Ikkyu 2

Hisashi Sakaguchi
Ikkyu 2

Akkanbe Ikkyu, Japan, 1998
Carlsen Manga, Hamburg, 2/2009
TB mit Klappbroschur, Manga, Geschichte, Philosophie
ISBN 9783551780621
Aus dem Japanischen von Jürgen Seebeck
www.carlsenmanga.de
http://lambiek.net/artists/s/sakaguchi_hisashi.htm

Sojun wollte – wie so viele – niemals die Laufbahn eines Mönchs einschlagen. Seine Mutter hatte jedoch keine andere Wahl, um sein und ihr eigenes Leben zu schützen, als aus dem kaiserlichen Palast zu fliehen und das Kind der Obhut eines Klosters anzuvertrauen. Schließlich beginnt Sojun, sich mit seinem Schicksal abzufinden, weltlichen Ansprüchen als Sohn des Kaisers zu entsagen und nach Erleuchtung zu streben.

Schnell entlarvt er die Klöster als Orte des Lasters und der Verlogenheit, was ihn veranlasst, sich einem Bettelmönch anzuschließen. Nach dem Tod von Meister Keno tritt er in ein Zen-Kloster ein, um von Meister Kaso zu lernen. Dieser entpuppt sich als sehr strenger Priester, der ein asketisches Leben befürwortet, und die älteren Schüler erweisen sich als eilte, eifersüchtige und machtgierige Mönche, die dem Neuling das Leben schwer machen.

Sojun lässt alles gleichmütig über sich ergehen und gewinnt bald die Zuneigung seines Meisters. Nachdem er das Koan von ‚Dongshans 60 Stockhieben’ lösen konnte, verleiht ihm der alternde Priester den Namen „Ikkyu“, will ihm ein Zeugnis ausstellen, das ihn zum Zen-Meister erklärt, und ihn als Nachfolger nominieren. Ikkyu lehnt ab, denn weder wünscht er solche Ehren, noch möchte er sich an etwas Weltliches und Vergängliches binden.

Erneut begibt er sich auf Wanderschaft und ist entsetzt angesichts des Elends, das er sieht. Als er einen hochrangigen Priester als Heuchler beschimpft, wird er von dessen Begleitern brutal niedergeknüppelt. Eine Gruppe Schauspieler nimmt sich des Verletzten an – und Ikkyu verliebt sich in das Mädchen Haruyasha…

Die Biografie des Mönchs Ikkyu ist eingebettet in Auszüge aus der japanischen Geschichte des frühen 15. Jahrhunderts und in Milieustudien. Statt in die farbenprächtige Welt der edlen Samurai, wie man sie aus idealisierenden Filmen und Romanen kennt, zu entführen, beschreibt Hisashi Sakaguchi eine ernüchternde Realität, die schmutzig und grausam ist:
Der Niedergang des Ashikaga-Shogunats ist nicht mehr aufzuhalten, und die Macht verlagert sich zunehmend in die Hände der Fürsten. Kriege verheeren das Land, hohe Abgaben, Missernten und Seuchen lassen die Bevölkerung noch mehr leiden. Wer nicht Hungers sterben will, sucht Zuflucht in den Städten, schließt sich Räuberbanden an oder hofft, sein Heil in einem Kloster zu finden, nicht ahnend, dass überall ein entbehrungsreiches Dasein wartet. Die Reichen und Mächtigen verschließen ihre Augen vor der Not des Volkes – und die wenigen Ausnahmen können das allgegenwärtige Elend kaum lindern.

Auch Ikkyu ist entsetzt und schämt sich für die Heuchelei der meisten Mönche, die trotz ihrer Gelübde korrupt sind, nach Macht hungern, Reichtümer anhäufen, sich der Völlerei und Hurerei hingeben. In Folge schert er immer wieder aus, mischt sich unter das einfache Volk und sucht nach Reinheit und Wahrheit. Wann immer er glaubt, sie erhaschen zu können, passiert etwas, das neue Zweifel in ihm weckt – so auch die Begegnung mit Haruyasha, für die er etwas empfindet, was ihm bislang fremd war.

Durch die Konflikte und Prüfungen, denen sich Ikkyu selbst aussetzt oder ausgesetzt wird, wird deutlich, dass auch er trotz aller Brillanz ein normaler Mensch ist, der Bedürfnisse hat. Anders als die übrigen Mönche leugnet er seine Wünsche nicht, sondern versucht, sie zu überwinden oder eine Lösung zu finden. Stets entwickelt er sich weiter und wächst durch das, was ihm widerfährt. Je näher er seinen Zielen kommt, umso weiter entfernt er sich gleichzeitig von diesen, denn sein Streben bindet ihn stets aufs Neue – so wie das als Metapher verwendete Spinnennetz, dessen klebrige Fäden das zappelnde Opfer nicht freigeben.

Die auf vier Bände angelegte Serie wendet sich an ein reifes Publikum, das anspruchsvolle Unterhaltung sucht. Gefallen Titel wie „Lone Wolf & Cub“, „Vagabond“ oder „Blade of the Immortal“, dann sollte man auch einen Blick in „Ikkyu“ werfen. Allerdings darf man keine Aktion erwarten, denn geboten wird die sachliche und doch spannende Beschreibung eines hässlichen Stücks japanischer Geschichte, untermauert mit philosophischen Überlegungen.

Man merkt „Ikkyu“ außerdem an, dass Hisashi Sakaguchi ein Schüler Osamu Tezukas war, denn der Manga ist stilistisch in der Tradition von Werken wie „Astro Boy“, „Kimba, der weiße Löwe“, „Adolf“ etc. gehalten. Sehr detailreiche, realistische Hintergründe stehen in Kontrast zu eher einfachen Personendarstellungen, die durch übertriebene Charakteristika wie z. B. ein spitzer Hinterkopf, buschige Brauen, ein feister Leib usw. leicht zu unterscheiden sind.

Interessiert man sich für japanische Geschichte und historische Persönlichkeiten, kann man zudem auf Krawall und Klamauk verzichten, dann tut man mit „Ikkyu“ keinen Fehlgriff.
Nebenbei, für die Übersetzung verantwortlich ist Jürgen Seebeck, der Schöpfer des Mangas „Bloody Circus“. (IS)

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Ikkyu 02: BD 2

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