Dazwischen

Alexander Graeff
Dazwischen
Eine kurios-philosophische Suche nach dem Gottmenschen

Phänomen-Verlag, Hamburg, 02/2009
PB, Sachbuch, Philosophie, Theologie, Meditation, Esoterik, Surrealismus
ISBN 978-3-933321-74-9
Titelgestaltung von N. N.

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Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Eine surrealistische Sammlung an Gedanken zu Gott, Religion, Spiritualität, Mythen und diversen Philosophien bietet der Autor seinem Leser. Unter dem ‚Denkmantel„ der Meditation, dem Zurückziehen auf subjektive Erfahrungen entzieht er sich jeglicher Kritik, da alles auch das Gegenteil bedeuten kann, es letztlich immer eine Erfahrung des jeweiligen Subjekts ist. Der vom Autor erwähnte „Versuch der Systematisierung meiner Gedanken und Erinnerungen“ ist nur schwer zugänglich. Sollte ein System gefunden worden sein, so ist es eines, ganz im Sinne Nietzsches Zarathustra, „für alle und keinen“.

Fragen werden gestellt, Ideen angerissen, aber alles wirkt seltsam oberflächlich. Inhaltlich sicher äußerst eloquent geschrieben bleibt die Lesbarkeit allerdings auf der Strecke: Insbesondere Begriffsbestimmung lässt der Autor vermissen. Obwohl ihm die Schwierigkeit der sprachlichen Vermittlung seiner Idee bewusst ist, versucht er nicht, diese Barriere zu überwinden. Er bewegt sich in angerissenen Gedankengängen, jongliert mit Fragestellungen die eher zusammenhanglos in den Raum gestellt aber selten beantwortet werden. Gerade die im Titel verwendeten Begriffe „Gott“, „Mensch“ und letztlich auch das „Dazwischen“, bleiben Worthülsen ohne nähere Erläuterung. Ohne Erklärung, wie der Autor sich zu diesen Begriffen stellt, was er tatsächlich meint, wenn er z. B. von Gott schreibt. Da wird dem Leser Blindheit und Borniertheit unterstellt, wenn er mit dem „kulturellen Konstrukt ‚Gott'“ nicht „auch chauvinistische, totalitaristische und autoritative Ziele“ realisiert sieht. Dass dies aber die Verwendung des Konstrukts durch Religion(en) ist, wird vollkommen außen vor gelassen und erscheint daher recht einseitig in der Argumentation – die sonst sehr um Dualität bemüht ist!

Den diversen Abschnitten werden kurze Absätze vorangestellt, Gedanken und Ideen, die grundsätzlich interessant klingen und Anlass zum Nachdenken liefern, meist mehr und konstruktiver als es die jeweils danach folgenden Seiten tun. Zitate von bekannten Persönlichkeiten leiten die Kapitel an sich ein, und insbesondere eines – von Ludwig Wittgenstein – fasst den Inhalt des Buches oder zumindest ein Resümee des Autoren prägnant zusammen: es „… lebt der ewig, der in der Gegenwart lebt.“ Wer sich mit Religion, Philosophie oder auch fernöstlicher Mystik bereits auseinandergesetzt hat, wird hier in diesem Buch vieles wiedererkennen. Häufig nur angerissen, nie – wohl auch so gewollt! – ausdiskutiert und viel zu selten mit neuen, eigenen Gedanken garniert.

Das, und damit ein Problem dieses Werkes, wird besonders zum Ende hin deutlich. Der Autor führt vier Gründe an, warum er das tut, was er tut. Und zum ersten Mal wird er tatsächlich subjektiv, wird Subjekt und schreibt von sich. In dem Moment, in dem er sein Ich zulässt, gewinnt der Text ungemein an Tiefe und gibt dem Leser eine Art Position, von der aus es jenem möglich ist, mit dem Text, mit den persönlichen Gedanken des Autors zu arbeiten. Leider trägt das Subjekt nur wenige Zeilen, danach wird zum wesentlich unpersönlicheren „wir“ und „uns“ zurückgekehrt. Man gewinnt dadurch auch den Eindruck, der Autor hätte womöglich Angst vor seinen eigenen Vorstellungen oder auch nur davor, seine Ideen als solche, als eigene zu präsentieren. Er versteigt sich dann sogar zu einem Kapitel, in dem er Vergleiche zu Thomas Manns „Felix Krull“ zieht, um diese Romanfigur in seinem Sinne des „Dazwischen“ zu interpretieren. Insgesamt ein Buch das durch surrealistische Gedankenkonstrukte den Leser von der Idee des „Dazwischen“ zu überzeugen versucht. Wo dieses „Dazwischen“ liegt, ob tatsächlich Gott und Mensch als Grenzen gelten, ob Halbgott oder Gottmensch erstrebenswert und möglich sind, bleibt offen.
 
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