Engel: Psalm 1 – 3

Dieter & O. G. Boiscommun
Engel: Psalm 1 – 3

Les Humanoides Associes, SAS, Vol. 1 – 3, Frankreich, 2000 – 2004/2005
Egmont Ehapa Verlag, Köln, 1/2009
HC, Ehapa Comic Collection, Fantasy
ISBN 9783770432363
Aus dem Französischen von Marcel Le Comte
Titelbild und Zeichnungen von Dieter & O. G. Boiscommun
www.ehapa-comic-collection.de

Seit einiger Zeit gibt die Ehapa Comic Collection die Edition „All in One“ heraus, in der die kompletten Bände einer drei- bis fünfbändigen Reihe zusammengefasst werden. Das führt natürlich gerade bei den Alben, die zuvor noch nie in Deutschland erschienen sind, zu einem extrem hohen Preis, letztendlich kommt man aber doch günstiger weg als bei einer Veröffentlichung in Einzelbänden. Vor allem die Freunde und Sammler francobelgischer Comics aller Couleur werden mit der edel produzierten Edition angesprochen, in der nicht nur ein Genre zum Thema gemacht wird. Neu erschienen ist nun die Fantasy-Reihe „Engel: Psalm 1 – 3“.

Die unscheinbaren und für die meisten Menschen nicht sichtbaren Helfer wachen schon eine ganze Weile über die kleine Kirche Sankt Eustachius. Im Moment ist alles recht friedlich, und die Engel, die nicht unbedingt die edle Gestalt haben, die man erwartet, sondern eher wie Gargoyles aussehen, lassen es etwas ruhiger und gelassener angehen. Sie nehmen sich dabei das Recht heraus, das Leben so zu genießen, wie sie wollen.

Doch nun werden sie von höherer Stelle ermahnt, wachsamer zu werden und mehr Einsatz zu zeigen, denn die Mitglieder der Kirchengemeinde begehen immer mehr Sünden. Wenn es ihnen nicht gelingt, diesen Prozess umzukehren, können sie damit rechnen, nach Notre Dame versetzt zu werden – wo keiner von ihnen wirklich gerne hin will. So kommen sie dahinter, dass offensichtlich etwas vor sich geht, und die Dämonen ganz offensichtlich einen Angriff aus der Hölle planen. Nun ist guter Rat teuer, denn zum Lösen des Problems brauchen sie nicht nur Witz sondern auch Verstand.

Weil sie sich beim Kampf um Sankt Eustachius bewähren, werden sie befördert und müssen sich schon bald in einem neuen Fall mit viel größeren Bedrohungen stellen. In einem Mädchenpensionat in der Bretagne ist eine der Zöglinge in großer Gefahr. Ihre reine und engelhafte Seele wird vom Bösen bedroht, und die Engel sollen nun verhindern, dass sie diesem ganz und gar anheim fällt. Das ist keine leichte Aufgabe, wie sich schon bald erweisen wird, denn in dem von Nonnen geleiteten Stift ist längst nicht alles so wie es sein sollte, und der erste Blick täuscht dabei genauso wie der äußere Anschein. Auch das ist nur der Auftakt zum großen Kampf des Guten gegen das Böse, der sie im dritten Teil endgültig erwartet und in dem es vor allem für einen von den tapferen Engelsgefährten um seine Seele und Existenz geht…

„Engel: Psalm 1 – 3“ ist jetzt vielleicht kein Meisterwerk unter den francobelgischen Fantasy-Comics, kann aber durch seine warmherzige Erzählweise und die liebevolle Gestaltung der Figuren und Geschichte punkten. Die engelhaften Helden sind durch ihre eher an Gargoyles erinnernden Gestalten gleich wesentlich glaubwürdiger und sympathischer als ätherische Gestalten. Man nimmt es ihnen auch eher ab, dass sie sich den Menschen ein wenig angepasst haben, sich hin und wieder sogar ein paar persönliche Freuden gönnen. Doch vor allem besitzen sie ein großes Herz, und sind auch bereit, Fehler schnell einzugestehen und zu versuchen, sie wieder gut zu machen. Man nimmt sie so gleich als viel normaler und lebendiger wahr.

Die Geschichten selbst werden mit einem humorvollen Unterton erzählt, zeigen satirisch hin und wieder auch einige Unarten der menschlichen Gesellschaft und typische Verhaltensweisen wie Vorurteile auf, denen sich keiner von uns entziehen kann. Das erkennt man gerade im zweiten Teil, in dem die Künstler den Verdacht – wenn auch recht durchschaubar – zunächst auf das falsche Mädchen lenken. Die Zeichnungen sind eher cartoonhaft als realistisch, verstärken dadurch aber auch die märchenhaft versponnene Atmosphäre, die ohnehin über der ganzen Geschichte liegt. Interessant ist, dass bei den Farben vor allem Rot- und Orangetöne vorherrschen, die man eigentlich mehr mit Hölle und Dämonen in Verbindung bringt. Aber vielleicht ist das sogar die Absicht der Zeichner und Koloristen.

Das macht „Engel: Psalm 1 – 3“ insgesamt zu einem lebendigen und verspielten Comic, der vor allem den Comiclesern gefallen dürfte, die gegen die humorvoll-märchenhafte und, oberflächlich gesehen, wenig realistische Fantasy aus dem francobelgischen Raum nichts einzuwenden haben. (CS)

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