RunePunk – Steam & Shadow

runepunkSean Preston
RunePunk
Steam & Shadow
(sfbentry)

Reality Blurs (2004); PDF-Ausgabe
Written by Sean Preston
Edited by Jodi Black with Sean Preston
Layout by Preston DuBose with Sean Preston
Cover Art and Map by Adam Shaw
Character Sheet by Aaron Acevedo
Interior Art by Adam Shaw, Stephen Sheperd, and Kevin Harthun
Savage Worlds Consultation by Clint Black
Adventure Generators by Barry Green and Sean Preston

Bei „RunePunk“, aus dem Hause Reality Blur, handelt es sich um ein Savage-Worlds-Setting aus der Feder von Sean Preston. Es wurde 2004 geschrieben und war für die damalige Edition des Grundregelwerks ausgelegt. Für erfahrene Savages ist es aber kein Problem, die nötigen Anpassungen vorzunehmen.

Das Setting spielt in einer gigantischen Stadt, die aus riesigen Bezirken besteht: Scatterpoint. Diese Bezirke sind in zwei Gruppen getrennt: Die Districts und die Barrens. Die Districts sind gewaltige Stadtbezirke und in ihrer Funktion und Größe beinahe als autarke Städte zu werten. Bei den Barrens handelt es sich um wilde Gebiete, in denen die Energien der Runenstürme die Stadt schliffen und nur noch die wildesten, härtesten und gefährlichsten Kreaturen leben. Die Runenstürme sind auch der Grund, warum Scatterpoint im Universum ein isoliertes Gebiet darstellt.

Einst war die Stadt das Juwel eines sternenweiten Imperiums, doch Selbstüberschätzung, Kriege und Zerstörung hielten Einzug. Am Ende umtosten Runenstürme die Stadt, striffen Dämonen durch die Straßen und kämpfte Scatterpoint ums Überleben. Die Stadt scheint den Kampf gewonnen zu haben, jedenfalls haben sich die Zustände stabilisiert und es ist wieder ein halbwegs zivilisiertes Leben möglich.

Dabei ist dieses Leben von Runenmagie und Dampfkraft geprägt. Allerdings vermischt Sean Preston gelungen sämtliche bekannten Klischees und zaubert daraus etwas Neues hervor. So bricht er mit herkömmlichen Regeln der Fantasy, lässt Elfen, Orks und Zwerge einfach unter den Tisch fallen. Stattdessen präsentiert er Abkömmlinge von Dämonen, Rattenmenschen, Cyborgs und transzendente Menschen. Auch die Technik hebt sich vom üblichen Steampunk ab, denn sie basiert vor allem auf der Runenmagie als Energiequelle. Dadurch sind spektakuläre Maschinen und fantastische Magie möglich. Der Autor liefert keine neuen Ideen, aber eine sehr gelungene Adaption bekannter Themen. Respekt!

Die Spieler werden in einen Schmelztiegel aus Magie, Technik und Hoffnungslosigkeit gestoßen. Scatterpoint ist eine düstere Welt, die Runenstürme fordern täglich ihre Opfer und das karge Leben innerhalb der Stadt bietet nur wenig Abwechslung. Das macht den Punk-Anteil aus, der an alte Shadowrun-Tage erinnert. Nur wilder, savage eben. Die Abenteuer spielen sich in den Districts (die mittels Hochgeschwindigkeitszügen verbunden sind) oder in der Wildnis der Barrens ab. Dabei sorgt die bunte Mischung aus merkwürdigen Rassen und fremden Kulturen für eine Überdosis an Möglichkeiten. Das Thema einer gigantischen Stadt als Spielplatz einer Rollenspielgruppe ist zwar alt, aber die Aufmachung wirkt frisch – obwohl das Setting mehr als ein halbes Jahrzehnt auf dem Buckel hat.

In einschlägigen Internet-Shops kann das Kampagnenbuch als PDF erworben werden. Bei guten Shops beinhaltet der Download die vierfarbige und die druckerfreundliche Variante des Buchs, das mit insgesamt 195 Seiten daherkommt. Dabei ist die grafische Aufmachung niederschmetternd. Die Illustrationen bewegen sich im unteren Bereich der Geschmacks-Skala, sind mehr nützlich als schön. Sie vermitteln wenigstens einen Eindruck der Spielwelt. Glücklicherweise rangieren Text und Regeln im oberen Bereich der Messung.

Das Buch setzt sich aus insgesamt acht Kapiteln zusammen. Neben der üblichen Einleitung wird es vor allem in „Worldview“ spannend, da hier die ersten Informationen über die Entstehung Scatterpoints und die Historie der Stadt geliefert werden. Das ist die Basis, auf der weitere Informationen aufbauen. Es ist sinnvoll zu verstehen, warum und wie Scatterpoint funktioniert.

„The Inhabitants of Scatterpoint“ hat die Rassenbeschreibungen und die Charaktererschaffung zum Thema. Zuerst gibt es einen Abriss über mögliche Archetypen in der Stadt, dann kommen die Rassen.

Neben den normalen Menschen, gibt es die mystischen Andari. Es leben in der Stadt nur wenige von ihnen und sie entstanden beim Bau der ersten Runentürme, die Scatterpoint vor den Stürmen schützen. Es sind unsterbliche Wesen, die gerne mal als Geister bezeichnet werden und eine tiefe Verbundenheit zur Runenmagie besitzen.

Die Ferren unterscheiden sich gänzlich von den Andari. Bei ihnen handelt es sich um rattenähnliche Kreaturen, die sehr geschickt und klug sind. Sie lieben mechanische Dinge und sind ein wichtiger Bestandteil der Stadt. Das gilt auch für die Menschen. Sie stellen die größte Anzahl an Bewohnern, obwohl sie körperlich und geistig allen anderen Rassen unterlegen sind. Sie verdanken ihre Existenz alleine ihrer Anpassungsfähigkeit und ihrem Talent, sich stets verbessern und fremdes Wissen aneignen zu können. Die Menschen stellen sicherlich einen traditionellen Weg dar, um wenigstens eine bekannte Rasse ins Spiel einzubauen.

Immerhin sind die exotischen Malakar als dämonische Kreaturen sehr fremdartig. Sie bilden den düsteren Bevölkerungsanteil, leben zwar nur kurz, aber dafür zeigen sie erst zum Ende hin Alterungserscheinungen. Auch sie stammen von den Menschen ab, sind aber – im Gegensatz zu den anderen Rassen – immun gegen die Runenstürme.

Die Overwrought schließen die Rassenübersicht ab. Es handelt sich bei ihnen ebenfalls um Menschen, doch wurden sie magisch und technisch verbessert. In ihrer Kindheit zur Arbeit verpflichtet, werden sie nach Jahren aus ihrem Frondienst entlassen und können ihre eigenen Wege gehen. Sie stellen die Arbeiterklasse in Scatterpoint und sind soziale Außenseiter. Doch ohne die Overwroughts wäre die Stadt verloren.

Diese Rassen bilden eine spannende soziale Mischung, die für Konflikte innerhalb der Stadt sorgt. Bei den Beschreibungen folgt der Autor stets dem gleichen Schema: Erst gibt es eine Hintergrundbeschreibung, dann folgen Namensvorschläge, die Sonderregeln und eine Auswahl an Talenten, die nur von Mitgliedern dieser Rasse gewählt werden können. Die Beschreibungen enden stets mit Tipps zur Charaktererschaffung. Die Tipps werden von Cipher gegeben – ein Overwrought-Kopf – der neben den Tipps auch die Wildcards kennzeichnet.

Nun kommt das Kapitel „The High Laws“. Hier wird auf die Details der Spielwelt und ihrer Regeln eingegangen. So wählt der Charakter ob er Bürger (Citizien), Ausländer (Outlander (altenglisch)) oder Wanderer (Wanderer) ist. Diese Auswahl bringt nochmals einige Vorteile bei Allgemeinwissen, aber auch spielerische Nachteile mit sich.

Es folgen neue Fertigkeiten, Talente und Handicaps, die allesamt auf das Setting zugeschnitten sind. Sie zeichnen mit den vorangegangenen Regelinformationen ein abwechslungsreiches Bild und betonen die Andersartigkeit von RunePunk-Charakteren. Eine stimmige Sache.

Das gilt auch für die neuen Mächte, die speziell auf die arkanen Hintergründe des Settings eingehen. So gibt es Mächte für den Inventor, Runecaster und Shadowpriest. Desweiteren gibt es auch Mächte für den Chemiker und den Dämonologen. Hier ist ganz deutlich zu sehen, dass sich „RunePunk“ stark von üblichen Fantasy-Settings abhebt.

Das spiegelt sich auch in den umfassenden Settingregeln wieder, die unter anderem auf die Möglichkeiten der Runenmagie eingehen, aber auch andere Besonderheiten der Spielwelt beachten. Bereits die Versorgung mit ausreichend Lebensmitteln ist ein Problem. Vor allem, falls jemand tatsächlich etwas Schmackhaftes wünscht. Neben den üblichen Rüstungen und Waffen bietet das Setting auch entsprechende Artikel, die mittels Runenmagie aufgepeppt wurden. Es gibt auch Ausrüstung, die bestimmten Rassen zugeordnet wird.

Die Regeln für Runenmagie sind sehr simpel gehalten. Besonders gelungen ist jedoch der Text über die Overwroughts und Rune Wells. Overwroughts müssen sich nämlich täglich an diesen Brunnen aufladen, was in den Barrens zu Komplikationen führen kann. Diese Akku-Regel ist eine witzige Idee von Sean Preston.

Für alle Charaktere die in der Stadt herumsuchen möchten, gibt es ebenfalls passende Regeln. Immerhin laden sturmumtoste Ruinen, verlassene Fabriken und begrabene Maschinen dazu ein, nach brauchbaren Gegenständen zu suchen. Das erinnert ein wenig an „Sundered Skies“ und die dortigen Plündertabellen.

Den Abschluss des Kapitels bildet „A RunePunk Primer“. Hier gibt es für die Spieler alles Wichtige, dass sie wissen sollten.Es handelt sich um einen Stadtführer, der Informationen über die dreizehn Districts und neun Barrens liefert. Dazu Berichte über das tägliche Leben auf den Straßen. Es folgt eine Übersicht mit den wichtigsten Slangbegriffen, dann geht es ins Kapitel „The Game Master’s Guidebook“.

Im Bereich für den Spielleiter gibt es erst einmal eine Übersicht über alle wichtigen Dinge, die er im Hinterkopf behalten sollte. Außerdem liefert der Autor ein paar Tabellen, um schnelle Begegnungen zu entwerfen. Es wird auf Runenstürme, Hexengras und Schmiergelder eingegangen. Alles Dinge, die in Scatterpoint von Bedeutung sind.

Wie viele andere Settings auch, bietet „RunePunk“ ebenfalls einen Abenteuergenerator. Unter anderem um Kopfgeldjägerszenarien zu entwerfen oder Abenteuer an wichtigen Geschäftsknotenpunkten zu erleben. Der Generator ist überschaubar, bietet aber Abwechslung und Abenteuer für viele Spielsitzungen, ohne ständige Wiederholungen. Zusätzlich wartet das Buch mit einigen kleinen Begegnungstabellen und -regeln auf.

Besonders spannend wird es nun im Kapitel „Secrets of Scatterpoint“. Hier wird auf besondere Districts und Barrens eingegangen. Neben einer Angabe der Einwohnerzahl und einer knappen Beschreibung, werden auch die dazugehörigen Savage Tales und Plotpoints aufgelistet. So hat der Spielleiter einen schnellen Überblick. Wichtige Örtlichkeiten finden hier ebenfalls einen Platz. Das gleiche gilt auch für die Informationen über die Barrens. Bereits beim Lesen kommt große Lust auf, sofort mit dem Spiel loszulegen.

Die Möglichkeit dazu bietet die im Buch enthaltene Plotpoint-Kampagne „The Saga of Scatterpoint“, die aus elf Szenarien besteht, die mit den Savage Tales gefüllt werden können und auch sollten. Die Kampagne hat ihren Ursprung in der Vergangenheit der Stadt und deckt einige Geheimnisse auf, die Scatterpoint umgeben. Wie üblich ist es eine epische Sache und die Rettung der Spielwelt hängt von den Charakteren ab. Dabei ist die Kampagne ziemlich linear aufgebaut und es gibt kein echtes Happy End. Scatterpoint existiert weiter – nicht mehr, aber auch nicht weniger! Mit ein wenig Arbeit von Seiten des Spielleiters – und Savage World lädt ja förmlich dazu ein – wird „The Saga of Scatterpoint“ viele unterhaltsame Spielabende bieten.

Die Savage Tales schlagen in die gleiche Kerbe. Es gibt insgesamt dreiundzwanzig Szenarien, die gespielt werden können und sich hervorragend eignen, um die Plotpoint-Kampagne zu unterfüttern. Dazu noch zwanzig Adventure Hooks. In Verbindung mit dem Abenteuergenerator bieten sich also ein bis zwei Jahre Rollenspielunterhaltung vom Feinsten – eine Vorliebe für das Setting vorausgesetzt. Obwohl „RunePunk“ in einer quasi-viktorianischen Stadtwelt spielt, sind aber auch Ausflüge in andere Genres möglich. Ein echter Savage bekommt das mit diesem Setting locker hin, da es genug Nischen gibt, in denen auch abgefahrene oder traditionelle Abenteuer spielen können. Mit dem RunePunk-Trapping versehen eine feine Sache.

Das Buch endet mit „Beats and Beyond“, einem Kapitel zu Monstern, Kreaturen, Bürgern, Gefahren und anderen Dingen, die in Spielwerten verpackt eine Herausforderung darstellen, inklusive einigen Dämonenfürsten. Auch hier kommt alles in dem gelungenen RunePunk-Flair daher. Ein einfacher Charakterbogen rundet die Sache ab.

Das PDF bietet ein klassisches zweispaltiges Layout. Es gibt ein Inhaltsverzeichnis, Texte können herauskopiert werden und es ist eine Volltextsuche möglich.

„RunePunk“ ist ein gelungenes Setting für „Savage Worlds“. Vor allem der kreative Umbau bekannter Elemente macht großen Spaß. Die Texte sind leicht und flüssig zu lesen, die Abenteuer weitgehend gelungen und das „RunePunk“ auf eine alte Regeledition aufbaut, ist leicht zu verschmerzen. Das gilt auch für die sehr simplen Illustrationen. Insgesamt ist „RunePunk“ gelungen, unterhaltsam und macht einfach Spaß!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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