Munchkin – Level 1

Level 1
Munchkin
Band 1
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Text: John Kovalic; e.a.
Zeichnungen: John Kovalic; e.a.
Farben: Katy Farina
Ü: Bernd Kronsbein
Lettering: Astarte Design
Ausstattung: SC mit Faltumschlag, 108 Seiten
ISBN: 978-3-95798-520-0
Verlag: Panini, 2015

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Rollenspielfans und Tradingcards-Gamer werden auf die eine oder andere Weise etwas von „Munchkin“ gehört haben, sei es, dass sie das gleichnamige Kartenspiel kennen, sei es, dass ihnen in ihren Spielen leibhaftige (oder virtuelle) Munchkins begegnet sind, (Mit)Spieler also, deren Spiel-Charakter gar nicht „imba“ genug sein kann, denen AoE, DPS, HP, Exp und KD-Rate wichtiger sind, als das gemeinsame phantastische und phantasievolle Abenteuer, Spieler, die sich – vorderst in online-Games – als erste in Schlachten stürzen, Mobs ad nauseam pullen, nur um in einer Ecke zu sterben, weil sie kein Heiler der Welt hochheilen kann und die dann das Spiel mit einem verächtlichen „Noobs!“ verlassen.

Eben jenem besonderen Spieler-Typus mit psychopathologischen Tendenzen und offenkundigen Kompensationsbedürfnissen hat Steve Jackson sein im Jahr 2001 erschienenes satirisches Kartenspiel gewidmet, das im Laufe der Jahre so viele Erweiterungen  und eigenständige Genre-Rezeptionen nach sich zog, dass dem sammelfreudigen Spieler, Ohren und Geldbeutel schlackern. Dass ein solch überaus erfolgreiches Projekt auch irgendwann das Medium Comic als Merchandise-und-Zaster-Druckmaschine erschließen würde, war nur eine Frage der Zeit. Ein Resultat dieser Diversifizierung liegt nun mit dem ersten Munchkin-Sammelband auf Deutsch vor. Und die Enttäuschung ist so groß wie die Anzahl der mittlerweile erschienenen Spielkarten.

In mehreren kurzen Geschichten versuchen einige Autoren, a) das Wesen eines Munchkins – siehe oben – zu illustrieren, b) die Vielseitigkeit der Hintergründe – angefangen beim klassischen Fantasy-Hack&Slay über Science Fiction und Horror orientierte Settings bis hin zum Piraten-Abenteuer – nahezubringen und darüber hinaus c) das Ganze mit bizarren Begegnungen zu würzen, um so mutmaßlich den satirischen Grundton zu verdeutlichen.

Bedauerlicherweise sind weder Situationskomik noch Wortwitz noch irgendein „Sense of Wonder“ auch nur im Ansatz spürbar; die Dialoge sind platt, die Situationen humorbefreit und das Phantastische auf Albernheiten reduziert. Ein in weiten Teilen überdynamisches, breiig-hektisches Artwork versucht vergeblich, das inhaltliche Nichts zu überspielen, sodass man sich als comicaffiner Rollenspielfan Jolly R. Blackburns gleichermaßen visuell ruhige – ja fast schon statische – wie intelligente „Knights of the Diner Table“-Comics geradezu herbeisehnt, hat man doch hier das Gefühl, dass jemand – anders als die Autoren des vorliegenden Sammelbandes – die ganze Tiefe und jede Facette des merkwürdigen Hobbys „Rollenspiel“ nicht nur aus dem Effeff kennt, sondern auch fähig ist, seine Analyse und Einsichten in Wortwitz und Komik zu kleiden.

Fazit: Inhaltlich weitgehend von intelligentem Humor befreit und visuell überdreht-hektisch mag das ein Comic für die Youtube-Let’s-Play-Generation sein; in die Jahre gekommene Rollenspieler werden sich und ihre Co-Nerds im alten „Knights of the Diner Table“ mit Sicherheit eher  wiederfinden. Verzichtbarer Merchandise-Schrott.

Copyright © 2015 by Frank Drehmel (FD)

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