Die Reise nach Tulum & Die Reise des G. Mastorna, genannt Fernet

die-reise-nach-tulum1Federico Fellini & Milo Manara
Die Reise nach Tulum & Die Reise des G. Mastorna, genannt Fernet
Manara Werkausgabe 1

Keine Angaben zu Originaltiteln und Erscheinungsjahr
Panini Comics, Stuttgart, 8/2008
HC mit Schutzumschlag auf Kunstdruckpapier, Comic, Kunst, Surrealismus, Fantasy, SF
ISBN 9783866078727
Aus dem Italienischen von Michael Leimer
Titelbild und Zeichnungen von Milo Manara

www.paninicomics.de
www.milomanara.com/

Viele haben den Namen Federico Fellini bestimmt schon einmal gehört. Der 1920 geborene und 1993 verstorbene Filmemacher gehörte zu den schillernden italienischen Regisseuren und Produzenten, der gerade zwischen 1940 und 1970 durch seine eigenwilligen, surrealistisch angehauchten und oftmals provokativen Filme die Gemüter der Kritiker erregte. Er gilt als einer der Tabubrecher, die schon früh – wenn auch eher auf künstlerische Art und Weise – Erotik in seinen Werken präsentierte und mit Gesellschaftsschelte nicht sparte. Zu seinen bekanntesten Werken gehören unter anderem „Das Lied der Straße“, „Das süße Leben“, „8 ½“ oder „Satyricon“. Der 1945 geborene Milo Manara schuf bereits in den 1970er Jahren Comics, die mehr Kunst als Unterhaltung waren wie „Der Affenkönig“ oder „Revolution“. Später arbeitete er dann mit Hugo Pratt, Luc Besson und nicht zuletzt Federico Fellini zusammen. Für Letzteren setzte er zwei nicht verfilmte Szenarien um, die wohl zum ersten Mal auch auf Deutsch vorliegen: „Die Reise nach Tulum“ und „Die Reise des G. Mastorna, genannt Fernet“. Beide Geschichten basieren auf Skripten von Fellini, der zu der Zeit, in der er diese verfasste, von Carlos Castaneda und seinen esoterischen Werken begeistert war.

„Die Reise nach Tulum entführt in ein Mexiko, in dem sich Traum und Wirklichkeit vermischen. Der Held ist gefangen in Illusionen und kann bald nicht mehr unterscheiden, ob das, was er wahr nimmt, Wirklichkeit ist oder die reine Erfindung seines Geistes. Denn die Stätten, die er auf diese Weise kennen lernt, sind viel farbenprächtiger und schöner als die Realität. Nach und nach verliert er sich immer mehr in den Traumbildern, nicht ahnend, das er damit alles verlieren könnte, was er sich bisher erarbeitet hat. Auch „Die Reise des G. Mastorna, genannt Fernet“ schildert eine Reise aus der Wirklichkeit in die der Visionen und Träume. Doch diesmal muss sich der Protagonist der Tatsache stellen, dass ihn am Ende das Jenseits erwartet und seine Reise eine ohne Wiederkehr ist. Wie in allen surrealistischen Werken fließen Traum und Realität ineinander, finden sich in ganz normalen Städten plötzlich magische Paläste mit einer archaischen Ausstrahlung, wechseln die Figuren von einem zum anderen Mal die Szenerie und müssen sich phantastischen Bedrohungen und philosophischen Fragen stellen, wenn sie auf ihrem Weg weiter kommen sollen.

Natürlich gibt es auch eine Menge hübscher Frauen zu sehen, die ihre weiblichen Reize präsentieren, aber die Erotik, die sie ausstrahlen, ist ebenso unwirklich wie das Setting und weit entfernt davon, Pornographie zu sein. Man muss sich schon Zeit nehmen, um in die Geschichte einzutauchen und sie zu verstehen, denn vieles erschließt sich nicht unbedingt nach dem ersten Lesen. Und auch danach kann man noch eine Weile darüber nachdenken, denn einfach zu verstehen, sind die Szenen dann immer noch nicht. Neben den beiden Geschichten gibt es noch eine Menge Illustrationen und Entwürfe zu sehen, u. a. auch das Storyboard von Fellini. Ergänzende Texte klären über die Intention und den Hintergrund der Geschichten auf, was stellenweise auch sehr hilfreich ist, wenn man z. B. Castaneda nicht gelesen hat. Alles in allem sollte man keine leicht verdauliche erotische Kost erwarten, sondern schwergängige künstlerische Geschichten, die zwar herausragend gezeichnet, aber nicht leicht zu verstehen sind, da sie mehr auf den phantastischen Surrealismus der Szenen als auf eine klare Aussage und geradlinige Handlung setzen.

Christel Scheja (CS)

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Die Reise nach Tulum & Die Reise des G. Mastorna, genannt Fernet

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