Manga-Geschichten entwickeln

Hirohisa Tanaka
Manga-Geschichten entwickeln
How to Draw Manga 10

(sfbentry)
How to Draw Manga
Manga School Vol. 1: Creating Manga Shorts
German Edition, Japan, 2010
Carlsen Manga, Hamburg, 12/2012
PB, Sekundärliteratur, Sachbuch, Zeichnen
ISBN 978-3-551-75254-3
Aus dem Japanischen von Nadja Stutterheim
Titelgestaltung von Laura Bartels, Sonnenfisch Productions unter
Verwendung einer Vorlage von Shigeaki Ito
Kolumnentexte und Zeichnungen etc. im Innenteil in Schwarz-Weiß-Rot von
Ryo Hirata, Kosuke Yanagisawa („Battle Swimmers“), Haruko Ishii, Hideko Miyamoto
Fotos im Innenteil von Yasuo Imai

www.carlsenmanga.de
www.iruqa.com
http://k-yngsw.tumblr.com/

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Bislang konzentrierten sich die einzelnen Bände der Reihe „How to Draw Manga” auf die Grundlagen des Skizzierens und des Zeichnens sowie auf spezielle Details und Themengebiete wie die Perspektive, einprägsame Accessoires oder typische Posen für einen Boys Love-Manga. Viele Bilder und vergleichsweise wenige Worte erklären hier dem Leser, worauf es ankommt und wie er Fehler vermeiden bzw. sein Können steigern kann. Nur am Rande wurde hin und wieder angesprochen, wie man die Geschichte für einen Manga anlegt, wie man die Charaktere entwickelt und unterscheidbar macht, wie man den Plot über eine bestimmte Seitenzahl aufteilt, die wichtigsten Geschehnisse zeichnerisch ansprechend umsetzt und langwierige Erklärungen/Dialoge durch Gestik und Mimik überflüssig macht. Dieser wichtige Aspekt wird nun von Hirohisa Tanaka in „Manga-Geschichten entwickeln“ ausführlich beleuchtet.

Der Autor geht davon aus, dass jeder angehende Manga-Zeichner seine Grenzen kennt und nicht sofort eine 100-bändige Serie starten will. Die ersten Übungen bestehen aus dem Erstellen eines zweiseitigen Mangas; danach wird gesteigert zu längeren Kurz-Mangas von 8, 16 und 32 Seiten (Verlagsvorgabe). Für die jeweiligen Arbeitsabschnitte – der Storyentwurf, die Rohskizze/Storyboard, die Skizze, die ausgeführte Zeichnung, das Tuschen und Versehen mit Rasterfolie, die Texte usw. – gibt er einen realistischen Zeitplan vor, anhand dem sich schon zeigt, ob der Künstler das notwendige Durchhaltevermögen hat oder schon bei den ersten Problemen, wenn er ernsthaft ans Werk gehen soll, die Lust verliert.

Bevor man überhaupt beginnt, einen eigenen Manga zu zeichnen, wird empfohlen, die Werke professioneller Künstler zu analysieren. Von ihnen kann man vieles lernen, denn der Handlungsaufbau und -verlauf, die geschilderten Inhalte, Panelaufteilung, Charakterdesign etc. folgen bestimmten Mustern, ohne die eine Geschichte nicht oder nicht richtig funktioniert. Beispielsweise sind die erste Seite, die Einleitung, der Hauptteil, Konflikt/Krise/Höhepunkt, Ausklang hinsichtlich ihrer Länge und Inhalte geregelt. Des Weiteren erwartet niemand, dass der Mangaka mit einer völlig neuen Idee aufwartet; vielmehr soll er ein bekanntes Motiv überzeugend und unterhaltsam umsetzen, sodass der Leser die Story nachvollziehen kann.

Wie man vorgehen kann, wird von Hirohisa Tanaka sachlich, gründlich, aber nicht unnötig ausschweifend erklärt. Er bietet Methoden an, die an ein Baukastensystem oder an ein Kochrezept erinnern (nichts anderes tun die amerikanischen Schreibschulen, deren Absolventen man anhand des Handlungsaufbaus und der Personenkonstellationen immer erkennt und durch deren ‚Einheitsschreibe‘ doch sehr viel Individualität und Vielfalt auf dem Buchsektor verloren ging – und tatsächlich lesen sich viele romantische Shojo- und klamaukige Shonen-Mangas wie ihre eigenen Klone …). Für Anfänger dürfte das ideal sein, und auch Künstler mit mehr Erfahrung werden dem noch die eine oder andere Anregung entnehmen können, doch wer sich mit Kadavergehorsam an Stereotypen hält, wird letztlich … nun, immer nur Klone schaffen. In Konsequenz stellt diese Vorgehensweise zwar ein wichtiges Hilfsmittel dar, aber die Kreativität sollte dadurch nicht eingedämmt werden.

Auf jeden Fall lesen sich diese Ausführungen, wie man eine interessante Handlung mit Höhepunkt, sympathische und dazu passende Charaktere, wichtige Details u. a. m. kreiert, sehr informativ und interessant. Man fühlt sich nur deshalb nicht von den Erläuterungen erschlagen, weil das Layout großzügig und sinnvoll angelegt ist, hervorgehobene Textfelder, teils in roter Farbe oder rot unterlegt, und Abbildungen für Auflockerung sorgen. Besonders gelungen ist, dass durch zahlreiche Beispiele und Vergleiche (Story-/Charakterentwürfe, Skizzen/Zeichnungen) vermittelt wird, was gut bzw. weniger gut ist.

Dafür herangezogen wird in erster Linie der Kurz-Manga „Battle Swimmers“ von Kosuke Yanagisawa. Doch auch auf die Ideen anderer Studenten der Iruqa Manga Brush-up Academy flossen in dieses Buch ein und veranschaulichen, wie man, selbst wenn man zunächst gar keine Idee hat, ein Story-Konzept erstellen kann gemeinsam mit Kollegen/Freunden durch das Sammeln von Themen, deren Eingrenzung durch die sechs W-Fragen, wie man die richtigen Charaktere findet und ihr Abenteuer nachvollziehbar macht, z. B. durch ein ‚Tagebuch‘ des Protagonisten, das sein Umfeld und sein Denken beschreibt, und die Festlegung eines Aussehens sowie seiner Eigenschaften (ist geistig jünger/älter als er erscheint, ist selbstbewusst/ängstlich usw.), und die Ausarbeitung eines interessanten Konflikts, den die Figur bewältigen muss, an der sie reift. Das Resultat sollte den Leser fesseln und ihn Anteil am Schicksal des Charakters nehmen lassen.

Am Ende des Bandes befinden sich, abgestimmt auf die genannten Vorgehensweisen, Vorlagen, die man kopieren sollte. Indem man sie ausfüllt, nutzt man ein weiteres Hilfsmittel auf dem Weg, eine spannende Geschichte zu entwickeln. Der einzige Nachteil des Buchs ist, dass die Seitenzahlen fehlen, wodurch das Nachschlagen der Querverweise erschwert wird. Schade, dass gerade dieser Punkt verschlafen wurde.

Nachdem die bisherigen „How to Draw“-Titel das Anfertigen der Bilder in den Mittelpunkt stellten, dreht sich in dieser Ausgabe alles um den Plot und sein Zusammenspiel mit den Illustrationen. Gerade Zeichner, die sich damit schwertun, eine schlüssige, interessante Story zu entwerfen (nicht ohne Grund hat mancher Manga/Comic einen Autor und einen Zeichner), erhalten viele nützliche Ratschläge, die ihnen helfen, auch in diesem Bereich voranzukommen. Natürlich lässt es sich nicht ausschließlich auf Mangas anwenden, sondern kann Comic-Zeichnern ebenso dienlich sein. Ein durch und durch sehr informatives und hilfreiches Buch!

Copyright © 2014 by Irene Salzmann (IS)

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