Ikkyu 1

Hisashi Sakaguchi
Ikkyu 1

Akkanbe Ikkyu, Japan, 1998
Carlsen Manga, Hamburg, 11/2008
TB mit Klappbroschur, Manga, Geschichte, Philosophie, 978-3-551-78061-4, 304/1290
Aus dem Japanischen von Matthias Wissnet
4 Farbseiten

www.carlsenmanga.de
http://lambiek.net/artists/s/sakaguchi_hisashi.htm

Hisashi Sakaguchi (1946 – 1995) war ein japanischer Zeichentrickregisseur, der für Osamu Tezaku („Astro Boy“, „Kimba, der weiße Löwe“ etc.) arbeitete, bis er sich zunehmend dem Zeichnen von Mangas zuwandte. Sein wichtigstes Werk „Ikkyu“, das durch den Tod des Künstlers vorzeitig beendet wurde, erscheint nun in vier Bänden im Carlsen Verlag. Außerdem ist Hisashi Sakaguchi der Schöpfer des Animes „Ikkyu-san“ (1975), der die Erlebnisse eines vorwitzigen Tempelschülers schildert.

Ferner existiert noch ein Movie, „Ikkyusan to Yancha Hime“, der unter der Ägide eines anderen Regisseurs entstand. Ob und inwieweit der Manga Bezüge (1993 – 1995) zu den Filmen knüpft, ist leider nicht bekannt.

Die Titelfigur wird 1394 in Sagano als Sohn des Kaisers und einer Adligen aus dem Süden geboren. Aufgrund höfischer Intrigen muss die hochschwangere Frau den Palast verlassen und sich in einer abgelegenen Hütte verbergen. Als Sengikumaru sechs Jahre alt ist, erzählt ihm seine Mutter, wer er ist und bringt ihn in ein Kloster, wo er, wie sie hofft, vor den Häschern des Shoguns sicher ist.

Für den Jungen, der den Tempelnamen Shuken erhält, bricht eine harte Zeit an. Als Neuzugang muss er die niedrigsten und härtesten Arbeiten erledigen und wird von den älteren Mönchen schikaniert. Obwohl er sich nach seiner Mutter sehnt, hält er durch, um ihr nicht noch mehr Kummer zu bereiten. Er lernt viel aus den Sutren, macht sich Gedanken über die Lehren seines Meisters und entwickelt sich schließlich zu einem gewitzten, eloquenten Mönch.

Es fällt Shuken jedoch schwer, seine Augen vor dem Elend des einfachen Volkes zu verschließen, dass unter Kriegen, hohen Abgaben, Hungersnöten und Seuchen leidet.

Dass der Bettelmönch Soi Ikken sich um die Armen kümmert und ihnen sogar sein eigenes karges Essen überlässt, beeindruckt Shuken zutiefst. Er verlässt das Kloster und wird Meister Kenos Schüler bis zu dessen Tod. Von ihm erhält Shuken den Namen Sojun.

Der erste Band des biografischen Vierteilers schildert die Kindheit und Jugend des Mönchs Ikkyu, einer historisch belegten Persönlichkeit. Sehr realistisch und ohne zu beschönigen beschreibt Hisashi Sakaguchi die Zustände im Japan des frühen 15. Jahrhunderts, wobei er sich auf so viele Eckdaten wie nötig beruft, ohne jedoch den Leser durch ein Zuviel an Geschichtslektionen zu langweilen.

Das Land wird immer wieder von den Machtkämpfen zwischen dem Ashikaga-Shogunat mit rivalisierenden Adelsfamilien erschüttert. Wenn die Bevölkerung nicht von den Soldaten oder umherziehenden Räuberbanden ausgeplündert und ermordet wird, dann sind es Hunger und Krankheit, die die Menschen dahin raffen. Die Angehörigen der Oberschicht und die Mönche in den Klöstern bleiben vom Schlimmsten weitgehend verschont und kümmern sich nicht um die allgegenwärtige Not.

Shuken, der spätere Ikkyu, begreift früh, dass sein weltfremdes Leben nur Schein und das Kloster ein Ort der Verlogenheit ist, denn auch die Mönche verlangen nach Macht, nach einem Platz an der Spitze ihrer Hierarchie, sie blicken auf das Volk herab und frönen niederen Gelüsten, die im Widerspruch zu ihren Gelübden stehen. Darum verlässt Shuken die Sicherheit, die ihm die Klostermauern gewährten, und sucht in der gefährlichen, entbehrungsreichen Wirklichkeit die wahre Erkenntnis.

Allerdings gerät er ständig mit sich selbst in Konflikt, denn auch wenn er beharrlich nach Reinheit und Erleuchtung strebt, bereits durch diesen Wunsch entfernt er sich umso weiter von diesem Ziel.

Die Erlebnisse Shukens werden sachlich erzählt. Es gibt keine billigen Reißer und Actionszenen oder Klamauk, sondern Ton und Atmosphäre der Szenen sind sorgfältig auf deren Aussage abgestimmt: ernst, wenn schlimme und dramatische Geschehnisse thematisiert werden; heiter, wenn der junge Shuken seine Brillanz und Eloquenz unter Beweis stellt und nebenbei so manches Malheur ins Gegenteil verkehrt.

Stilistisch ähneln die Illustrationen mehr dem, was man aus älteren Mangas kennt (z. B. „Lone Wolf & Cub“, „Akira“, „Dragonball“), als dem, was man von zeitgenössischen Titeln gewohnt ist, d. h., die Figuren sind relativ einfach aufgebaut und ihre Charakteristika etwas übertrieben dargestellt, wodurch man sie – gerade die gleich gekleideten und geschorenen Mönche – leichter unterscheiden kann, während die Hintergründe oftmals sehr realistisch und detailreich gezeichnet sind.

Das und auch das anspruchsvolle Thema ist an ein reiferes Publikum adressiert, das mehr als nur oberflächliche Unterhaltung wünscht. Interessiert man sich für japanische Geschichte und Persönlichkeiten, für realistische und ungewöhnliche Inhalte, dann sollte man einen Blick in „Ikkyu“ werfen. (IS)

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Ikkyu 01: Bd 1

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