Elfen Lied 2

elfen-lied-21Lynn Okamoto
Elfen Lied 2

Elfen Lied, Vol. 3 + 4, Japan, 2002
Tokyopop, Hamburg, 5/2009
PB, Manga, Drama, Action, Mystery, Splatter
ISBN 9783867196550
Aus dem Japanischen von Michael Ecke
2 Farbseiten
Leseempfehlung: ab 18 Jahre!

www.tokyopop.de
www.okamoto.tv/

Während die 13-teilige Animeserie „Elfen Lied“ bereits seit längerem in Deutschland erhältlich ist, erscheint nun erst der dazugehörige Manga. Tokyopop fasst jeweils zwei Bände der Originalausgabe in einem großformatigen Reader zusammen. Schon seit vielen Jahren hütet die Regierung in einer unterirdischen Forschungseinrichtung ein düsteres Geheimnis. Dort werden die so genannten Diclonius festgehalten. Diese sehen aus wie Menschen, wenn man einmal von den Hörnern absieht, die ihnen seitlich aus dem Kopf wachsen. In Wirklichkeit aber sind sie Mutanten mit unermesslichen Kräften, die unberechenbaren Launen unterworfen und geistig nicht immer unbedingt stabil sind. Lucy ist die Stärkste von ihnen. Es gelingt ihr allerdings, eines Tages auszubrechen und an die Oberfläche zu fliehen. Als sie sich dort den Kopf stößt, verwandelt sie sich in die harmlose und friedliche, ja, fast scheue Nyu, die auch nicht mehr als dieses Wort sagen kann.

Die Studenten Kota und Yuka nehmen sie bei sich auf und kümmern sich um sie, nicht ahnend, was für eine tickende Zeitbombe sie bei sich haben. Das bekommen eher die Häscher zu spüren, die Lucy verfolgen, vor allem der Kopfgeldjäger Bando, der den Gegenangriff der Diclonius zwar überlebt, aber von ihr infiziert wird. Er reagiert gar nicht begeistert darauf, dass er nun entmannt werden soll, weil sein Samen die Gene der Mutanten trägt und er die Gene nicht weiter tragen soll – denn seine Kinder werden sich ohne jeden Zweifel in Diclonius verwandeln…

Derweil nehmen Kota und Yuka einen weiteren Gast bei sich auf, die obdachlose Mayu, die sie um Brot anbettelt. Allerdings beginnt es auch zwischen den Studenten zu kriseln, denn zum einen rückt Nyu, die ja nun doch nicht ganz reizlos ist, Kota immer wieder auf die Pelle, zum anderen scheint er dem auch nicht ganz abgeneigt zu sein. Um auf andere Gedanken zu kommen, nehmen sie die Kleine mit zu einer ihrer Vorlesungen. Allerdings können sie nicht verhindern, dass der Professor Nyu gleich dabehält und deutlich macht, dass er weiß wer sie ist und wo sie hingehört. Die beiden Studenten gehorchen, weil sie keine andere Wahl haben, aber ein ungutes Gefühl bleibt zurück. Sie sollen recht behalten, denn Professor Kurama ist in seiner anderen Identität der Leiter der Forschungseinrichtung, in der Lucy war, und er hat sie ohne Probleme in Nyu wieder erkannt. So verschleppt er sie in sein Privatlabor und enthüllt seine Pläne, rechnet aber nicht damit, dass die unkontrollierbare Lucy in dem unscheinbaren Mädchen wieder erwacht und ihre dunklen Seiten zeigt.

„Elfen Lied“ ist ein Manga, der sich auf mehreren Ebenen bewegt. Zwar stehen die Ereignisse in der Jetztzeit im Vordergrund aber es gibt immer wieder längere Rückblenden, die die wahre Natur von Lucy und ihre besondere Verbindung zu Kota enthüllen. Denn der junge Mann ist ihr als Kind schon einmal begegnet, nur dass er sich heute nicht mehr richtig daran erinnern kann und seine Gefühle zu Nya nicht wirklich versteht. Während der skrupellose Kurama, der ohnehin mehr als alle anderen über die Diclonius zu wissen scheint, seine Ränke spinnt, möchte der Kopfgeldjäger Bando nur Rache, und so verweben sich beider Intrigen zusätzlich zu einer dichten Geschichte, die mehr als nur Action und Splatter bietet.

Der Manga wechselt immer wieder zwischen zwei Extremen. Auf der einen Seite wird das friedliche und eher harmlose Leben der Studenten und ihrer Freunde geschildert, die zwar mit ihren Gefühlen zu kämpfen haben, aber niemanden wirklich bedrohen, es kommt sogar zu der einen oder anderen humorvollen bzw. erotischen Szene – aber genau dass steht in krassem Gegensatz zu den Augenblicken, in denen die wahre Macht und Gefährlichkeit der Diclonius Lucy enthüllt wird und sie ohne Bedenken Kinder tötet, die sie ärgern, oder die Bewohner eines Hauses, in dem sie sich einnistet.

Aufgrund dieser doch sehr brutal dargestellten Szenen spricht der Verlag vermutlich die Leseempfehlung ab 18 Jahren aus. Denn die Diskrepanz zwischen der Niedlichkeit der Hauptfiguren und ihrer Grausamkeit ist für jüngere Leser nicht unbedingt leicht zu verstehen oder gar zu differenzieren. Alles in allem verläuft die Geschichte aber in klassischen Bahnen, denn Nyu-Lucy ist nicht die erste unschuldig wirkende Figur, der gefährliche Kräfte innewohnen und die nach ihrer Flucht aus dem Forschungslabor die Welt unsicher macht.

Wer Geschichten mag, in denen hübsche Mutantenmädchen sich zwar einerseits ihrer Haut wehren und brutal sein können, auf der anderen Seite aber auch eine süße und unschuldige Seite haben, wird an „Elfen Lied“ seinen Spaß haben, da der Manga doch ein wenig mehr als nur Action bietet. Zudem sollte man sich auch an dem recht niedlichen Zeichenstil und den eher harmlosen Alltagsszenen nicht stören, der im krassen Gegensatz zu Inhalt stehen. Aber gerade diese Mischung hebt die Geschichte etwas aus dem Dunstkreis ähnlicher Mangas heraus. (CS)

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