erklärt. Zusammen mit seinem Freund Captain Francis Blake hat er schon über ein Dutzend Abenteuer bestritten, die in Deutschland auf sechzehn Bände verteilt erschienen sind.

Doch wo, um alles in der Welt, ist sein Freund Blake? Eigentlich hatten die beiden vor, gemeinsam zwei ruhige Urlaubswochen zu verbringen. Aber ganz überraschend wird ihr geliebter Erzfeind Olrik auf dramatische Weise aus dem Gefängnis von Jacksonville entführt. Dort, wo „Colonel“ Olrik seine Finger im Spiel hat, geht es stets um das „große Verbrechen“. Daher soll Blake als Mitglied des MI5 und versierter Kenner des Colonels und dessen krimineller Machenschaften seinen amerikanischen Kollegen vom FBI unter die Arme greifen. Mortimer, der sich um den Urlaub gebracht sieht, folgt spontan der Einladung des Chefkonservators des Archäologischen Nationalmuseums aus Athen, der den bekannten Hobbyarchäologen bittet, ihn bei der Aufklärung einer „mysteriösen Angelegenheit“ zu helfen.

Wen wundert es, dass Mortimer, kaum in Athen angekommen, bis zum gestärkten Kragen in einem neuen Abenteuer steckt. Es dreht sich, wie der Titel schon verrät, um dreißig Silberlinge, die aus den ersten Jahren unserer Zeitrechnung stammen und von denen offenbar mysteriöse Kräfte ausgehen. Einen dieser Silberlinge kann Mortimer nach einer wilden Verfolgungsjagd – bei der er sich übrigens zu der eingangs zitierten Bemerkung hinreißen lässt – wieder zurück erobern. So dämmert auch ihm, was dem Leser schon lange klar ist, dass eine feindliche Partei mit deutlich weniger redlichen Absichten und offensichtlich viel krimineller Energie hinter dem Fund und vor allem hinter den noch fehlenden neunundzwanzig Münzen her ist. Der Wettlauf auf diesen geheimnisvollen Schatz hat also begonnen!

Fazit / Meine Meinung

Schauplätze in aller Welt, mysteriöse Kräfte, Weltbeherrscher, Außerirdische, dazu eine spannende Handlung und ein ums andere Mal ihr alter Widersacher Olrik bestimmen die Abenteuer von Blake und Mortimer.

Der vorliegende Band „Die Schriften des Nicodemus“, erster Teil des Abenteuers „Der Fluch der dreißig Silberlinge“, ist da keine Ausnahme und bedient alle Freunde des Abenteuers, der Jagd nach sagenumwobenen Gegenständen und des Kampfes gegen geheimnisvolle machthungrige Widersacher auf’s Beste.

Die Zeichnungen sind im ursprünglichen Stil der „Ligne Claire“ gehalten mit weitgehend ruhigem Bildaufbau – auch wenn es für die Protagonisten mal brenzlig wird. Dadurch wirkt der Comic zwar wie aus den 50er Jahren, was aber gerade den Charme dieser Serie ausmacht. Immerhin spielt die Geschichte auch in jener Zeit. Es gibt keine Splash-Screens, kaum Speedlines, und überhaupt kommen die Panels ohne aufgesetztes unnötiges Lifting aus, womit manche andere Serie aufpoliert wird.

Die Panels sind zum Teil sehr textlastig, was die Geschwindigkeit ein bisschen bremst, insbesondere, wenn zusätzliche Bildbeschreibungen eingebaut sind. Es wäre nicht schlimm gewesen, wenn letztere der Modernisierung zum Opfer gefallen wären. Wen das allerdings nicht stört, der wird mit einem spannenden Abenteuer belohnt.

Auch wenn meine persönlichen Favoriten der „neuen Abenteuer“ die von Yves Sente und Andre Juillard bleiben, deren Schauplätze noch exotischer und deren Plots für meinen Geschmack noch mitreißender sind, ist es der vorliegende Band allemal wert, mit einen doppelten Espresso genossen zu werden!

Copyright © 2011 by Michael Bahner (MB)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.