Advocatus Diaboli

Alisha Bionda (Hrsg.)
Advocatus Diaboli

Edition Roter Drache, Rudolstadt, 11/2010
HC, Horror, Dark Fantasy
ISBN 978-3-939-45922-4
Titelgestaltung von Atelier Bonzai unter Verwendung einer Illustration von Andrä Martyna
Innenillustrationen von Andrä Martyna

www.roterdrache.org/
www.alisha-bionda.net/
www.andrae-martyna.de/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

„Herr Sanders“ – David Grashoff:
Ein Dämon, der sich für den Leibhaftigen ausgibt, stattet dem unscheinbaren Herrn Sanders einen Besuch ab, um herauszufinden, ob seine Seele für das ewige Fegefeuer der Hölle geeignet ist. Tatsächlich scheint Herr Sanders eine äußerst bösartige Seite zu haben. Doch da gibt es leider ein kleines Problem …

„Die Bewerbung“ – Thomas Plischke:
Anton Weider hat sich gut auf das Bewerbungsgespräch bei Daus-Urian vorbereitet, und er findet mit seinen bösen Taten sofort Anerkennung bei dem teuflischen Vertreter auf Erden. Alles läuft gut. Zu gut, wie Anton Weider feststellen muss …

„Die Beichte“ – Nicolaus Equiamicus:
Der Pfarrer Jean Albert ist gestorben und freut sich darauf, endlich den lang vorbereiteten Weg in die ewige Verdammnis zu beschreiten. Doch zuvor muss er seine Lebensbeichte ablegen, bei niemand Geringerem als Luzifer persönlich …

„Engelsfall“ – Dave T. Morgan:
Der Engel Jack will wissen, wie es in der Hölle aussieht, ehe er sich entscheidet, wo er die Ewigkeit verbringen will. Doch wie kommt man in die Sphären des ewigen Leides, wenn man nur einen kurzen Blick riskieren und sich den Rückweg in den Himmel nicht verbauen möchte? Ein schwieriges Unterfangen – aber nicht unmöglich …

„Dein Name sei Antobaal“ – Bernd Rümmlein:
Manche Menschen würden alles dafür tun, in die Hölle zu kommen. Anton Haslinger gehört dazu. Um von Luzifer anerkannt zu werden bedarf es allerdings einer besonders perfiden Tat, und Anton hat sich sehr viel Mühe gegeben. Wenn nur dieser biedere Name nicht wäre. Antobaal hört sich doch so viel besser an …

„Virus“ – Gian Carlo Ronelli:
Ehe eine Seele in die Hölle kommt, muss sie beim Leibhaftigen vorsprechen und ihre bösen Taten kundtun. Zunächst hält Satan daher den Besuch der unschuldig wirkenden Patricia Darlington für ein Versehen. Doch nach und nach offenbart die Zehnjährige ihm eine Geschichte, die selbst dem Teufel Respekt abnötigt …

„Die Vernunft im Blute“ – Marc Alastor E.-E.:
Vor Gericht soll die Wahrheit ans Tageslicht kommen. Doch was ist dran an den Vorwürfen gegen Doktor von Wimmer, der bisweilen horrende Summen für kaiserlich angeordnete Obduktionen erhalten hat? War Eleonore von Schwarzenberg tatsächlich eine Strigoi, eine Blutsaugerin? Und Doktor von Wimmer ihr heimlicher Geliebter?

„Passion Killer” – Aino Laos & Christoph Marzi:
Zwei Menschen, zwei Schicksale, die eng miteinander verknüpft sind. Im Leben, im Tod und in der Hölle. Doch die Ewigkeit im Reich der Finsternis gestaltet sich bisweilen anders, als man zunächst angenommen hat …

„Poison Eve“ – Tanya Carpenter:
Eve hat bereits seit ihrer frühesten Kindheit hart daran gearbeitet, nach ihrem Tod dem leibhaftigen Satan gegenüber zu treten, um Eingang in die Hölle zu bekommen. Ihr Leidenschaft sind seit jeher Schlangen und deren tückisches Gift, das sie so perfide und effektvoll einzusetzen versteht, wie keine andere …

„Tag der offenen Tür“ – Torsten Stäter:
Nachdem ihn ein Auto auf recht unschöne Art und Weise überfahren hat, kommt der ambitionierte Serienmörder Reinkober in die Hölle. Dort herrscht praktisch ununterbrochen Tag der offenen Tür, und doch ist der Höllenfürst anspruchsvoller als gemeinhin angenommen wird. Das muss auch Reinkober feststellen …

„Unlicht“ – Ascan von Bargen:
Für die Kriminalpsychologin Sarah Portman wird ein Albtraum Wirklichkeit, als sie zum Madison County Lunatic Asylum zitiert wird, wo kürzlich der Insasse der Zelle 2308 auf mysteriöse Weise verstorben ist. Doch die Wahrheit hinter diesem Todesfall ist weitaus schrecklicher, als Sarah sich jemals hätte erträumen können …

„Die Macht der Ewigkeit“ – Melanie Stone:
Esmael ist ein Ange de la Mort, ein Engel des Todes. Als solcher kann er eigentlich nicht sterben und schon gar nicht in die Hölle kommen. Doch Esmael wurde gar ermordet und steht nun vor Luzifer höchstpersönlich, der dem gefallenen Todesengel die Möglichkeit gibt, ihm Referenzen vorzuweisen, die verhindern sollen, dass er für alle Ewigkeit im Höllenfeuer schmort. Und Esmael hat eine wahrhaft teuflische Geschichte auf Lager …

„Rolfs Methode“ – Sören Prescher:
Rolf Eugen übernimmt mit seiner Belegschaft die Textilfirma Keisartex und beginnt mit einer umfassenden Neustrukturierung. Dabei fließen nicht unerhebliche Beträge in seine Tasche. Mitarbeiter, die ihm auf die Schliche zu kommen drohen oder einfach im Wege stehen, werden kaltblütig und effizient aus dem Weg geräumt. Wenn da nur nicht dieser zähe Bursche aus dem Ressort Einkauf wäre …

„Der Engel“ – Andrä Martyna:
Am 17. April 1831 wird Gesche Margarete Timm als Hexe hingerichtet. Ihr sehnlichster Wunsch nach ihrem Tod ist die Aufnahme in die Hölle, wo sie sich Luzifer hingeben will. Doch der Fürst der Finsternis verlangt mehr als bloße Anbetung. Er will die Geschichte ihrer Untaten in allen Einzelheiten hören, ehe er sein Urteil fällt. Und Gesche hat eine wirklich perfide Story auf Lager …

In diesem Buch ist für jeden etwas dabei, zumindest wenn er oder sie der düsteren Phantastik zugetan ist, und das kann man beim Kauf einer Anthologie mit dem klangvollen Titel „Advocatus Diaboli“ sicherlich erwarten. Das Buch ist ein echter Augenschmaus und bildet darüber hinaus die erste Kurzgeschichtensammlung in der Herausgabe von Alisha Bionda, die als schmuckes Hardcover erschienen ist. Andrä Martyna, versierter Grafiker und ambitionierter Schriftsteller, hat nicht nur die famose Abschluss-Story „Der Engel“, über die letzte verbuchte Hexen-Hinrichtung in Bremen geschrieben, sondern die Anthologie auch mit äußerst kunstvollen und sehr ansehnlichen Innengrafiken versehen. Jede Geschichte wurde treffend bebildert, und auch die Szenentrenner nebst Satzspiegel sprechen für die Sorgfalt, die diesem Werk zugute kam.

Herausragend ist vor allen Dingen die Story von Marc Alastor E.-E., der mit seinem anspruchsvollen und altmodischen Stil eine eindringliche Atmosphäre erschafft. Auch der Autor des Dark-Fantasy-Epos „Geisterdrache“ griff bei der vorliegenden Geschichte auf historische Begebenheiten zurück, nämlich auf die Gräfin Eleonore von Schwarzenberg, die auch den Beinamen ‚Vampirprinzessin„ trägt. Sehr moderner und humorvoller geht es bei David Grashoffs „Herr Sander“ zu, der die Höllenfahrt mit einem gelungenen Serienkiller-Plot verknüpft. Die Bestseller-Autoren Thomas Plischke („Die Zombies“) und Bernd Rümmelein („Kryson“) beweisen mit den Storys „Die Bewerbung“ und „Dein Name sei Antobaal“, dass sie auch in Sachen Kurzgeschichte ihr Handwerk verstehen. Ist erstere als schwarzhumorige Satire zu sehen, so zeigt Rümmelein in seinem Werk seine Vorliebe für blutige Plots und zynische Schlusspointen.

Vom Fall der Engel und ihrer Verwandtschaft zum absolut Bösen, namentlich Luzifer, handelt die Erzählung von Dave T. Morgan. Sehr düster und böse ist Gian Carlo Ronellis „Virus“, der den Leser bereits nach den ersten Zeilen infiziert und auf eindrucksvolle Weise zeigt, dass auch die Hölle nicht unangreifbar ist. Das „Unlicht“ von Ascan von Bargen ist ein genialer Horror-Thriller, der trotz seines ausschweifenden Stils eine fast greifbare Atmosphäre besitzt und den Leser mit seiner Suspense bei der Stange hält. Tanya Carpenters „Poison Eve“ ist dagegen plakativer aber nicht minder fesselnd mit einer wahrhaft perfiden Protagonistin. Eine wirklich fruchtbare Zusammenarbeit gab es zwischen Aino Laos und Christoph Marzi, deren höllische Referenzen aus zwei Perspektiven geschildert werden, die sich am Ende auf geistreiche Art und Weise verbinden.

Etwas gewöhnungsbedürftig, aber nichtsdestotrotz lesenswert ist Torsten Stäters „Tag der offenen Tür“, eine Geschichte, die den Leser mit ihrer ausgefeilten Handlung überrascht. Melanie Stone rüttelt die Hierarchien der Engel mit ihrer Geschichte „Die Macht der Ewigkeit“ auf höchst unterhaltsame Weise durcheinander. Sehr betriebswirtschaftlich, aber umso raffinierter ist „Rolfs Methode“, vorgestellt von Sören Prescher, dem die (Wirtschafts-) Branche auch privat nicht unbekannt ist. Abschließend kann bescheinigt werden, dass sich jede einzelne Erzählung der Lektüre mehr als würdig erwiesen hat. So gehört „Advocatus Diaboli“, nicht zuletzt wegen seiner grandiosen Aufmachung, zu den schönsten und bemerkenswertesten Anthologien der düsteren Phantastik.

„Advocatus Diaboli“ bietet einen faszinierenden und geistreichen Ausflug in die dämonischen Gefilde der höllischen Rechtsprechung: eine abwechslungsreiche Anthologie mit vierzehn anspruchsvollen und unterhaltsamen Geschichten von namhaften AutorInnen, optisch veredelt durch kunstvolle Innengrafiken von Andrä Martyna.

Copyright © 2011 by Florian Hilleberg (FH)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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