Furious Love 1

furious-loveKazuo Kamimura
Furious Love 1

(sfbentry)
Kyojin Kankei Vol. 1, Japan, 1973
Carlsen Manga, Hamburg, 12/2009
TB mit Klappbroschur, History, Drama, Erotik
ISBN 978-3-551-79161-0
Aus dem Japanischen von Jürgen Seeback
Leseempfehlung: ab 16 Jahre!

www.carlsenmanga.de
www.kamimurakazuo.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Die Manga-Leser werden älter, und die Verlage haben es endlich gemerkt. Nachdem über Jahre hinweg Kiddie-Serien die Programme dominierten, findet man nun immer mehr Titel, die sich an ein reiferes Publikum wenden. Neben zeitgenössischen Serien werden auch ältere angeboten – fast schon in Vergessenheit geratene Klassiker wie „Akira“, „Nausicaa aus dem Tal der Winde“, „Lone Wolf & Cub“ usw. „Furious Love“ ist eine Trilogie des Autors und Zeichners Kazuo Kamimura (1940 – 1986), der in Deutschland durch die „Lady Snowblood“-Bände auf sich aufmerksam machte. Die Reihe erscheint als Taschenbuch mit Klappbroschur und einem Umfang von rund 360 Seiten pro Ausgabe.

Japan während der Edo-Zeit: Katsushika Hokusai (1760 – 1849), einer der bedeutendsten Vertreter der Ukiyo-e, dessen bekanntestes Werk die Farbholzschnitt-Serie „36 Ansichten des Berges Fuji“ ist, ist bereits ein alter Mann, als er die Folgen einer sich wandelnden Gesellschaft zu spüren bekommt. In seinen letzten Lebensjahren wird er immer exzentrischer, verweigert Aufträge und hadert mit der Tatsache, dass jüngere Künstler ihn zu überflügeln beginnen – und auch noch mit pornografischen Darstellungen Erfolg haben.

Einer von ihnen ist Sutehachi, der gern ein noch größerer Maler als der anerkannte Meister werden möchte, aber nicht vom süßen Leben lassen kann. In Folge geht er eine Beziehung mit O-Shichi, der Tochter eines Gemüsehändlers, ein und übersieht dabei die tiefe Liebe, die ihm von O-Ei, Hokusais Tochter, ebenfalls eine Künstlerin, entgegengebracht wird. Während O-Shichi mit ihrem Glück prahlt, macht O-Ei ihr zum Vorwurf, dass sie ihrer Rolle als gute Gefährtin nicht gerecht wird, weil Sutehachi ihretwegen die Kunst aus den Augen verliert. Doch auch im Leben anderer spielen sich Dramen ab. Ein junger Künstler will Selbstmord begehen, als er feststellt, dass die vermeintliche Schöne, in die er sich verliebt hat, ein Mann ist. O-Shichis Vater erhängt sich, weil er es nicht länger erträgt, dass seine Frau ihn mit einem Schauspieler betrügt. Statt zu trauern, trägt die Witwe alles Geld zu ihrem Geliebten und erlebt eine böse Überraschung. O-Ei war mit einem brutalen Mann verheiratet und träumt seit der Scheidung vergeblich von einem neuen Glück.

Kazuo Kamimura erzählt keine Geschichte, wie sie heute fast schon Standard ist – reich an Action, Holzhammer-Humor und Panty-Shots -, stattdessen schildert er realistisch und beschaulich, wie das Leben im Japan des 19. Jahrhunderts ausgesehen hat. Er erfüllt historische und fiktive Persönlichkeiten mit Leben, indem er sie glaubwürdig mit Problemen und Ängsten, Hoffnungen und Träumen in ihrem Alltag darstellt. Es wird viel geredet und reflektiert, gezankt und gelacht, geliebt und gehasst. Manche Szenen muten schon recht derb in ihrem ungeschönten Realismus an. Dieser wird noch vertieft durch eingebundene Zitate und Querverweise auf zeitgenössische Künstler und ihre Werke.

Die Zeichnungen wurden mit kräftigem Strich ausgeführt, wobei der Kazuo Kamimura auf eine Idealisierung verzichtet hat. Die Protagonisten sind selten schön, man sieht ihnen Alter und Leid an, sie schneiden Grimassen. Die Hintergründe sind sehr sorgfältig erstellt und oft detailreich. Den Nerv jüngerer Manga-Leser, die schnelle und leichte Unterhaltung wünschen, trifft „Furious Love“ weniger. Der Titel wendet sich an ein Publikum mit höheren Ansprüchen, das diesen Sittenspiegel mit Interesse liest und auch die getragene Erzähl- und Zeichentechnik, die ganz ohne spektakuläre Einlagen auskommt, zu schätzen weiß.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)
 
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.