Die schrecklichen Kinder

Mike Carey
Die schrecklichen Kinder
John Constantine, Hellblazer 7

Hellblazer 200 + 202 – 207, Vertigo/DC, USA, 2004, 2005
Panini Comics, Stuttgart, 10/2009
PB mit Klappbroschur, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat auf Kunstdruckpapier
Horror, Thriller
ISBN 978-3-86607-773-7
Aus dem Amerikanischen von Gerlinde Althoff
Titelillustration von Tim Bradstreet
Zeichnungen von Leonardo Manco, Giuseppe Camuncoli, Steve Dillon, Marcelo Frusin

www.paninicomics.de
www.mikeandpeter.com/
http://timbradstreet.typepad.com/
www.leonardomanco.com/
http://lambiek.net/artists/c/camuncoli_giuseppe.htm
http://lambiek.net/artists/d/dillon_s.htm
http://marcelofrusin.blogspot.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Es ist eine Familienangelegenheit: Durch Magie, Betrug und Verführung hat die Dämonin Rosacarnis es geschafft, drei Kinder mit dem Hellblazer zu zeugen, und nun lässt sie sie auf die Welt los. Aber bevor die Kinder in die Ränge der Hölle aufsteigen können, müssen sie ihrem sterblichen Vater entgegentreten. Sie können ihn allerdings nicht einfach umbringen, denn die Nekromantie, der sie ihre Existenz verdanken, hängt davon ab, dass er am Leben bleibt. Die unheilige Trinität hat jedoch schon einen Plan. Sie werden einfach alle umbringen, für die John je etwas empfunden hat, bis er so krank wird, dass er nie mehr der Alte sein kann. Aber noch jemand interessiert sich für Johns missliche Situation: jemand, der sich in einer geborgten fleischlichen Hülle versteckt und seinen Namen nicht preisgibt. Wie bereits im vorigen Band wird auch hier keine Zusammenfassung des bisherigen Geschehens geboten. Die vorliegenden Einzelhefte 200, 202 bis 206 können zwar für sich stehen, gewönnen aber durch die Vorgeschichte wesentlich.

Auch hier, wie schon in Band 6, ist Constantine – noch – nicht wieder der, den man vermeintlich kennt. Allerdings ist der Constantine auf dem Cover, einer Art „Hamlet“-Hommage, genau der Prototyp des John Constantine, von dem man lesen möchte. Tim Bradstreet hat es schon häufiger geschafft, die Essenz dessen, was den „Hellblazer“ ausmacht, auf die diversen Cover zu bringen, aber dieses Werk nimmt einen Spitzenplatz ein. Das trifft leider nicht auf alle Zeichnungen bzw. Zeichner zu, die in diesem Paperback vertreten sind. Giuseppe Camuncoli ist zu sehr einem einfachen, kantigen, anime-artigen Stil verhaftet, der nicht zu „Constantine“ passt. Dazu mag noch die Geschichte kommen, die nur noch eine Art Epilog zum Geschehen davor bildet. Letztlich unbefriedigend in jeder Beziehung. Das bereits erwähnte Geschehen davor, die Angriffe der Kinder, sollten einem John Constantine keine Probleme bereiten. Aber noch ist er nicht der Alte, und der soll er ja, wenn es nach seinen Kindern geht, auch nicht mehr werden. Da aber bereits früher meist seine besten Freunde und Bekannte auf der Strecke blieben, ist die Art des Angriffs seiner Kinder als eher wenig originell anzusehen.

Trotz der eher schwachen Geschichte gewinnt der Band bzw. das Gesamtwerk durch die diversen Zeichner, die hier gearbeitet haben. Leonardo Manco kann mit jedem noch so kleinen Panel genau die Stimmung erzeugen, für die „Hellblazer“ steht. Aber auch Marcelo Frusin und mehr noch Steve Dillon können diesbezüglich mithalten. Man würde vom alten „Hellblazer“ ein wesentlich aktiveres Vorgehen erwarten, und so ist es mehr als erfreulich, dass er ab circa der Hälfte dieses Sammelbands ein wenig seines alten Ichs zurückgewinnt. Das Neuerfinden der alten Helden ist für die jeweils neuen Autoren sicher nicht einfach. Für den Leser ist das Lesen dieser Geschichten häufig ebenso wenig einfach und im schlimmsten Fall unbefriedigend. Die grundsätzliche Idee von Mike Carey, angefangen mit dem „Tier ohne Namen“, Constantine eine Art Neubeginn zu verschaffen, ist einerseits sicher auch für den Leser interessant. Andererseits kann der Weg dorthin schon sehr anstrengend sein.

Wahrscheinlich sind die Fans einer Serie wie „Hellblazer“ offener für Neues und auch eher bereit, einen langen Weg dorthin mit zu gehen. Anders kann man die lange Anlaufzeit, die Carey hier zur Verfügung gestellt bekam, kaum erklären. Über zehn Einzelhefte einen John Constantine zu präsentieren, der wenig mit der eigentlichen Figur zu tun hat … Respekt. Wenn auch in diesem Band wieder etwas vom alten Magier und Trickser durchschimmert, ist der Mini-Zyklus doch ebenso wie sein Vorgänger sehr vom Umfeld abhängig. Ohne Anfang und Ende hängen auch diese Episoden etwas in der Luft und lassen einen Neueinstieg in diese Serie nicht zu, da eine entsprechende Einführung in die Geschichte fehlt. John Constantine gewinnt nur langsam wieder Fahrt, aber in diesem Band ahnt man zumindest wieder eine Richtung, in die es gehen kann. Und so lange der Großteil der Illustrationen weiter die Qualität besitzt, die Zeichner wie Manco oder Dillon abliefern können, sind auch weniger spannende oder einfach nur verwirrende Geschichten zu verkraften.

Copyright © 2010 by Thomas Folgmann (ft)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.