Katie Cat

Thomas Brezina
Katie Cat

Egmont Ehapa, Köln, 1. Auflage: 1/2008
HC, Ehapa Comic Collection, SF, Fantasy, 978-3-7704-3170-0, 112/1500
Vollfarbige Comic-Adaption von Stefan Dinter nach dem gleichnamigen Kinderbuch „Katie Cat“, Schneider Verlag, München, 2006
Titelillustration und Zeichnungen von Naomi Fearn & Sarah Burrini

www.ehapa-comic-collection.de
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Katie Collins lebt seit dem Tod ihrer Eltern bei ihrer exzentrischen Granny und Onkel Roy, einem Spät-Hippy. An ihrem 15. Geburtstag bekommt sie ein Päckchen ohne Absender, das eine Musik-CD enthält. Auf dieser befindet sich ein Track, in dem seltsamerweise ihr Name gerufen wird. Außerdem gibt es eine Video-Botschaft, die nur einmal abgespielt werden kann. Ausgerechnet diese Nachricht kann Katie nicht zu Ende hören, da es zwischen ihrem Freund Ming und seiner Schwester zu einem handfesten Streit kommt, nachdem sie ihn dabei ertappte, wie er eines ihrer Kleider trug.

Katie ist glücklich und verwirrt zugleich: Ihre Eltern leben! Doch was hatten sie ihr Wichtiges mitteilen wollen? Es dauert nicht lange, bis Katie es selbst herausfindet. Ihre Eltern arbeiteten als Genforscher und beschränkten sich bei ihren Experimente nicht nur auf Tiere. Plötzlich kann Katie in der Dunkelheit sehen, und auch ihre Bewegungen sind wie die einer Katze. Dann passiert ein Mord, der ihrer Granny angelastet wird, und Fremde interessieren sich für Katies ungewöhnliche Kräfte…

Der Österreicher Thomas Brezina ist ein erfolgreicher zeitgenössischer Kinderbuchautor: „Amy Angel“, „Pia Princess“, „Grusel-Club“ und viele weitere Titel werden von Jungen und Mädchen zwischen 8 und 18 Jahren mit Begeisterung gelesen. Sein Roman „Katie Cat“, der sich vor allem an Leserinnen wendet, wurde von Stefan Dinter zu einem Comic umgearbeitet, den Naomie Fearn, bekannt durch ihren autobiografischen Comic „Zuckerfisch“ (Ehapa), und Sarah Burrini zeichnerisch umgesetzt haben.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Schülerin Katie, deren Leben eine unerwartete Wende nimmt, als sie erfährt, dass die Eltern ihren Tod vortäuschen mussten, um sich und ihre Angehörigen vor Verbrechern zu schützen, die hinter brisanten Forschungsergebnissen her sind. Katie selbst ist ein Produkt fragwürdiger Experimente, und so wird auch sie zur Gejagten. Zum Glück hat sie liebevolle Angehörige und treue Freunde, die trotz der Veränderungen, die sie durchmacht, zu ihr stehen.

Auf die Verwerflichkeit von Experimenten dieser Art – die Vermischung von menschlichen und tierischen Genen -, dazu noch beim eigenen Kind, wird nur am Rande eingegangen. Katies Onkel ist der Einzige, der Kritik übt, doch hält sich die Geschichte nicht lange damit auf oder diskutiert gar das Pro und Contra. Die Story will spannend sein und unterhalten, aber nicht meinungsbildend wirken. Damit käme sie bei der Zielgruppe der 12- bis 16-jährigen vermutlich auch kaum an, denn die Mehrheit der MTV-Generation interessiert sich leider nicht für Nachrichten und Wissenschaften und wird mangels Hintergrundinformationen die Handlung nicht nach ethischen Grundsätzen hinterfragen.

Stattdessen werden die Stichworte ‚Freundschaft’ und ‚Toleranz’ in den Raum gestellt. Katie, Ming, Laura, Onkel Roy, Granny… – alle sind sie auf irgendeine Weise anders. Sie werden von den normalen Nachbarn und Mitschülern ausgegrenzt, nur weil sie nicht den Konventionen folgen. Ming trägt heimlich Frauenkleider, Onkel Roy ist ein Flower-Power-Kind, und Katie mutiert in einer Weise, wie es der Titel vorweg nimmt. Dennoch oder gerade weil sie selber Außenseiter sind, hegen diese Charaktere keine Vorurteile und akzeptieren einander so, wie sie sind.

Das ist auch die Botschaft, die der Autor in die Geschichte packt: Man soll niemanden ablehnen, nur weil er anders ist. Wie schnell kann man selbst zum Außenseiter werden! Und doch ist man immer noch ein Mensch, ist man dieselbe Person, die man war, bevor das peinliche Geheimnis enthüllt wurde oder sonstiges passiert ist. Mehr Toleranz würde das Leben für alle leichter und schöner machen.
Die Illustrationen sind farbenfroh, detailreich und ergänzen vortrefflich die Handlung.

Kennt man das Kinderbuch, wird man sicher neugierig zum Comic greifen, um zu sehen, ob die Umsetzung gelungen ist Wählt man ohne Vorkenntnisse den schön gestalteten Hardcover-Comic als Lektüre, wird man mit großer Wahrscheinlichkeit neugierig auf die Buchvorlage.

Die Story erfüllt die Erwartungen der Zielgruppe: Sympathische Protagonisten erleben ein spannendes Abenteuer, das – Überraschung! – nur bedingt ein Happy End hat. Man sollte durchaus etwas Lese-Erfahrung mitbringen, denn einige Szenen sind etwas hart, und es gibt auch Todesfälle. (IS)

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Katie Cat 1 – Comic: Comicadaption des Romans

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