Aschermittwoch

Stephan Peters
Aschermittwoch

winterwork Taschenbuch
Umfang: 184 Seiten
ISBN 9783940167194 (sfbentry)
Originalausgabe im Selbstverlag/Edition Winterwork, Grimma, 9/2007
Titelillustration von Björn Ian Craig
www.winterwork.de/
www.peters-stephan.de/
Genres: Fantasy, Krimi & Thriller  

Stephan Peters hat einige Romane, Storysammlungen und Hörbücher im MG-Verlag („Ich will das Blut aus Deinem Mund rinnen sehen…“, „Lovecrafts geheime Fälle“), im VirPriv-Verlag („Terry“, „Der Teufel von Arkham“) sowie Kurzgeschichten in diversen Anthologien veröffentlicht. „Aschermittwoch“ verspricht „Karnevalshasser und andere makabere Storys“ (Untertitel) und eine „Mixtur aus Gruseligem, Kriminellen und garniert (…) mit Humor.“ (Klappentext).

Nun, bereits die erste Story zeigt, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Sie ist Wunscherfüllung, wenn auch nur auf dem Papier. In „Good Bye, Mr. President“ erlebt George Bush eine fatale Überraschung, als er zur ‚Endlösung’ des Gefangenenlagers in Guantanamo schreiten will. Andererseits zeigt der Autor darin auch ein gewisses Maß von Ideenreichtum.

„SMS – Stirb mit Schmerzen“ ist eine Beziehungsstory mit kriminellem Einschlag. Der Protagonist heiratet eine ältere Dame und betrügt sie später mit einer jüngeren Frau. Seine Ehefrau rächt sich natürlich. Auch „Der Untergang des Philosophie-Professors“ hat seinen Grund in einer Frau. Hier fällt der Protagonist auf eine Betrügerin herein.

In den Briefwechseln „Mein lieber René“ und „Meine liebe Stella“ zeigt der Autor, dass verwunschene Häuser auch im beschaulichen Oldenburger Land stehen können. Das Haus zieht die Bewohner erwartungsgemäß in seinen Bann. Daraus ergeben sich konventionelle, für das Sub-Genre typische Handlungen.

Der Briefwechsel mutet für heutige Verhältnisse anachronistisch an (als Austausch von E-Mails hätten die Geschichten auch funktioniert), vor allem dann, wenn eine um ihren Partner besorgte Frau schreibt: „Wenn ich in drei Tagen nichts von Dir höre, verständige ich die Polizei!“ (Seite 106).

In den übrigen zwei phantastischen Kurzgeschichten zeigt der Autor mehr Esprit. „Dorothea“ ist sogar makaber: Einer der Protagonisten gräbt seine tote Frau aus und drapiert den Leichnam über einen Roboterkörper. In „Eine saubere Geschichte“ findet ein Reisejournalist die perfekte Kleinstadt. Aber er muss am eigenen Körper auch den Grund für die Perfektion erfahren. Die zwei besten Storys in der Sammlung!

Bei so vielen persönlichen Katastrophen der diversen Protagonisten überrascht es, in „Aschermittwoch“ auch Erzählungen vorzufinden, die – als eine Art von Kompensation?! – das Harmoniebedürfnis des Autors befriedigen.

In „Meine Nächte in El Paso“ vermag es ein Steuerfahnder nicht, die Existenz eines gutbürgerlichen Gasthausbesitzers zu zerstören. „Minty geht fremd“ schildert eine Beziehungskrise, die wieder ins Lot gerät (und die Protagonistin hat natürlich nicht mit einem anderen Mann geschlafen). „Wie es sehr kompliziert ist, nach Köln zu kommen“ ist eine Hommage an einen kleinen Ort namens G. vor den Toren jener Großstadt. In der längsten Story des Bandes, „Heiligabend mit Cher“, erfüllt sich der Autor vielleicht selbst einen Wunsch (und renkt nebenbei seine Beziehungsprobleme ein).

Ein Handlungselement in fast jeder Kurzgeschichte sind diverse Zufälle. So ist es durchaus überzeugend, dass in „SMS – Stirb mit Schmerzen“ die Frau des Protagonisten durch eine fehlgeleitete SMS von seiner Affäre erfährt. Oder das in „Der goldene Teppich“ ein Berufskiller unwissenderweise jenen Zeugen tötet, der seinen Vater vor der Exekution bewahren könnte (auch wenn nicht nötig gewesen wäre, dass der Ermordete auf diese Art und Weise Selbstmord begehen will). Dagegen wird in „Cool Jazz“ nicht angedeutet, dass sich die ermittelnde Polizistin am Ende als der gesuchte Mörder entpuppt.

Im Vergleich sind „Die Ziegen der Donna Mara“, in denen u. a. von jenen Tieren die Rede ist, die mit Bewegungsmeldern versehene Minihandgranaten verschluckt haben, satirisch zu betrachten.

Die letzte Kurzgeschichte, die dem Band ihren Namen gab, ist etwas blutig, aber nicht makaber, und mutet an, als wäre sie von einem Autor verfasst worden, der den Karneval nicht hasst, sondern – fürchtet.

Stephans Peters zeigt in „Aschermittwoch“ viele Facetten seines Repertoires, mehr, als die Aufmachung des Buches erwarten lässt. Er hat erkennbar Spaß am Fabulieren, der sich durchaus auf den Leser überträgt, opfert dem aber gelegentlich die Plausibilität und die Originalität seiner Kurzgeschichten.

Copyright (C) 2008 by Armin Möhle

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