Future Sex in Queertopia – Sex-Fantasien in der Hightech-Welt III

Georg Seeßlen
Future Sex in Queertopia
Sex-Fantasien in der Hightech-Welt III

(sfbentry)
Bertz + Fischer, Berlin, 2011
ISBN 978-3-86505-713-6
Sachbuch, Erotik & Sexualität, modernes Leben, Technik, Gesellschaft
Taschenbuch
Umfang 209 Seiten; Format DIN A6

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„Queer“ hat in den letzten Jahren (vor allem in den USA, zunehmend aber auch bei uns in Europa) leider eine unschöne Wandlung in seiner Bedeutung erfahren. Heutzutage wird es meist sehr abwertend für homosexuelle Männer verwendet. Es erweckt die Assoziation, dass diese mit ihrer sexuellen Prägung, der straight world – also der richtigen Welt mit heterosexuellen Männern und Frauen – eine Täuschung präsentieren.
Natürlich trifft dies nicht auf den Autor Seeßlen zu, der den ursprünglichen Sinn des als Adjektiv benutzten Wortes – Dinge, Handlungen oder Personen, die von der Norm abweichen – meint. Daher ist sein Titel zum dritten Teil der Sex-Fantasien in der Hightech-Welt nur ein vorweggenommener Hinweis, dass wir bzw. unsere Nachfahren Sex anders als heute erleben werden.

Womit wir schon mittendrin wären. Alles, was es an denkbaren und bisher vielleicht noch undenkbaren Varianten des Normalen schon gibt oder geben wird, arbeitet Seeßlen auf. Sind Menschen, die ihren Körper operativ verbessern (was auch immer sie damit sagen oder erreichen wollen) schon nicht mehr normal und ist ihr Sex schon queer? Denken wir an überdimensionierte Brustimplantate der Sexindustrie (ob im Film oder Bordell ist hier egal), die den Besitzerinnen massive körperliche Beschwerden (von eingeschnittenen Schultern durch die Träger der Riesen-BHs, Rückenschmerzen, Schlafproblemen, bis hin zu geplatzten Silikonbeuteln) verursachen können.

Oder die schon in den beiden Vorbänden erwähnten mechanischen Ergänzungen wie übergestülpten Dildos, künstlichen Vaginas bis hin zu vollständigen Fickrobotern und –maschinen. Die sexuelle Interaktion mit ihnen ist heute sicher nicht normal, eher was für sozial gestörte und zu liebes- und gefühlsbetonten Beziehungen unfähigen Perverslingen. Aber bleibt das so? Wird Sex mit Gegenständen, verbesserten Menschen und schlussendlich mit Sex-Robotern und Sex-Androiden irgendwann einmal die Norm sein? Und der Sex zwischen Mensch und Mensch dann die altertümliche Ausnahme sein?

In unzähligen Filmen (themengerecht vorwiegend SciFi-Filmen) wird dies schon lange angedeutet oder überdeutlich ausgeschlachtet; mit mehr oder weniger durchdachten Handlungen; leider oft genug nur mit blöden Plots, sinnfreien Dialogen (wenn überhaupt) oder gleich mit einer Rammelszene nach der anderen zwischen Menschen, Aliens, Robotern oder sonst was.

Dieses sonst was habe ich an einer Stelle gefunden, die zu gut ist, um sie hier unerwähnt zu lassen. Zitat:
Nach allgemeiner Übereinstimmung ist ein Zombie ein Mensch ohne Bewusstsein. Die Frage, ob Zombies Sex haben können, bedeutet also nichts anderes als die Frage, ob es Sex ohne Bewusstsein gibt – was in einer Gesellschaft, in der es als hedonistischer Erfolg gilt, sich gegenseitig „das Gehirn aus dem Kopf zu vögeln“, eine etwas arbiträre Frage zu sein scheint. Wenn „Dumm fickt gut“ stimmen würde, dann müssten Zombies die vollständige Offenbarung sein (wenn sie doch nur das unangenehme Beißen lassen könnten). Zitat Ende.

Nicht nur mit diesem Klammerhinweis beweist Seeßlen, dass die Beschäftigung mit Future-Sex, queeren und scheinbar queeren Praktiken und Zukunftsaussichten mitunter auch humorvoll sein kann. Abschließend kann ich sagen, dass alle drei Teile sich zu lesen gelohnt haben. Ich sehe jetzt SciFi-Filme, -bücher und sämtliche realen Entwicklungen der Elektronik- und Robotik mit geschärften Augen. Und was muss/darf ich in einer aktuellen Lokalzeitung lesen? Es gibt ab diesem Semester einen brandneuen Studiengang an der Hochschule hier in Coburg: „Automatisierung und Robotik“. Die Zukunft ist näher als wir glauben …

Copyright © 2013 by Werner Karl

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