Die Wellenläufer

Kai Meyer, Yann Krehl, Christian Nauck & Sven Stangmeyer
Die Wellenläufer

Wellenläufer 1
Nach dem Roman „Die Wellenläufer“ von Kai Meyer, Loewe Verlag, Bindlach, 2002
Egmont Ehapa, Köln, 10/2007
HC, vollfarbige Graphic Novel, Ehapa Comic Collection, Fantasy, Adventure, 978-3-7704-3175-5, 96/1500
Titelgestaltung von Michael Vogt
www.ehapa-comic-collection.de
www.kaimeyer.com
www.linkstudio.de

Eine seltsame Magie bewirkt, dass in der Karibik Kinder geboren werden, die über die Fähigkeit verfügen, auf dem Wasser zu laufen. Vierzehn Jahre später sind die Quappen nahezu ausgelöscht. Jolly und Munk scheinen die letzten ihrer Art zu sein.

Erst verliert Jolly durch einen heimtückischen Angriff auf das Piratenschiff ‚Magere Maddy’ alle Menschen, die ihr etwas bedeuten, und nur wenig später tötet der Acherus die Eltern von Munk. Beide Kinder sind von nun an auf sich gestellt.

Ihr einziger Helfer ist der geheimnisvolle Geisterhändler, der mehr zu wissen scheint, als er verrät. Er begleitet Jolly und Munk nach Port Nassau, wo sie zusammen mit einer bunt zusammen gewürfelten Crew an Bord eines Schiffes gehen, das sie nach Aelenium bringen soll. Doch die Reise ist gefährlich, denn wieder wird der tödliche Mahlstrom aktiv, und eine feindliche Flotte greift an. Weil Griffin von Bord fällt, verlässt Jolly die ‚Carfax’, die auf Anweisung des Geisterhändlers ohne die zwei weiter segelt…

Wie so oft, wenn man den ersten Band einer Trilogie liest, bekommt man nur Appetizer geboten und erfährt nichts Konkretes. Auch „Die Wellenläufer“ stellt zunächst das Setting und die wichtigsten Akteure und ihre Hintergrundgeschichte, soweit notwendig, vor.

Die Handlung ist in der Karibik des 18. Jahrhunderts angesiedelt. Jolly und Munk, die beiden jugendlichen Hauptfiguren, sind so genannte Quappen, die über magische Kräfte gebieten. Ihre Hilfe wird benötigt, um den Mahlstrom, der die Welt erobern will, zu vernichten. Ein mysteriöser alter Mann, ein schräger Kapitän und sein animalischer Begleiter, eine schöne Piratenprinzessin und ein glückloser Falschspieler sind die einzigen mehr oder minder zuverlässigen Freunde, die die beiden nach Aelenium, in die schwimmende Stadt, die über den Mahlstrom wacht, geleiten sollen.

Kay Meyer bedient sich gängiger Archetypen und Motive aus der Fantasy-Literatur, wie sie von jungen Lesern und Genre-Neulingen erwartet werden: der Kampf Gut gegen Böse, junge Helden sollen die Welt retten, der weise Mentor – im Geisterhändler erkennt man auf Anhieb den nordischen Gott Odin wieder; wie dieser hat der Protagonist nur ein Auge und wird von zwei Raben begleitet – verrät immer nur so viel, dass man weiterhin neugierig bleibt, ein etwas reiferes Paar stellt den Kindern seine Degen zur Verfügung, ein hunde-ähnlicher Crewman sorgt für Exotik, ein vorwitziger Piratenjunge und ein sprechender Holzwurm sind für Humor zuständig. Romanzen keimen, doch im Moment spielen die zwischenmenschlichen Beziehungen eine untergeordnete Rolle. Es wird gekämpft, geflüchtet, Neues gelernt, an Geheimnissen gerührt, von Freundschaft und Verrat erzählt.

Viele Fragen bleiben offen, nachdem der Band mit einem Cliffhanger endete. Welche Wesen stecken hinter dem Mahlstrom, der seinen Ursprung offensichtlich in einer anderen Dimension oder Welt hat? Wer sind die Bewohner von Aelenium? Ist die Crew der ‚Mageren Maddy’ wirklich tot? Werden Jolly und Griffin den Weg zu der schwimmenden Stadt finden? Was können Jolly und Munk gegen eine Kraft wie den Mahlstrom überhaupt ausrichten?

Man fühlt sich durchaus an „Fluch der Karibik“ erinnert, auch wenn Kai Meyer im Nachwort betont, dass er an der „Wellenläufer“-Trilogie bereits arbeitete, noch bevor die ersten Gerüchte über den Film kursierten. Der Auftakt-Roman der Trilogie kam dann auch kurz vor dem Start des Kino-Spektakels in den Handel, und beide überraschten die Kritiker, die davon überzeugt gewesen waren, dass die Kombination Fantasy & Piraten floppen würde. Zweifellos verdanken auch Kai Meyers Jugendbücher einen Großteil ihres Erfolges den Filmen, die den Weg für die folgenden Piraten-Geschichten und Sachbücher ebneten.

Die Comic-Verlage zogen schnell nach, und so erschien vom ersten Band der „Wellenläufer“-Trilogie eine Graphic Novel, die von Yann Krehl umgesetzt, von Christian Nauck illustriert und von Sven Stangmeyer koloriert wurde. Die zwei SC-Alben sind nun ein weiteres Mal in einer edlen, im Format etwas kleineren HC-Ausgabe erschienen. Wann die Fortsetzung vorliegen wird, ist noch nicht bekannt.

Ob die Comic-Variante das Jugendbuch gut trifft, kann nur beurteilen, wer beides gelesen hat. Greift man ohne Vorkenntnisse nach der Graphic Novel, hat man keine Probleme, sich auf die Handlung einzulassen und möchte gern wissen, wie es weiter geht. Obwohl die Motive bekannt sind, ist die Geschichte routiniert und unterhaltsam erzählt, es bleiben genügend Geheimnisse, die für unerwartete Wendungen sorgen können, und auch die detailreichen Zeichnungen können sich sehen lassen.

„Die Wellenläufer“ ist ein farbenprächtiger, spannender Comic, der sich an ein All Age-Publikum wendet, das sich für Piraten und Fantasy im Stil von „Fluch der Karibik“ begeistern kann. Bleibt nur zu hoffen, dass auch die noch ausstehenden Teile bald folgen werden. (IS)

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