Die Legenden der Drachenlanze 1 – Die Brüder

Bei Buch24.deMargaret Weis, Tracy Hickman, Andrew Dabb
Die Brüder

(sfbentry)

Die Legenden der Drachenlanze 1
Panini Comics, Softcover, 6/2009, 144 Seiten
Dragonlance Legends, Vol. 1: Time of the Twins, USA, 2008
Text: Andrew Dabb
Titelbild und Zeichnungen: David Cole, Farben: Adam Chong
Aus dem Amerikanischen: Oliver Hofmann und Astrid Mosler
ISBN 9783866077393

www.paninicomics.de

Zwei Jahre nach dem Sieg über die dunkle Göttin Takhisis ist die alte Gemeinschaft der Helden zerfallen. Ein jeder ging seinen eigenen Weg, ein jeder führt sein eigenes Leben. Doch einer von ihnen, Raistlin, hat Pläne, die das Schicksal Krynns verändern könnten. Obwohl er nun die schwarze Robe trägt, folgt er seinen eigenen Regeln. Ihm zur Seite steht der Dunkelelf Dalamar, der den Magier überwachen soll. Doch Raistlin ist ein Meister der Manipulation. Ebenso wie Dalamar, zieht der Erzmagier auch die schöne Crysania – eine Klerikerin des Paladins – in seinen Bann.

Eines Tages ist Raistlin jedoch plötzlich verschwunden und Crysania beginnt nach ihm zu suchen. Die Spur führt durch durch Zeit, zurück in die Vergangenheit. Einzig Caramon, Raistlins Bruder, vermag seinen machtgierigen Verwandten noch aufzuhalten. Doch Caramon ist in die Jahre gekommen, fett, ein Alkoholiker – und Raistlin intellektuell weit unterlegen …

Das Comic basiert auf der Romanvorlage von Margaret Weis und Tracy Hickman. Die Geschichten der Drachenlanze und all ihre unzähligen Reihen gehören zum Kult dieser Fantasy-Serie. Bei Panini erscheinen nun die passenden Comics in Übersetzung. Dabei handelt es sich stets um eine Adaption des Stoffs, die aber nah an der Vorlage bleibt. Vor allem die Schwerpunkte sind anders gewichtet, was an den unterschiedlichen Medien liegt.

In „Die Brüder“ dreht sich nun alles um Raistlin und Caramon. Beide gingen ihren eigenen Weg. Raistlin, der stets kränkelnde Magier, und Caramon, der seinen Bruder mehr als sein eigenes Leben liebt. Es ist ein ungleiches Paar, dass dennoch so viele Gemeinsamkeiten besitzt. Und beide Charaktere polarisieren, da ihre Leben in Extremen ablaufen.

So hat sich Raistlin vollkommen der Magie und der Macht verschrieben. Ein Leben hat für ihn keine Bedeutung, selbst Caramon würde er opfern. Dieser Umstand setzt Caramon zu. Obwohl er Tika heiratete, eine Heldin des letzten Krieges, ist die Verbindung zu Raistlin so stark, dass er unter den Taten seines Bruders leidet. Dadurch wird er zu einem anderen Menschen, zu einem Menschen, der er niemals sein wollte.

Im Roman wird dieser Konflikt ausführlich behandelt, stehen die Charakterzeichnungen im Mittelpunkt, ebenso der emotionale Konflikt der Hauptpersonen. Und darum dreht sich die Handlung auch, um ganz persönliche Konflikte, um die Sache nach dem eigenen Platz im Universum. Andrew Dabb hat sich an den Stoff gewagt und ein Script für das Comic geschrieben. Leider misslingt ihm der Versuch, die emotionale Tiefe der Figuren auszuloten und er beschränkt sich weitgehend auf ausgiebige und starke Actionsequenzen. Mit einem guten Zeichner an seiner Seite kann so eine maue Handlung kaschiert werden – aber leider versagt David Cole auf ganzer Linie.

Coles Figuren besitzen einen geringen Wiedererkennungswert, sind oft schlicht gezeichnet und manchmal gar überzeichnet. Er findet keinen Mittelweg, verliert sich in Klischees und falschem Verständnis der Charaktere. So gibt er den kränkelnden Raistlin als alten Mann wieder, den starken Caramon als Conan-Verschnitt und versucht die weiblichen Charaktere betont jung und gutaussehend darzustellen. Das ist einfach überzogen und wirkt gekünstelt. Und sobald ein Panel in die Nahaufnahme geht, wechseln die Details der Zeichnungen von einem Panel ins Nächste. So wird aus einer eher runden Nase plötzlich eine etwas kantige Nase. Schade, hier hätte Cole einiges herausholen können.

Auch die Farben von Adam Chong wirken lieblos. Dabei hätten sie wiederum die Zeichnungen von Cole in einem etwas besseren Licht erscheinen lassen können. So macht das ganze Comic den Eindruck einer lieblosen Auftragsarbeit, bei der sich niemand der Beteiligten für seine Kollegen verantwortlich fühlte. Damit ist „Die Brüder“ der bisher schwächste Teil der Drachenlanze-Comics. Einzig die deutsche Ausgabe rettet die Qualität ein wenig. An der Übersetzung gibt es keine Meckerei, das Lektorat hat gute Arbeit geleistet, als Bonusmaterial gibt es Abdrucke der US-Cover und einen Charakter-Glossar.

Fans werden sicherlich gefallen an der Umsetzung finden. Immerhin ist das Comic nahe an der Geschichte. Sammler werden keine Lücke in ihrem Regal haben wollen und Gelegenheitsleser sollten sich lieber einem andere Comic der Reihe zuwenden.

Copyright © 2009 by Günther Lietz

„Die Brüder“ bei Buch24.de

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