Die Lichter des Amalu

die-lichter-von-amaluChristophe Gibelin (Szenario) & Claire Wendling (Zeichnungen)
Die Lichter des Amalu
Gesamtausgabe (1 – 5)

(sfbentry)
Les Lumières de l’Amalou intégrale, Frankreich, 1990 – 1996
Carlsen Comics, Hamburg, 06/2009
HC-Album, Comic, Fantasy, Steampunk
ISBN 978-3-551-77251-0
Aus dem Französischen von Kai Wilksen
Titelillustration von Claire Wendling

www.carlsencomics.de
www.claire-wendling.net/

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Die Pelzer Andrea und Elwood stürzen mit ihrem Flugapparat über einer Insel im Amalu ab. Von den dort lebenden Pelzern und Durchscheinern werden sie mit Misstrauen aufgenommen. Schnell merken die beiden, dass man etwas vor ihnen zu verbergen versucht. Das weckt die Neugierde von Andrea und Elwood, die prompt herausfinden, dass die Menschen einen Staudamm bauen, dessen Wasser die Insel überfluten wird. Nur für eine kleine Gruppe Betroffener ist ein Schiff vorgesehen. Nachdem das Geheimnis allen bekannt ist, wird die fast fertige Arche in ein Luftschiff umgebaut. Nur der mysteriöse Durchscheiner Theo bleibt zurück. Seiner Geliebten Orane hat er zuvor einen wichtigen Auftrag erteilt, von dem das Überleben aller abhängig sein könnte. Je mehr Andrea, Elwood und die anderen erfahren, umso deutlicher wird, dass die Legende von der Großen Eiche, mit der zusammen das Leben stirbt, mehr als nur ein Schöpfungsmythos ist.

Zusammen mit Orane und Ubu begeben sie sich auf die Suche nach der Eiche, die von den Pelzer-Durchscheiner-Hybriden Ys und Meth halb zerstört und verlassen wurde. Es heißt, dass die beiden durch den Konflikt, der zwischen den Pelzern und Durchscheinern eskaliert, böse wurden und Theo töten wollen, den sie verantwortlich für ihr Schicksal machen. Welche Rolle spielt dieser wirklich in der ganzen Angelegenheit? Und was wird passieren, wenn Orane seine Pläne ausführt? Andrea und Elwood ahnen Schlimmes …

„Die Lichter des Amalu“ beinhaltet alle fünf Teile dieser faszinierenden Fantasy-Serie, die Bände 4 und 5 als dt. Erstausgabe. Sie zieht den Leser in eine vertraute und zugleich fremde Welt hinein, in der man z. B. Motive aus der Edda (Weltesche Yggdrasil) und der „Bibel“ (Sündenfall, Arche, Babel) findet, die in ein viktorianisch anmutendes Setting integriert wurden. Die Menschen spielen in der Geschichte keine Rolle; es geht um die Schicksale der im Verborgenen lebenden Pelzer und Durchscheiner – intelligente, sprechende Tiermenschen und Menschen, die im Dunkeln unsichtbar werden -, deren Existenz mit der Großen Eiche aus der Schöpfungslegende verknüpft ist.

Nachdem die Serie zunächst wie ein Abenteuer-Comic beginnt und im ersten Teil die Hauptfiguren zusammenbringt, wechselt die Handlung mit Bd. 2 etwas abrupt zum eigentlichen Konflikt, dem bevorstehenden Ende der Eiche, damit auch dem der Pelzer und Durchscheiner, und den Plänen des unsterblichen Magiers, der einst mit seiner Phantasie alle Wesen schuf, die dann von der Eiche belebt wurden. Wer die Welt retten will bzw. eigensüchtige Ziele verfolgt, wer ‚böse’ und ‚gut’ ist, wird erst nach und nach klar, genauso wie auch die Geschichte der Völker nur in kleinen Häppchen enthüllt wird.

Im Vordergrund der großen Problematik laufen zahlreiche kleine Dramen ab: das Misstrauen zwischen den Pelzern und Durchscheinern, das schließlich in einer Auseinandersetzung gipfelt, die Wandlung der Hybriden, Theos Pläne und seine inzestuöse Beziehung zu Orane, Elwoods geheime Zuneigung zu Orane, Ubus Schicksal usw. All die kleinen Details sorgen für eine komplexe Geschichte voller ungewöhnlicher, schrulliger Protagonisten, die ihre Rollen erfüllen. Das Ende wartet mit einigen Überraschungen auf und rundet die Story gelungen ab. Diese mag nicht so reich an Action, lautem Humor und romantischem Geplänkel sein wie manch andere Comics, aber gerade die Beschaulichkeit, die stillen Scherze und die zwischenmenschlichen Sympathien, die zu dieser Welt und den Protagonisten passen, vermitteln eine einzigartige Atmosphäre. Diese wird von aufwändig und schwungvoll gezeichneten Bildern getragen, die stimmungsvoll koloriert wurden.

„Die Lichter des Amalu“ ist ein sehr schöner Fantasy-Comic, der ein an die Romane von Jules Verne erinnerndes Szenario sowie ungewöhnliche Charaktere bietet und vor allem durch ansprechende Illustrationen überzeugt. Genre-Fans sollten einen Blick in diesen gelungenen Sammelband werfen.

Copyright © 2010 Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich unter Buch24.de
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