Ein melancholischer Morgen 3

Shoko Hidaka
Ein melancholischer Morgen 3

(sfbentry)
Yuutsu na Asa vol. 3, Japan, 2011
Carlsen Manga, Hamburg, 07/2012
TB, Manga, Boys Love, Drama, Romance, History
ISBN 978-3-551-73066-4
Aus dem Japanischen von Dorothea Überall
2 Farbseiten

www.carlsenmanga.de
http://www3.to/re-cycle

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Japan zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Das Haus Kuze nimmt Tomoyuki, einen Sohn der Familie Katsuragi, auf und lässt ihn nach strengen Richtlinien erziehen, damit er eines Tages das Erbe des kinderlosen Vicomte antritt. Als diesem von einer Nebenfrau der ersehnte Nachfolger geschenkt wird, dauert es nicht lange, bis Tomoyuki zum Angestellten degradiert wird, der dem kleinen Akihito die gleiche harte Ausbildung zukommen lässt, die er selbst durchlaufen hat. Außer den Kuzes zu dienen, ihren Reichtum und ihr Ansehen zu mehren, scheint Tomoyuki nichts zu interessieren. Schließlich tragen die Bemühungen Früchte, denn Akihito wird bald volljährig und hat damit begonnen, die Leitung des Hauses und die Geschäfte zu übernehmen, wodurch er Tomoyukis Position weiter einschränkt. Obgleich Akihito plant, Chikako aus dem alten Adelsgeschlecht Sajou zu heiraten, um dadurch den gesellschaftlichen Rang der Kuzes zu erhöhen, wägt er seine geschäftlichen Optionen nach modernen Gesichtspunkten ab und sucht Partner, die seine fortschrittlichen Ideen teilen und nicht in alten Traditionen verharren wollen.

Allerdings hat Akihito einen triftigen Grund für sein Handeln, der über das Wohl der Familie Kuze hinausgeht: Er will, dass Tomoyuki stolz auf ihn ist und seine Liebe erwidert. Tomoyuki hingegen ist sich seines Standes bewusst und versucht, Distanz zu wahren – vergeblich. Lange plante er, sich eines Tages alles zurückzuholen, was ihm zugedacht war, doch dann unternimmt er nichts, obwohl ihn sogar sein eigener Lehrer, der dem Geheimnis der Kuzes und Kazuragis auf die Spur kam, dazu drängt. Als Akihito erfährt, dass Tomoyuki durchaus das Recht hat, Ansprüche zu stellen, ist sein Vertrauen in ihn erschüttert. Dann trifft er eine unerwartete Entscheidung …

Shoko Hidaka („Hidden Flower“, „Signal“, „Restart“) gehört zu den Mangaka, die Boys Love mit Themen verknüpfe, die an reifere Leserinnen adressiert sind. Ihre Protagonisten sind Biseinen und müssen Probleme des Alltags und des Berufslebens lösen, die mal mehr, mal weniger knifflig sind. Die sich vor diesem Hintergrund entwickelnde Beziehung zwischen zwei jungen Männern stellt zwar den wichtigsten Aspekt, wirkt aber unaufdringlich und eher wie schmückendes Beiwerk, da sie gelungen als Unterhandlung mitläuft. Das gefällt besser als so manche Geschichte, die inhaltsarm nur das Hin und Her des Paares schildert mit vielen grafischen Szenen, um überhaupt irgendwie das Interesse des Publikums zu erhalten.

„Ein melancholischer Morgen“ ist jedoch auch für Shoko Hidaka ein herausragendes Werk, da die Handlung ungewöhnlich komplex ist, es mehrere Handlungsebenen und Protagonisten gibt. Als Settings wählte sie Japan vor dem Ersten Weltkrieg, eine Ära des Wandels, in der die alten Adelsgeschlechter an Macht verloren und aufstrebende Neureiche Einfluss geltend machten. Vor allem die Intellektuellen und jungen Menschen aus den einfacheren Schichten sahen ihre Chance gekommen, die durch ihre Geburt festgelegte Rolle abschütteln zu können und sich selbst eine Zukunft zu schaffen.

Tomoyuki und Akihito, die zentralen Charaktere, sind in den Traditionen gefangen. Während Tomoyuki der Überzeugung ist, die Regeln befolgen zu müssen, obwohl er tief im Innern aufbegehrt, bricht Akihito immer wieder Tabus, womit er nicht immer auf Gegenliebe stößt, doch nach außen hin tut er letztendlich das, was man von ihm unter den gegebenen Umständen erwartet. Auch in ihrer Beziehung wechseln die Rollen. War es zuerst Akihito, der Tomoyuki umwarb, so ist es nun dieser, der sich zu seinen unterdrückten Gefühlen bekennt und das zerstörte Vertrauen wiederherstellen will. Der vorliegende dritte Band bringt viele Geheimnisse, die man teils vermutet hat, ans Licht und leitet neue Entwicklungen ein, die man nicht erwartet hätte. Die Konsequenzen bleiben vorerst offen und werden gewiss in den noch ausstehenden Bänden abgehandelt. Von daher bleibt es spannend.

Mit „Ein melancholischer Morgen“ liefert Shoko Hidaka ein reizvolles, äußerst aufwändig und apart gezeichnetes Sittengemälde von der Gesellschaft Japans vor rund einhundert Jahren. Ihre Protagonisten vermögen als typische Repräsentanten ihrer Zeit zu überzeugen. Eine ungewöhnliche Serie, die man vor allem dem reiferen Publikum empfehlen möchte und die nicht nur für Leserinnen interessant ist.

Copyright © 2014 by Irene Salzmann (IS)

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