Aeternum

Andrea Bottlinger
Aeternum

Originalausgabe
Knaur
ISBN13: 978-3-426-51179-4
All Age-Fantasy
1. Auflage 03/2013
Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München
Umschlagabbildung: Fine Pic®, München
Autorenfoto von privat
Taschenbuch, 576 Seiten

www.cbj-verlag.de
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Die heranwachsenden Jugendlichen Amanda und ihr Bruder Roman leben in Berlin. Hier halten sie sich mit Diebstählen über Wasser, die sie von diversen Auftraggebern erhalten. Bei einem Einbruch in das Haus eines einflussreichen Mannes geschieht etwas Unfassbares. Die Geschwister werden erwischt und der Hausherr entpuppt sich als Dämon. Balthasar ist entschlossen die Diebe mit dem Tod zu bestrafen, doch in Amanda erwacht eine Kraft, von der die junge Frau bisher nichts ahnte. Der Dämon kann sein Glück kaum fassen, ihm ist eine waschechte Magierin in die Falle gegangen. Er zwingt sie in seine Dienste, da er ihren Bruder als Druckmittel verwendet.

Kurze Zeit später erschüttert eine fürchterliche Katastrophe die Berliner Hauptstadt. Der Alexanderplatz wird durch ein Erdbeben fast vollständig vernichtet und es bleibt ein riesiger Krater von unermesslicher Tiefe. Da weder die Dämonen, noch ihre Gegner die Engel, die Urheber des Desasters sind, beschließen beide Parteien je einen der Ihren auszusenden, um herauszufinden wer für den Einsturz verantwortlich ist. Die Wahl der Dämonen fällt auf Amanda, worüber ihr Herr nicht allzu glücklich ist. Die Engel schicken den gefallenen Engel Jul. Ihm wird versprochen, dass er seine Flügel zurückbekommt. Diese furchtbare Strafe, die Flügel zu verlieren, wurde ihm auferlegt, da er das Gebot Gottes brach. Er aß eine Frucht vom Baum der Erkenntnis, daher ist er in der Lage Mitgefühl und Liebe zu verspüren, etwas das seine Artgenossen nicht verstehen. Gemeinsam mit Amanda geht er in die Katakomben Berlins und die beiden so ungleichen Wesen erleben ein Abenteuer, das ihr Weltbild für immer verändern wird.

Die Autorin lässt es in ihrem Fantasydebüt Aeternum ordentlich krachen. Sie nimmt sich dabei wohl Roland Emmerichs Kinohit Independence Day zum Vorbild und zerstört halb Berlin bei einer furchtbaren Katastrophe. Nicht kleckern, sondern klotzen heißt hier ihre Devise. Dazu verwebt sie gekonnt mehrere Handlungsstränge. Sie kreiert verschiedene Parteien die gegeneinander antreten. Da wären zum einen die Geschwister Roman und Amanda die vom Schicksal dazu verdammt sind den Dämonen zu dienen. Der Handel ist denkbar einfach, Jul erledigt die Aufträge die ihr Balthasar auferlegt und dafür lässt er ihren Bruder leben. Dennoch versucht sie, durch kleinere Verstöße die sofort bestraft werden, sich ihren Freiraum zu schaffen um sich daran zu erinnern, dass sie nicht freiwillig in den Diensten des Dämons steht. Balthasar, der Amanda in seine Dienste presste, ist überhaupt nicht damit einverstanden, das die oberste Anführerin der Dämonen die junge Magierin auf eine gefährliche Mission schickt, die tödlich enden könnte. Er würde dadurch einen unglaublichen Vorteil verlieren. Jul der gefallene Engel unterscheidet sich in einer Hinsicht von seinen Mitengeln. Er hat die ruchlose Tat begangen, die einst schon Adam und Eva aus dem Paradies vertrieb. Indem er eine Frucht vom Baum der Erkenntnis aß wird er zum Ausgestoßenen. Michael einer der Erzengel bietet ihm die Chance an, sich zu rehabilitieren. Außerdem führt er auch Jul in Versuchung ihren Herrn zu verraten.

Zu den interessanten und teilweise sehr durchtriebenen Figuren findet der Leser schnell einen Zugang. Wobei das Hauptaugenmerk auf Jul und Amanda liegt. Der Autorin gelingt es zudem eine Liebesgeschichte zu erzählen, die sich im Laufe der Zeit zwischen der Magierin und dem gefallenen Engel entwickelt. Immerhin verbindet die beiden Protagonisten sehr bald ein starkes Band des Vertrauens zueinander, das durch die Abenteuer die sie zusammen erleben resultiert. Die zarten Gefühle wirken daher auch nicht kitschig oder überschäumend romantisch, sondern sehr real. Dazu kommt noch die eigentliche Handlung, die sich in den Tiefen der Katakomben abspielt. Hier werden die beiden Hauptfiguren mit allerlei Kreaturen konfrontiert, die teilweise sehr bösartig agieren. Eine actionreiche Handlung ist daher vorprogrammiert und lässt die Leser in eine Welt eintauchen, die mit vielen Überraschungen und zahlreichen Wendungen aufwartet.

Die gebürtige Karlsruherin Andrea Bottlinger studierte in Mainz Buchwissenschaften, Komparatistik (Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft) und Ägyptologie. Mittlerweile lebt sie in Heilbronn und legt mit ihrem Erstling Aeternum einen sehr actiongeladenen Fantasythriller vor, der auf intelligente Weise das gängige Glaubensbild demontiert. Leser, die sich für die Welt der Engel, Dämonen und des Schöpfers Namens Gott interessieren, werden diese durch den interessanten, einmaligen Plot ganz neu erleben.

Copyright by 2013 © Petra Weddehage (PW)

… und noch eine Rezi um Titel:

Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich mich mit Büchern schwer tue, in denen Engel vorkommen? Egal ob es sich beispielsweise um die Fallen-Angels-Reihe von J. R. Ward, Angelus von Danielle Trussoni oder auch Becca Fitzgeralds Engel-der-Nacht-Reihe handelte – irgendwann (meist recht bald) fand ich etliche Kritikpunkte, die mir den Lesespaß vermasselten. Dessen ungeachtet versuche ich mich immer wieder daran und so landete Aeternum denn auch prompt auf meinem SuB.

Die 1985 in Karlsruhe geborene Andrea Bottlinger fühlt sich nach eigenen Angaben im Fantasybereich am wohlsten. Sie war bzw. ist freie Mitarbeiterin der Zeitschriften SpaceView, Geek und Nautilus und interviewte in der Vergangenheit Autoren für Verlage wie cbt und Piper. Bottlinger, die neben Ägyptologie auch Komparatistik und Buchwissenschaften studiert hat, lebt heute in Heilbronn. Sie gibt Schreibkurse, arbeitet als Lektorin, verfasst Buchbesprechungen und veröffentlichte mit Aeternum ihren Debütroman.

In dem öffnet sich ohne Vorwarnung mitten in Berlin ein riesiger Krater, der bis tief in den Untergrund der Hauptstadt reicht. Niemand kann sich erklären, wie er zustande kam und niemand kann abschätzen, was damit zusammenhängend noch alles passieren kann. Denn natürlichen Ursprungs ist dieses Ereignis nicht. Doch nicht nur die Menschheit versucht herauszufinden, was es damit auf sich hat. Auch miteinander verfeindete Dämonen und Engel tun ihr Möglichstes. Zu diesem Zweck wählen sie je einen Abgesandten, der der Sache sprichwörtlich auf den Grund gehen soll. Schon bald begeben sich der gefallene Engel Jul und die einem Dämon als Magierin dienende Amanda in die Tiefen, während weiter oben alles eskaliert.

Wie gesagt, meist vergeht mir die Leselust bei Büchern mit Engeln recht schnell. Ich lese zwar weiter, aber ich kam bisher nie in Versuchung die Bücher wärmstens weiterzuempfehlen oder Ähnliches. Oft kommt es mir so vor, als ob die Autoren nicht so recht wissen, in welche Richtung sie jetzt eigentlich wollen. Bei Bottlingers Debütroman ging es mir nicht so. Ich habe auch hier etwas gefunden, das mich stört. Aber: Aeternum nahm mich von Anfang an und bis zum Schluss gefangen.

Wer streng gläubig ist, wird womöglich ein Problem mit der Idee haben, die sich nach und nach (allerdings temporeich) herauskristallisiert, sie womöglich geradezu blasphemisch finden. Denn abgesehen davon, dass Bottlinger, wie andere Autoren auch, Engel nicht automatisch gut und Dämonen nicht per se schlecht beschreibt, geht sie sogar soweit, dass ihre weibliche Hauptfigur sich an jemanden heranwagen muss, der eigentlich außerhalb menschlicher Reichweite ist. Denn Gott selbst (und damit geradezu symbiotisch auch der Teufel) haben mit den ungewöhnlichen Vorfällen zu tun. Ihretwegen droht die Welt, wie wir sie kennen, unterzugehen. Ihretwegen kommt es zu einem blutigen und tödlichen Kampf zwischen den Dämonen und Engeln. Und für die wiederum sind die menschlichen Opfer lediglich verschmerzbare Kollateralschäden.

Illustrativ detailliert wurde die Hintergrundatmosphäre von Bottlinger geschaffen. Berlin – auch wenn es sich täglich zu verändern scheint – erschien klar vor meinem inneren Auge. Und das, obwohl ein großer Teil der Geschichte unterirdisch spielt. Hinzu kommen gut herausgearbeitete und (für mich auch) überraschend echt wirkende Charaktere mit einigen Stärken aber genauso vielen Schwächen und Fehlern. Das tröstet darüber hinweg, dass Bottlinger sich bei der Beschreibung einiger Figuren an bekannten Bildern orientiert. Die großen, hell gekleideten, weißblonden Engel erfüllen ihre Aufgabe mit himmlischer Konsequenz und ihren Flammenschwertern. Die Dämonen wiederum wirken in ihrer wirklichen Gestalt abschreckend hässlich und Frucht einflößend, gierig und vordergründig berechnend und falsch und wenden Magie an.

Doch halt: Ganz so einfach ist es nicht. Bottlinger erzählt nicht einfach nur eine neue Variante von Gut gegen Böse, bei der es natürlich nur einen Gewinner geben kann. An der Stelle – das Cover finde ich mehr als passend. Die sich berührenden Umrisse der zwei geflügelten Gestalten wirken in ihrer Ausarbeitung doch als Einheit. Genau wie Gott und der Teufel, Gut und Böse, Licht und Dunkel, Engel und Dämonen, Gebot und Tabu, Glaube und Wissen, Macht und Ohnmacht. Sie könnten augenscheinlich alleine für sich bestehen, benötigen aber den anderen, um wirklich zu wirken. Eine Trennung? Unmöglich.

Und schon bald wurde mir klar, dass Amanda und Jul zwar vordergründig um die Rettung der menschlichen Welt kämpfen, die zwischen den verfeindeten Fraktionen einfach zerrieben zu werden droht. Tatsächlich aber geht es um Begreifen und Einsicht, um Erkenntnis. Um Fühlen und Mitgefühl. Über den eigenen Schatten zu springen. Freundschaft und Vertrauen zuzulassen. Toleranz und eigenständiges Denken und darum, Konsequenzen aus diesen Überlegungen zu ziehen, weil eigentlich alle in einem Boot sitzen, das in einer Katastrophe zu sinken droht.

Das alles ist in eine Geschichte gepackt, in der sich die beiden Hauptfiguren Amanda und Jul näherkommen, obwohl sie sich anfangs gar nicht ausstehen können. Einfach, weil jeder seine eigene Motivation hat, sein eigenes Ziel verfolgt. Während Amanda ihren Bruder retten möchte, will Jul seine Flügel zurück, die ihm vor langer Zeit genommen wurden. Wer allerdings auf eine richtige Liebesgeschichte hofft, kann sich diese Hoffnung gleich wieder abschminken. Dazu werden die beiden viel zu häufig in blutige Kampfszenen verwickelt, die ich in ihrer Fülle und Ausführlichkeit tatsächlich als Manko dieses Romans betrachte. Allerdings ist dieses Manko nicht so groß, dass es mir den Lesespaß an Aeternum verdorben hat. Und die Geschichte zwischen den beiden fügt sich harmonisch in das gesamte Geschehen ein.

Der Lesespaß blieb mir mit Sicherheit auch erhalten, weil mir der Schreibstil von Bottlinger gefallen hat. Sie wechselt fließend die Perspektiven, lässt ihre LeserInnen aus Amandas Sicht am Geschehen teilhaben, dann wieder aus der von Jul. Die Autorin webt die Schöpfungsgeschichte aus der Sicht eines Engels ein und (für mich) recht schlüssig eine Überlegung für gesellschaftlich-religösen Umbrüche in der jüngeren Vergangenheit. Bottlinger lässt ihren fantastischen Roman auf Mythen monotheistischer Religionen fußen, überfrachtet die Geschichte jedoch nicht damit.

Fazit:

Mythen und Realität sind hier geschickt mit fantastischen Elementen verwoben und zu einem ebenso spannenden wie faszinierenden Debütroman verarbeitet worden. Das bietet gleichermaßen Unterhaltung wie Anreize zum Nachdenken und Raum für Fantasie. Für die erwähnten Kampfszenen gibt es einen kleinen Punktabzug, da sie mir persönlich zu viel waren und für kleinere Längen sorgten. Dennoch bleibt zu hoffen, dass die Autorin bald – in welcher Form auch immer – nachlegt. Ich möchte für Aeternum vier von fünf Punkten vergeben.

Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

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