Sandman: Traumjäger

Neil Gaiman
Sandman: Traumjäger

The Sandman: The Dream Hunters, DC Comics, USA, 1999
Panini Comics, Stuttgart, 8/2008
PB mit Klappbroschur, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat, Fantasy, Mystery, 978-3-86607-635-8, 184/1695
Aus dem Amerikanischen von Gerlinde Althoff
Titelillustration und Zeichnungen von Yoshitaka Amano

www.paninicomics.de
www.neilgaiman.com
www.amanosworld.com/html/

Neben der regulären „Sandman“-Reihe erschienen gerade gegen Ende des letzten Jahrtausends mehrere Sonderbände, die zwar auch im Kosmos von Morpheus und den anderen spielten, aber nicht in die Storyline eingebunden waren. Manchmal, so wie in „Traumjäger“, griff der ideenreiche Autor Neil Gaiman auch Themen und Mythen auf, die aus ganz anderen Kulturkreisen als dem westlichen stammten.

Da er gebeten worden war, die englischsprachigen Dialoge für Hayao Miazakis „Prinzessin Mononoke“ zu verfassen, begann er, sich auch für die Märchen und Legenden Japans zu interessieren und stieß dabei auf die Geschichte „The Fox, the Monk and the Mikado of All Nights Dreaming“, die sich in der Sammlung „Fairy Tales of Old Japan“ von Rev. B. W. Ashton befand.

Sie zeigte so überraschende Parallelen zu seinem „Sandman“-Mythos, dass er beschloss, Themen und Elemente für eine weitere Comic-Geschichte zu verwenden. Allerdings merkte er, dass das zeichnerische Medium den Inhalten der Geschichte nicht gerecht wurde. Eines fügte sich ins andere, und so entstand schließlich eine lange Erzählung, die von Yoshitaka Amano, einem der bekanntesten Künstler Japans, der u. a. auch die Bildvorlagen für viele „Final-Fantasy“-Abenteuer lieferte, stimmungsvoll illustriert wurde.

Ein Dachs und eine Füchsin schließen eine Wette ab. Wem es von ihnen gelingt, den Mönch aus dem Tempel mitten in ihrem Wald zu vertreiben, der darf in Zukunft in dem Gebäude wohnen.

Doch es kommt anders, als gedacht. Als sich die Füchsin mit dem jungen und stillen Mann beschäftigt, lernt sie ihn und die zarte Reinheit seiner Seele näher kennen. Nun ist jede Heimtücke und Hinterlist vergessen, denn sie verliebt sich in ihn.

Kurze Zeit später erfährt sie, dass ein hoher Beamter aus der Hauptstadt dem Mönch feindlich gesinnt ist. Die Gründe sind ihr egal. Sie weiß nur, dass sie ihn beschützen und retten muss.

Deshalb begibt sie sich in das Reich der Träume und sucht dessen Herrscher auf, um seine Hilfe zu erbitten. Doch wie vieles im Leben hat auch dieser Handel einen Preis. Doch ist die Füchsin wirklich dazu bereit, ihn zu zahlen?

Die fernöstliche Mythologie ist voll von Geistern, die in Menschen- und Tiergestalt auftreten können. So ist von den „Kitsune“ bekannt, dass sie die Menschen normalerweise gerne in eine Falle locken und dann durch ihre Hinterlist beschämen; hin und wieder kann es aber auch vorkommen, dass etwas anderes aus dem Kontakt entsteht.

Man merkt jedenfalls, dass sich Neil Gaiman wie so oft richtig eingelesen und ein ausführliches Quellenstudium betrieben hat. Die Atmosphäre und auch der Erzählstil stimmen und schlagen eine Brücke zwischen der japanischen Sagenwelt und westlichen Vorstellungen. Ein Hauch des Exotischen bleibt dennoch durch die feinen, farbigen Tuschezeichnungen von Yoshitaka Amano, die gleichermaßen fremd wie vertraut wirken. Er haucht der japanischen Inkarnation des Traumkönigs eine ganz eigene Lebendigkeit ein.

Heraus kommt ein kleines Meisterwerk der düsteren Phantastik, das so melancholisch wie märchenhaft ist und allein durch seine lebendige, einfühlsame Erzählweise und die dazu passenden Illustrationen verzaubert.

Das macht „Traumjäger“ nicht nur für „Sandman“-Fans zu einem must have; auch diejenigen, die ein Faible für fernöstliche Mythen haben, sollten ruhig mehr als einen Blick riskieren. (CS)

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