Entenhausen – Weltstadt an der Gumpe

Entenhausen – Weltstadt an der Gumpe

(sfbentry)
Verlag: Ehapa Comic Collection, 2014
Artwork & Text: diverse
Ü: diverse
Lettering: Eleonore Spindelböck
Ausstattung: Hardcover, 24,6 x 17,2 x 3,6 cm
Umfang 416 Seiten
ISBN: 978-3-7704-3796-2

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Was sind schon New York, Paris oder Peking verglichen mit jener Metropole an der Gumpe, die die Heimat echter Helden und der Ort großer und – vieler, vieler – kleiner Abenteuer ist und deren  Name den Kundigen in Erinnerungen schwelgen lässt, während er den Unkundigen in die Irre führt, denn: in Entenhausen hausen nicht nur Enten, sondern diese Stadt der Städte wird von allerlei antropromorphem Getier und Konstrukten bewohnt und belebt, wobei sich die wirklich bedeutenden Bürger – jedenfalls die rechtschaffenden – aus den Clans der Enten, der Gänse und der Mäuse rekrutieren. Seinen aktuellen ziegelsteindicken „Themenband“ widmet Ehapa eben jenem Ort des Zasters, des Lasters, der Energie – in jedweder Form -, jener Geburtsstätte hirnrissiger oder genialer Ideen, die von den Gerechten und Schlechten gleichermaßen so geliebt wird, dass sie nicht von ihr loskommen.

In acht Kapiteln und 26 Geschichten werden alle wichtigen Aspekte des urbanen Zusammenlebens an diesem einzigartigen Ort beleuchtet, wobei ein Blick in die Vergangenheit Entenhausens den eigentlichen Ausgangspunkt dieser analytischen Reise bildet, in eine Vergangenheit, die nicht immer friedlich gewesen ist und in der nicht nur die Pilgeronkel im Allgemeinen, sondern ein geradezu mythischer Held und Gründungsvater im Besonderen – Emil Erpel – eine zentrale Rolle spielten. So klein damals noch der Fleck gewesen ist, an dem das ursprüngliche Fort „Entenhausen“ – das Samenkorn der Stadt –  dereinst stand, so gewaltige Ausmaße hat die  heutige Metropole im Zuge auch des Fortschritts, welchem ein weiteres Kapitel gewidmet ist, angenommen. Und so einfach und klar das Leben vor vielen Generationen gewesen sein mag, so komplex sind die Prozesse, in die Stadt und Bewohner heutzutage eingebunden sind: Bildung will organisiert sein, Macht(ausübung), Medien und kulturelle Angebot beeinflussen mehr oder weniger direkt das Leben eines jeden Bürgers und sportliche Ertüchtigungen schweißen die Entenhausener mal zusammen, mal sorgen sie für erbitterten Streit.

Erwähnenswert sind zunächst die redaktionellen Beiträge, die jedem der acht Kapitel – „Kennst du  das Land, wo die Enten hausen …?“, „In den Stapfen der Pilgeronkel“, „Das Wüten des Fortschritts“, „Bildung ist das halbe Entenleben“, „Macht und Medien“, „Die Sinfonie der Gumpenstadt“, „Olé, olé, FCE!“ sowie „Warum in die Ferne schweifen“ – vorangestellt sind und die eine kleine, unterhaltsam verfasste, sachkundige Einführung in das jeweilige Problemfeld liefern.

Erfreulich gestaltet sich die Auswahl der thematisch immer passenden Geschichten, die rund 50 Jahre Erzähl- und Zeichenkunst abdeckt und zu der das Who’s Who disney’scher Szenaristen und Zeichner seinen Beitrag geleistet hat, anfangen bei Milton, Barks und Rosa bis hin zu van Horn, Heymans und Scarpa. Auch wenn Duktus und Rhythmus der Storys im Detail dementsprechend lebendig und unterschiedlich sind, so ist das Artwork unterm Strich in Bezug auf das Seitenlayout, aber auch der Bildgestaltung eher klassischer Natur. Das heißt, auf die erzählerisch und visuell überdynamischen, ja geradezu hektischen Interpretationen insbesondere der aktuellen italienischen Disney-Schaffenden wurde zu Gunsten einer – wohltuenden – narrativen Klarheit und Einheitlichkeit verzichtet.

Ebenfalls erfreulich ist, dass neben den üblichen Verdächtigen auch Protagonisten wie Dolly Duck zum Zuge kommen, wohingegen das Fehlen der maus’schen Sippschaft und ihrer Beiträge zur Entwicklung der Metropole unfair wirkt, wenngleich in der Einleitung diese Ignoranz, die Fokussierung auf das Enten-Entenhausen mit der 2-Städte-Theorie – Paperopoli vs. Topolinia – begründet wird.

Fazit: Auch dieser neuste achte Themenband ist eines: fett! Fett voluminös und fett unterhaltsam! Und wer noch keinen Stadtplan Entenhausens sein Eigen nennt, der muss ohnehin zugreifen.

Copyright © 2014 by Frank Drehmel (FD)

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