Mondspur

J. R. Ward
Mondspur

Black Dagger 5
Lover Awakened, USA, 2006
Heyne Verlag, München, 3/2008
TB, Romantic Mystery, Horror, Erotik, 978-3-453-56511-1, 320/795 (sfbentry)
Aus dem Amerikanischen von Astrid Finke
Titelgestaltung von Animagic, Bielefeld, Titelfoto von Dirk Schulz

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Wie in jedem „Back Dagger“-Band beginnt auch dieser mit dem Glossar der Begriffe und Eigennamen. Und schon taucht man erneut in die Welt der „Black Dagger“ und ihrer Feinde ein – mit einem weiteren interessanten Paar:

Bella, die schöne Vampirin und Freundin von Mary, wurde vor sechs Wochen von Lessern entführt. Zhadist, der eine ungewohnte Faszination für Bella verspürt, die offenes Interesse an ihm bekundet hat und ihn dadurch in große Verwirrung stürzte, Phury, sein Zwilling, und Vishous verfolgen drei Lesser bis an den Rand von Caldwell. Zhadist tötet sie – ohne in Erfahrung zu bringen, ob Bella noch lebt und wo sie sich befindet. Zhadist und Vishous fühlen sich beide auf ihre Weise zu Bella hingezogen, doch sie zeigte nur Interesse für den (vermeintlich) kalten, brutalen und von Frauenhass zerfressenen Zhadist.

Bei den Lessern geht es auch turbulent zu. Mr. O, stellvertretender Befehlshaber nach dem Haupt-Lesser Mr. X, hat diesem gegenüber verschwiegen, dass er Bella gefangen hält, die er als seine ‚Frau’ ansieht und nur für sich haben will. X kommt ihm jedoch auf die Schliche und warnt O, nicht zu verweichlichen, doch dieser ist schon in kranker Leidenschaft für die schöne Vampirin entbrannt. Bella hingegen nutzt – trotzdem er sie gefangen hält – die Macht über O und spielt mit seinen Gefühlen, weil sie ihn hasst und er sie anekelt.

Während ihrer Gefangenschaft wird sie von Erinnerungen an ihr altes Leben und ihre Familie (Mutter, Bruder) heimgesucht. Bellas Bruder Rehvenge, ein hochgradig aggressiver Vampir, fühlte sich immer für seine Schwester verantwortlich. Doch Bella denkt auch an Zhadist.

Ein weiterer Charakter, von dem man schnell vermutet, was ‚in’ ihm steckt, nimmt ebenfalls immer mehr Gestalt an – John Matthew, der bei Tohrment und seiner Frau Wellsie lebt. John wird von seltsamen Träumen gequält, wird das erste Mal von Tohrment auf das Anwesen der Black Dagger gebracht und begegnet dort erstmalig Wrath, dem König, und seiner Frau Beth, aber auch Wellsies Cousine Sarelle, zu der er sich hingezogen fühlt.

Dr. Havers stellt bei einer Blutuntersuchung fest, dass John ein reinrassiger Krieger ist – und dass er in Darius von Marklons Abstammungslinie steht. So nah, dass John eigentlich Darius’ Sohn sein müsste (die Leser der bisherigen Bände ahnen aber längst anderes). Tohrment klärt John auf, wer Darius war und dass Beth dessen Tochter und somit Johns Schwester sei.

Zhadist zieht es immer wieder in die Nähe von Bellas Haus, das er von allen Spuren des Überfalls der Lesser reinigt. Je häufiger er dorthin geht, desto heimischer fühlt er sich. So sehr, dass er sogar mit dem Gedanken spielt, es zu kaufen – sollte Bella nicht zurückkehren; wohl um eine Art Verbindung zu ihr zu behalten.

Die Leser erfahren in diesem Band – durch Zhadists Erinnerungen – wieder mehr über ihn, aus der Zeit (1802), in der er als Blut- und Sexsklave seiner Herrin gequält und missbraucht wurde. Seither erträgt er es nicht mehr berührt zu werden. Zhadist stellt immer mehr den interessantesten Charakter der bisherigen Serienbände dar.

Auch Butch, der Ex-Cop, der jetzt als einziger Mensch in der Bruderschaft der Black Dagger lebt, hat dankenswerterweise wieder einen Auftritt. Er vermisst nach wie vor die schöne Vampirin Marissa, die er liebt, die aber nichts von ihm wissen will. Den Grund verschweigt die Autorin den Lesern aber bisher – leider.

Hoffentlich nur um die Spannung zu halten bzw. zu forcieren – denn es wäre schade, wenn dieser Strang ungeklärt im Sande verlaufen würde.

Mr. O beschafft für Bella einen Vampir, der ihr als Nahrungsquelle dienen soll. Doch dieser kann entfliehen, und Butch, Phury und Vishous erfahren von ihm, dass Bella noch lebt. Daraufhin ist Zhadist natürlich nicht mehr zu halten, und er und seine dunklen Brüder machen sich auf in das Lesserzentrum, um Bella zu befreien. Danach legen sie das Zentrum in Schutt und Asche. Zhadist kümmert sich rührend um die verletzte und entkräftete Vampirin, und zwischen ihm und seinem Zwillingsbruder entwickelt sich eine immer stärkere Rivalität um Bellas Gunst.

Und während Zhadist an Bellas Bett wacht, wird er erneut von Erinnerungen an seine Sklavenzeit heimgesucht – und er erhält für den Leser immer mehr ‚Tiefe’.

Als es Bella wieder besser geht, sucht sie nach wie vor Zhadists Nähe, findet seinen asketischen, aber vernarbten Körper wunderschön, sie nährt sich von ihm, denn für sie ist Zhadist der Einzige, doch er stößt sie immer wieder schroff von sich, weil er sich aufgrund seiner Vergangenheit für unrein hält, dabei verzehrt er sich nach ihr.

Der Leser erfährt in dem Zusammenhang auch Rückblicke auf die Zeit, in der Phury seinen Zwillingsbruder Zhadist suchte, dessen Herrin Catronia er den Hof machte und wie er Zhadist schließlich befreite und dabei sein eigenes Bein opferte.

Als Zhadist, Butch und Phury Bella auf ihren Wunsch hin nachts zu ihrem Haus bringen, sieht sie Zhadist im Kampf mit einem Lesser und wie brutal er dabei vorgeht – und steht unter Schock (was für eine Vampirin recht menschlich wirkt).

Mr. O verfolgt derweil bei den Lessern eigene Pläne, um an die Macht zu kommen und Mr. X seiner Position zu berauben. Als ihm das gelungen ist, kennt er nur noch ein Ziel: Er will Bella zurück in seine Gewalt bekommen und Zhadist, der sie befreit hat, töten.

Bellas Bruder jedoch wartet ungeduldig auf Bellas Rückkehr in ihrem Haus. Er ist nicht gut auf die Black Dagger zu sprechen, die er Frauen gegenüber für rücksichtslos hält. Rehvenge will Bella fortan durch eine ‚Bannung’ schützen…

Wird Zhadist sie jemals wieder sehen… oder sie durch die Bannung auf ewig verlieren?

Nun könnte man meinen, bei „Black Dagger“ liefe alles nach Schema F ab und es ginge nur um die einzelnen Liebesgeschichten. Flüchtig betrachtet ist das vielleicht so, aber im Gesamten ist die Serie erheblich mehr.

Denn da ist ja neben dem Black Dagger-Strang noch die Handlungsebene der Lesser, die ebenfalls immer mehr an ‚Gestalt’ annimmt. Aber auch innerhalb der Bruderschaft der Black Dagger brilliert jeder Charakter durch eine eigene, starke und teils sehr eigenwillige Persönlichkeit – und das Vampir-Universum, das die Autorin schafft, wird immer komplexer und dichter und das auf eine leicht erzählte Weise. Somit ist „Black Dagger“ flotte vampirische Unterhaltung, in der auch die Action und Erotik nicht zu kurz kommt, aber dennoch auf einem guten Niveau und in einer guten Ausgewogenheit.

Die Aufmachung ist wie immer ansprechend, die Covermotive verströmen alle die gleiche Atmosphäre, und somit sollte diese Serie bei keinem Vampirliteraturliebhaber fehlen.

Die Autorin schafft ein immer dichteres Vampirserien-Netz rund um die Black Dagger-Bruderschaft und ihre Pro- und Antagonisten. Wer sich flott und spannend – mit einer Prise Erotik – unterhalten lassen will, ist hier an der richtigen Adresse. (AB)

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Mondspur. Black Dagger 05

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