The 9/11 Report

Sid Jacobson
The 9/11 Report

USA, 2006
Panini Comics, Stuttgart, 05/2007
PB mit Klappbroschur
Comic, Zeitgeschichte
ISBN 978-3-86607-377-7
Aus dem Amerikanischen von Gerlinde Althoff
Titelillustration, Zeichnungen und Karten von Ernie Colón

www.paninicomics.de/

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Am 11.September 2001 wurde von fanatischen Terroristen ein dunkles Kapitel der Menschheitsgeschichte geschrieben. 2 Jumbo-Jets wurden in die Zwillingstürme des ehemaligen World Trade Centers gesteuert. Eine weitere Maschine krachte ungebremst ins Pentagon; und die 4. Maschine stürzte bei Shanksville ab. Der Anstifter dieser Terrorakte, Osama Bin Laden, wurde von einem amerikanischen Einsatzkommando am 2. Mai 2011 in Pakistan erschossen. Nach den Anschlägen des 11. September begann die Arbeit der 10-köpfigen 9/11-Untersuchungskommission. Rund 3 Jahre später legte die Kommission einen mehr als 500 Seiten umfassenden Report vor. Aus diesem Report  entstand die 148 Seiten umfassende Comic-Adaption. Sie ist grob in 13 Kapitel aufgeteilt.

Im 1. Kapitel zeigt man die 2 dramatischen Stunden der 4 Flugzeugentführungen, die alle in Abstürzen endeten. Die Kapitel 2 bis 6 berichten über die Vorgeschichte und früheren Anschläge der Terrorgruppe Al-Quaida. Die Kapitel 7 bis 8 zeigen die Vorbereitungen der Flugzeugentführungen und erste Hinweise darauf, die zwar von Geheimdiensten entdeckt wurden, aber keinen Alarm auslösten. Kapitel 9 berichtet über die Katastrophenhelfer an den Orten der Flugzeugabstürze, und Kapitel 10 behandelt den Krieg in Afghanistan. Die restlichen 3 Kapitel geben Ratschläge an die amerikanische Regierung. In vielen Details kann und muss die Vorsorge gegen Terror-Akte verbessert werden.

Es ist nicht leicht, die trockenen Fakten für alle Comic-Leser verständlich zu schildern. Und die Menge der Daten lässt sich auch nicht in einer videoartigen Präsentationsweise darstellen, wie das teilweise bei anderen Comics gehandhabt wird. Deshalb kommen sich die Leser vielleicht oft wie auf einem alten Jahrmarkt vor, wo die Moritatensänger dem Publikum Bildtafeln präsentierten und dazu ihre Geschichten erzählten. Die Inhaltsübersicht der 13 Kapitel ist zwar im Ansatz gut gemeint, aber mangels Seitenzahlen letztlich doch nutzlos.

Der Zeichenstil ist sehr uneinheitlich und weist ein großes Qualitätsspektrum auf. Präzise Porträts und einige wenige, fast fotorealistisch erscheinende Bildchen wechseln sich ab mit überwiegend einfacher Strichführung und auch mal schnell dahin geschmierten Skizzen. Der Originalreport wird als nüchterne und objektive Berichterstattung gelobt. Vom Comic kann man das nicht sagen. Da wird durch den verschlagen und verbissen wirkenden Gesichtsausdruck der Nicht-Amerikaner ein eindeutiges Feindbild suggeriert. Wenn Papa und Mama den Comic als Gutenachtgeschichte vorlesen, können sie auf bestimmte Personen zeigen und sie als die Bösen einstufen (wenn das nicht schon vom Sprössling selbst gemacht wird). Der Comic kann auch einer kleinen Gruppe erwachsener Analphabeten vorgelesen werden, die ebenfalls meist auf den ersten Blick die Bösen erkennen werden.

Stellenweise sind bekannte Personen wie Condoleezza Rice, Bill Clinton, George W. Bush oder Osama Bin Laden gleich zu erkennen. An anderen Stellen sind die Gesichter aber so flüchtig gezeichnet, dass man nur anhand der Texte und Zusammenhänge die dargestellten Personen identifizieren kann. Auch Fahrzeuge, Flugzeuge und Schiffe sind oftmals derart vereinfacht dargestellt, dass sie wie aus einem Kindermalbuch kopiert erscheinen (die Logos von Sicherheitsdiensten, Militär und Polizei sind selbstverständlich immer präzise dargestellt). Optisch gelungen ist dagegen die zeitgleiche Darstellung der vier Flugzeugentführungen zwischen 7:58 Uhr und 10:30 Uhr. In vier übereinander angeordneten Comic-Streifen kann man gleichzeitige Ereignisse gut erkennen.

148 Seiten zu zeichnen ist schon eine bemerkenswerte Leistung. Dennoch ist es schade, dass größtenteils die Grafik-Qualität auf der Strecke bleibt. Selbst in der Comic-Kurzversion wird der Leser mit Fakten nahezu erschlagen. Die Datenfülle hätte gut für eine Mini-Serie ausgereicht. Um die Ereignisse in den entscheidenden 2 Stunden zu verstehen, ist es aber nötig gewesen, weit auszuholen im Erzählbogen. Nach der vorgezogenen Schilderung der Flugzeugentführungen und Terroranschläge wird die Geschichte deshalb chronologisch erzählt, von 1988 bis 2004. Sie endet mit Empfehlungen der Kommission; z. B. für bessere Sicherheitsvorkehrungen, bessere Zusammenarbeit und sinnvollere Aufteilung von Zuständigkeiten. Dadurch wird den Lesern auch klar, warum sie auf Flughäfen eben besonders gründlich kontrolliert werden. Stan Lee, der Comic-Autor und Erfinder von Superhelden („Fantastic Four“, „Spider-Man“…) wird auf dem Backcover zitiert mit den Worten: Dieser Comic „…sollte in Schulen und Bibliotheken zur Pflichtlektüre werden.“

Zweifellos ist der „9/11-Report“ ausgezeichnet recherchiert, aber wegen seiner Vorurteile schürenden Ausländer-Darstellungen nicht als Pflichtlektüre zu empfehlen. Auch wenn der Comic-Report laut Absicht der Macher kinderleicht zu verstehen sein soll und auch überwiegend Darstellungen für kindliche Gemüter enthält, so ist er doch kein Kinderbuch. Es gibt zwar Helden im Inferno der Terroranschläge, aber keine allgegenwärtigen Superhelden, die mit allen Gefahren fertig werden. Es gibt auch keinen filmähnlichen Erzählablauf, sondern überwiegend nur die Collage der kommentierten Momentaufnahmen.

Obwohl in der heutigen Gesellschaft brutale Gewaltdarstellung zu Unterhaltungszwecken von perversen Medienmachern für ein perverses Publikum schon als ‚Normal‘-Zustand angesehen wird, ist der „9/11-Report“ keine Unterhaltungslektüre, in der das Gute über das Böse siegt. Es ist ein illustriertes Sachbuch, das die daran interessierten Leser über die Terroranschläge – und über deren Vorgeschichte – informiert. Zu empfehlen für Leser, die anstelle von ausgezeichneten Grafiken eher an der Fülle der Fakten interessiert sind.

Copyright © 2014 by Bernhard Kletzenbauer (BK)

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