Ikigami – Der Todesbote 1

Motoro Mase
Ikigami – Der Todesbote 1

(sfbentry)
Japan, 2005
Carlsen Manga, Hamburg, 08/2012
TB, Manga, Thriller, SF, Mystery, Drama
ISBN 978-3-551-79571-7
Aus dem Japanischen von Hannes Raulf

www.carlsenmanga.de

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Im Namen des ‚Gesetzes für Fortschritt und Wohlstand‘ erhalten alle Japaner im Alter von sechs Jahren zur Einschulung eine Impfung. Nach einer zufälligen Auswahl enthält eine von 1000 Impfspritzen eine Nanokapsel, die sich am Herzen festsetzt und irgendwann, sobald der Träger ein Alter zwischen 18 und 24 Jahre erreicht hat, eine Herzarterie zerstört und damit zum Tod führt. Das Ziel dieser Maßnahme ist, dass die Menschen – in Erwartung ihres möglichen Todes – ihr Leben bewusst führen und zu Erhaltung und Wohl der ganzen Gesellschaft beitragen. Kengo Fujimoto ist einer der Überbringer der Todesnachrichten – der „Ikigami“ -, die jeweils 24 Stunden vor dem Tod den ausgewählten Personen persönlich überbracht werden müssen.

Kapitel 1: Rache.
Als der labile Josuke Kamoi seinen Ikigami von Fujimoto erhält, will er die verbleibenden Stunden nutzen, um sich an seinen ehemaligen Mitschülern zu rächen, die ihn stets verletzt und gedemütigt haben, so dass er im Nachhinein physisch und psychisch nie in der Lage war, ein normales Leben zu führen. Seine Rache bewirkt nichts, doch kurz vor seinem Tod gelingt es ihm noch, das Leben eines Jungen zu ändern, der ebenfalls das Opfer von Demütigungen ist.

Kapitel 2: Das vergessene Lied.
Fujimotos nächster Ikigami geht an den Musiker Tariot Tanabe, der sich einst des schnellen Erfolges wegen von seinem Partner, dem Songwriter Hidekozu Morio, getrennt hat. Nachdem ihn die niederschmetternde Realität des Showbiz‘ eingeholt hat und er sich seines baldigen Todes bewusst ist, entschließt sich Tariot, einem alten Freund einen letzten Gruß zu schicken.

Die grundsätzliche Idee von „Ikigami“ ist so einfach wie genial. Die Frage, was man tun würde, hätte man bewusst nur noch eine begrenzte Zeit zu Leben, hat sich gewiss jeder schon einmal gestellt. Hier gibt es noch einige Feinheiten, die z. B. dafür sorgen, dass keiner der Todgeweihten zum Amokläufer wird. „Ikigami“ bietet eine serientypische Mischung aus den Einzelschicksalen der Todgeweihten und einer durchgehenden Storyline, die in der Hauptsache von Todesbote Fujimoto bestritten wird. In dieser durchgehenden Handlungsebene werden immer wieder subtil die Dogmen des Wohlstandsgesetzes sowie die Zufälligkeit des Auswahlverfahrens in Frage gestellt.

Die Kombination aus „Was wäre wenn …“-Einzelgeschichten und durchgehender Story erinnert – genau wie die moralisch ambivalente Erzählweise – zwar frappierend an Brian Azzarellos „100 Bullets“, wird jedoch so umgedreht, dass sie wieder originell und eigenständig ist. Grafisch ist der Manga sehr ansprechend umgesetzt. Motoro Mase arbeitet mit filmreifen Szenenaufbauten, -wechseln und einer großartigen Erzählstruktur, unterstützt durch dramatische Zeichenperspektiven.

Lässt man außer Acht, dass ein möglicher plötzlicher Tod wohl nur in Japan zu einer bewussteren und gesellschaftswertvollen Lebensweise eines Einzelnen führen könne, funktioniert „Ikigami“ in seiner grundsätzlichen Einfachheit hervorragend.

Copyright © 2012 by Elmar Huber (EH)

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