Die Herrin der Nacht

Sunao Yoshida
Die Herrin der Nacht

Trinity Blood – Reborn on the Mars III
Trinity Blood: The Night Lords (Reborn on the Mars III), Japan, 2002
Panini Books, Stuttgart, 1. Auflage: 11/2007
TB, Light Novel, Horror, SF, 978-3-8332-1651-0, 318/995
Aus dem Japanischen von John Schmitt-Weigand
Titel- und Innenillustrationen von Thores Shibamoto
4 Farbseiten
www.paninicomics.de
www.kadokawa.co.jp/toribla/index.php
www.wowow.co.jp/anime/toribla/
www.tokyopop.com/product/1840/

„Trinity Blood“ ist eine japanische Light Novel-Serie aus der Feder des Autors Sunao Yoshida (1969 – 2004), die noch nicht abgeschlossen ist und von Kentaro Yasui weitergeführt wird. Gegenwärtig liegen 12 Bände vor. Auf ihnen basieren ein Manga mit bislang 10 Bänden, illustriert von Kiyo Kujo nach dem Charakter-Design von Thores Shibamoto, und ein Anime mit 24 Episoden.

Nach Armageddon hat sich die Erde sehr verändert. Die Menschen sind nicht mehr allein, denn Blut saugende Aliens, die sich Methusalems nennen, kämpfen mit ihnen um die Vorherrschaft. Nur wenige kluge Köpfe ahnen, dass ein Krieg beiden Seiten den Untergang bringen könnte und versuchen zu verhandeln.

Pater Abel Nightroad und Schwester Esther Blanchett begleiten Ion Fortuna, den Gesandten der Methusalems, nach Byzanz, um die Kaiserin Augusta Vradika, die Herrscherin über alle Vampire, um eine Audienz zu bitten. Sie wissen, dass ihnen viele Feinde auf den Fersen sind, die die Bemühungen um eine friedliche Lösung vereiteln wollen. Dennoch sind sie nicht auf das gefasst, was sie in Byzanz erwartet:

Ions Großmutter fällt einem Attentat zum Opfer, und das Verbrechen soll dem jungen Methusalem und seinen Gefährten angelastet werden. In der Studentin Seth finden Ion und Esther unerwartet eine Helferin. Sie decken auf, dass auf die Kaiserin ein Attentat geplant ist. Involviert sind engste Vertraute – und auch wieder Dietrich von Lohengrin, der Esther schon einmal täuschte. Nightroad versucht, die Kaiserin, mit der ihn ein Geheimnis verbindet, zu schützen, doch diesmal kann er sich nicht in Kresnik verwandeln…

„Trinity Blood“ kombiniert traditionelle Elemente des Vampir-Romans mit der SF. In dieser Variante handelt es sich bei den Blutsaugern keineswegs um Untote sondern um Wesen von einem anderen Planeten. Sie sind den Menschen weit überlegen und ernähren sich von deren Blut. Allerdings gibt es eine Lebensform, gegenüber der selbst die Vampire machtlos sind: die Kresniks, die wiederum das Blut ihrer Opfer trinken. Was genau die Kresniks sind und wie sie und die Vampire auf die Erde gelangten, wird jedoch noch nicht verraten. Man darf darüber spekulieren, was vor rund 900 Jahren passiert ist und welche Ziele die wenigen Kresniks verfolgen. Der Autor dosiert diesbezügliche Informationen sehr sparsam.

Stattdessen konzentriert er sich auf das aktuelle Geschehen. Zwischen den Vampiren und Menschen schwelt schon ewig ein Konflikt, und es gibt Gruppen, die glauben, von einem Krieg profitieren zu können. Schlüsselfigur ist der geheimnisvolle Dietrich von Lohengrin, der im Auftrag des mysteriösen Rosenkreuzordens die Friedensverhandlungen sabotiert. Immer wieder stoßen Abel Nightroad und seine Kameraden auf diesen gefährlichen Mann, der ihnen stets einen Schritt voraus ist. Doch auch er scheint nur die Marionette eines anderen zu sein, der noch nicht in Erscheinung getreten ist.

Nightroad steht diesmal deutlich im Hintergrund; vermutlich soll sich Kresnik 02 nicht zu schnell abnutzen und seine Geheimnisse noch ein wenig länger bewahren. Statt seiner haben Esther und Ion aktivere Rollen inne und finden in Astharoshe Asran eine zuverlässige Mitstreiterin. Seth sorgt letztlich für eine dicke Überraschung und legt im Puzzle um Nightroad und die Kresniks einige weitere Teile an die richtigen Stellen.

Die Geschichte ist spannend, sehr komplex mit vielen Charakteren und Handlungsebenen, bietet durchaus auch neue Motive, doch dürften die humorigen Einlagen, die mehr dem japanischen Geschmack entsprechen – man kennt die Szenen, wenn sich die Protagonisten kabbeln und superdeformiert abgebildet werden, aus Manga und Anime -, in den Augen westlicher Leser übertrieben und deplatziert wirken, vor allem in einem eher ernsthaften Kontext.

Obwohl der Begriff ‚Light Novel’ nicht für eine leichte = simple sondern für eine zeitgenössische, unterhaltsame Lektüre für jugendliche Leser steht, drängen sich entsprechende Assoziationen auf, denn man muss qualitative Abstriche hinnehmen, vergleicht man Light Novels mit ‚normalen’ Romanen. Kennt man das Original nicht, kann man schwerlich beurteilen, ob dieses schon sprachlich relativ einfach war oder ob die Übersetzung das Niveau senkte.

Einen Blick wert sind auf jeden Fall die aufwändigen Illustrationen von Thores Shibamoto. Wer mehr von dem Künstler sehen möchte, sollte sich unbedingt das Artbook „Fabrica Theologiae Thores Shibamoto Trinity Blood Gashuu“ zulegen, das zwar nicht billig ist, aber die großartigen Farbbilder und die Gestaltung rechtfertigen den Preis fraglos.

„Trinity Blood“ ist eine flüssig geschriebene Serie, die sich an SF- und Horror-Fans ab 14 Jahren wendet, die an die diversen Stilmittel aus Manga und Anime gewöhnt sind und somit auch die Eigenarten einer Light Novel akzeptieren können. Aufgeschlossene Vampir-Fans müssen sich etwas umstellen, könnten dann aber an der Grundidee und den überraschenden Wendungen gefallen finden. (IS)

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Trinity Blood:Die Herrin der Nacht, Bd 3

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