Alcatraz und die dunkle Bibliothek

Brandon Sanderson
Alcatraz und die dunkle Bibliothek

Smedry Alcatraz 1
Alcatraz Versus The Evil Librarians, USA, 2007
Heyne Verlag, München, 6/2008,
HC, Allgemeine Reihe, Jugendbuch, Fantasy, 978-3-453-52414-9, 299/1200
Aus dem Amerikanischen von Charlotte Lungstrass
Umschlaggestaltung von Nele Schütz Design, München
www.heyne.de
www.brandonsanderson.com

Schon immer zieht Alcatraz Smedry das Unglück magisch an – was er auch anfasst, es zerbricht: Teller, Türgriffe oder gar die Beziehung zu einer großen Anzahl von Pflegeeltern. Als er jedoch an seinem dreizehnten Geburtstag einen Sack voll Sand erhält, nimmt sein Leben eine bizarre Wendung. Denn schneller als Alcatraz blinzeln kann, wird ihm der Sand, der natürlich kein gewöhnlicher ist, gestohlen.

Dahinter steckt der Geheimbund der dunklen Bibliothekare, deren grundböses Ziel die Weltherrschaft ist. Und der Sand des Jungen ist ein wichtiger Bestandteil auf dem Weg dorthin! Alcatraz begegnet zum ersten Mal seit vielen Jahren einem Verwandten, nämlich seinem Großvater, und erfährt, dass es an ihm liegt, die Bibliothekare zu stoppen.

Wieder mal ein Waisenjunge der die Welt retten soll… Sehr humorvoll und mit skurrilen Ideen gespickt ist dieser Roman aber dann doch ein bisschen anders als die anderen Bücher. Es gibt auch hier Magie und Orte außerhalb unserer Welt, allerdings eher dergestalt, dass diese Orte nur außerhalb unserer – der Normalmenschen – Wahrnehmung liegt, was auch der Sinn der Sache bzw. das Ziel der dunklen Bibliothekare ist.

Die Magie ist nie die übliche Magie der Fantasy-Romane, sondern beschränkt sich auf diverse Fähigkeiten: Alcatraz‘ Großvater z. B. hat die besondere Fähigkeit, immer zu spät zu kommen; Alcatraz selber, wie schon erwähnt, macht alles Mögliche kaputt. Es gehört zu den wirklich innovativen Gedanken dieses Buches, derartige ‚Fähigkeiten’ als sinnvoll zu beschreiben und ebenso einzusetzen.

Leider verliert die Geschichte durch die Ich-Perspektive, aus der sie erzählt wird. Alcatraz betont zu oft und immer wieder seine Unzulänglichkeit. Seine Betrachtungsweise und seine Vergleichsmöglichkeiten der normalen und der ‚anderen’ Welt ist grundsätzlich witzig und amüsant, aber zu viele Wiederholungen führen dann schnell zu Langweile und Desinteresse.

Als Leser möchte man häufig einfach weiterblättern, um zu erfahren, wie die Geschichte nun ausgeht. Die Beschreibung eines nicht angewandten Erzählkniffes oder ähnliches wirkt für den eigentlichen Erzählfluss nur störend.

Geplant sind, laut Autor, fünf Bände dieser Reihe. Der zweite soll noch 2008 in den USA erscheinen. Bisher gibt es allerdings nur einen Vertrag für vier Romane. Wie viele Romane nun auch immer publiziert werden, dieser erste ist zumindest einen Blick wert.

Die Idee hinter der ‚alten’ Geschichte ist neu und vom Grundsatz her mehr als interessant. Wer sich von der Ich-Perspektive nicht abschrecken lässt und über den einen oder anderen überflüssigen Einwurf hinwegsehen bzw. –lesen kann, der wird mit einer humorvollen, spannenden Erzählung belohnt. Ob man die Fortsetzungen dann ähnlich positiv beurteilen wird, bleibt abzuwarten. (ft)

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