Killing Iago 2: Bewitched

killing-iagoZofia Garden
Killing Iago 2: Bewitched

(sfbentry)
Carlsen Manga, Hamburg, 02/2010
TB, dt. Manga, Boys Love, Drama
ISBN 978-3-551-75083-9
4 Farbseiten

www.carlsenmanga.de
www.myblog.de/zofia
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Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Nachdem der populäre Sänger Tedd Jigsaw und sein Freund Kou Yagi alle Hürden überwinden konnten, scheint ihrem gemeinsamen Glück nichts mehr im Wege zu stehen – aber falsch gedacht! Kou findet trotz bester Noten keine Anstellung als Anwalt, und die Ursache ist schnell entdeckt: Der Produzent Norio Yagi, Kous älterer Bruder, verspricht, Kou nicht länger Steine in den Weg zu legen, wenn Tedd zu ihm zieht und seine Karriere unter seiner Ägide fortsetzt. Notgedrungen fügt sich Tedd und macht im Gegenzug seinem neuen Arbeitgeber das Leben zur Hölle, doch dieser erweist sich als überraschend duldsam. Nach der nicht abgesprochenen Veröffentlichung eines Video-Clips, der Tedd in einer zweideutigen Situation zeigt, bricht Kou den Kontakt ab. Als Tedd zur Kanzlei seines Lovers fährt, um das Missverständnis zu klären, erlebt er eine böse Überraschung.

Und es kommt noch schlimmer. Als Tedd sich Norio entgegenkommender zeigt, reagieren die anderen Mitbewohner Dan und Josh, die nur zu gern das Bett mit Norio teilen würden, eifersüchtig. Kurz darauf gibt es einen Toten, und Tedd, dem man vorsätzlichen Mord unterstellt, wendet sich in seiner Not ausgerechnet an Kou, der ihm zuletzt äußerst übel mitspielte. Im ersten Band von „Killing Iago“ wurden einige der wichtigsten Protagonisten eingeführt und häppchenweise ihre Motive, Konflikte und Traumata enthüllt. Immer wenn es so aussah, als wäre wieder ein Stück Vergangenheit aufgerollt und bewältigt worden, geschah etwas, das alles Bisherige auf den Kopf stellte, der Handlung eine völlig neue Richtung gab und die Figuren in einem anderen Licht erscheinen ließ.

Genauso geht es in der zweiten Folge, „Bewitched“, weiter. Tedd, aus dessen Sicht die Ereignisse geschildert werden, weiß bald nicht mehr, was und wem er glauben soll. Er wird das Opfer eines ganz gemeinen Racheplans und findet Trost und Verständnis ausgerechnet bei demjenigen, der er für seinen Feind hielt. Eine neue Chance scheint zum Greifen nah, aber Tedd wurde so sehr verletzt, seine Vergangenheit als Stricher holte ihn ein – er will nie mehr lieben und ebenfalls verletzen. Das Tankobon endet mit einem Cliffhanger, der offen lässt, was mit Tedd passiert und wie Kou auf seine Bitte reagiert. Aufmerksamen Lesern werden zweifellos die kleinen Details auffallen, welche die Weichen für das Kommende stellen. Man darf spekulieren, dass es weitere Überraschungen gibt und man sich erneut in die Irre führen lässt, wenn man an die vorgegebenen Gut-Böse-Kategorien glaubt.

Stellenweise wirkt die Handlung schon arg konstruiert. Im Nachwort verrät Zofia Garden, dass alles von Anfang an so geplant war, und wenn dem so sein sollte, dann wird wohl mancher denken, dass hier weniger mehr gewesen wäre. Gerade das verschlungene Intrigengerüst und der maskierte Verräter sind einfach zu dick aufgetragen. Was viele Mangas an Komplexität und Einfallsreichtum missen lassen, ist hier im Übermaß vorhanden, was leider zu Lasten der Glaubwürdigkeit geht. Die Illustrationen sind sehr personenbezogen. Die oft sparsamen Hintergründe werden durch einen abwechslungsreichen Seitenaufbau ausgeglichen. Der Manga ist überraschend reich an Dialogen, was teils daran liegt, dass das Deutsche mehr Worte benötigt als das Japanische oder Englische, teils aber müssen die Sachverhalte langwierig erklärt werden, und auch das ist eine nachteilige Folge der bemüht undurchsichtigen Handlung.

Alles in allem ist „Killing Iago 2“ eine beachtenswerte Fortsetzung von Zofia Gardens ersten umfangreichen Manga. Es gibt einige Schönheitsfehler, mit denen man jedoch leben kann. Der Titel wendet sich an Boys Love-Leserinnen, die den Mix aus Drama und Klamauk mögen. Die Künstlerin orientiert sich hier an den japanischen Vorbildern, die, selbst wenn es eher unangebracht wirkt, ernste Momente durch heitere Einlagen und superdeformierte Abbildungen aufzulockern versucht. Das Showbiz als Background bleibt im Hintergrund, da sich alles um die Charaktere und ihre Intrigen dreht. Es gibt einige erotische Szenen, welche jedoch nicht zu explizit ausfallen. Vielmehr sind es die psychischen und physischen Grausamkeiten, die „Killing Iago“ zu einem 16+ Titel machen.

Copyright © 2010 Irene Salzmann (IS)

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