Das Amulett der Schlange

Kathleen Bryan
Das Amulett der Schlange

Das magische Land 2
The Golden Rose, USA, 2008
Goldmann Verlag, München, dt. Erstveröffentlichung: 9/2008
PB, Fantasy 46588, 978-3-442-46588-0, 286/1200
Aus dem Amerikanischen von Inge Wehrmann
Umschlaggestaltung von Design Team München unter Verwendung einer Collage von The Bridgeman Art Library und Corbis
Karte von N. N.
www.goldmann-verlag.de
www.fantasticfiction.co.uk/b/kathleen-bryan/

König Clodovec hat mit der uralten, vergessen geglaubten Schlangen-Magie den „Orden der Rose“ (Bd. 1) nahezu ausgelöscht. Der Herzog von Quitaine und fast alle seine Getreuen sind tot. Nur wenige Ritter haben sich nach Prydain retten können, während Averil, die Tochter des Herzogs, das schwere Los auf sich nimmt, nach Lutèce an den Hof ihres Onkels, des Königs, zu reisen. Ihre Vermählung mit einem der Männer, die dort um ihre Gunst buhlen, ist der Preis für die Rettung von Quitaine.

Averils Plan, auf Zeit zu spielen, missglückt, denn Clodovec stellt ihr ein Ultimatum. Hoffend, ihn mit seinen eigenen Waffen schlagen zu können, macht sie ihren nächsten Zug, aber dieser bringt auch nicht das gewünschte Resultat, denn Esteban, der charmante Prinz von Moresca, ist zwar kein Freund des Königs und darum ein potentieller Verbündeter, aber seine Ziele und Methoden unterscheiden sich kaum von denen Clodovecs. Averil bleibt nur die überstürzte Flucht. Das Schiff, das sie zur Glasinsel bringen soll, wo sich die Priesterinnen für Clodovecs Angriff rüsten, sinkt während eines magischen Sturms.

Unterdessen steigt der Bauernjunge Gereint unerwartet schnell zum Knappen auf. Der Orden kann jeden gebrauchen im Kampf gegen Clodovec und die Schlange, vor allem wenn der Betreffende über so starke Magie – selbst wenn sie wild ist – verfügt wie Gereint. Als er spürt, dass sich die Frau, die er über alles liebt und die für ihn immer unerreichbar sein wird, in den Fluten untergeht, setzt er seine Macht ein, um sie zu retten.

Ist Gereint stark genug, um Averil der tobenden See zu entreißen? Und was können die Verteidiger gegen Clodovec ausrichten, der sich mit einer unheimlichen Flotte anschickt, Prydain und die Glasinsel zu erobern und dabei eine Kraft entfesselt, die kein sterblicher Mensch beherrschen kann?

Selbst wenn man „Der Orden der Rose“ nicht kennt, hat man kein Problem, der Handlung zu folgen, da die vorherigen Geschehnisse eingangs kurz zusammengefasst werden und auch später der eine oder andere erklärende Satz eingeschoben wird. Natürlich ist das Lesevergnügen ungemein größer, wenn man den ersten Band der „Das magische Land“-Saga zur Lektüre hatte und die Entwicklung der Hauptfiguren – Averil und Geraint –  verfolgen konnte.

Beide haben Clodovecs Angriff auf Quitaine überlebt und sich während des Kampfes als die zwei Hälften eines Ganzen erkannt, denn sie bedienen sich einer harmonierenden wilden Magie. Das ist jedoch nicht alles, was sie immer wieder zueinander führt, denn zwischen ihnen besteht auch das Band der Liebe. Jedoch darf sich ein Ritter der Rose nicht vermählen, und eine Comtesse muss einen Mann von Stand wählen. Die Umstände und die Gesetze verlangen den beiden immer wieder große Opfer ab.

Um die absolute Macht an sich zu reißen, wollen Clodovec und noch andere Anhänger der Schlange die dunkle Gottheit befreien. Dafür werden drei Artefakte benötigt, von denen der König bereits zwei besitzt. Schließlich findet er heraus, wo das dritte und wichtigste verborgen gehalten wird – der Titel nimmt die Lösung, worum es sich handelt, wieder einmal vorweg, und aufmerksame Leser wissen längst wer der Hüter ist, der sich nun in größter Gefahr befindet. Die Objekte fallen auch prompt zusammen in die falschen Hände, und damit sind die Weichen für den dritten Band gestellt.

Judith Tarr alias Kathleen Bryan offeriert mit „Das Amulett der Schlange“ erneut einen routiniert geschriebenen, spannenden Fantasy-Roman, in dem sympathische Protagonisten agieren, die an ihren Aufgaben wachsen. Die Romantik kommt nicht zu kurz, doch hütet sich die Autorin, aus den Helden jetzt schon Pantoffel-Helden zu machen, denn der Wechsel von trauten Momenten und schmerzlichem Verzicht sowie die Einmischungen eines gefährlichen Rivalen sind weitere belebende Momente.

Die Mischung ist gelungen und die Story mitreißend erzählt, was ein wenig darüber hinweg tröstet, dass man alles in ähnlicher Form schon gelesen hat, denn es wird mit bekannten Versatzstücken gearbeitet:

Der tollpatschige Bauernjunge verfügt über erstaunliche Magie und mausert sich binnen weniger Monate zum Knappen. Auch die selbstbewusste Comtesse erlebt einen Aufstieg, obwohl sie – als Frau in einer Männerwelt – gegängelt und immer wieder zum Spielball all derer wird, die an die Macht gelangen wollen. Die Guten haben sich zu sehr in ihre überholten, vielleicht sogar entarteten Regeln verstrickt, um noch umdenken und sich durch das Beschreiten neuer Wege retten zu können. Die Bösen sind skrupellos und bedienen sich düsterer Kräfte, dank derer sie ihren Gegnern immer einen Schritt voraus sind, solange sich jene Magie nicht gegen sie kehrt. Averil durchschaut alle Intrigen, manchmal etwas zu spät, doch dann ist Deus ex Machina meist in der Person von Gereint als Retter zur Stelle. Das Übel ist natürlich schwer zu besiegen, und wenn doch einer seiner Repräsentanten fällt, dann füllt ein anderer, der zuvor entsprechend aufgebaut wurde, sogleich die vakante Stelle aus.

Vor allem junge Leserinnen, die abenteuerlich-romantische Fantasy mögen, werden von der „Das magische Land“-Serie bestens unterhalten. Averil und Geraint sind gängige Archeytpen, mit denen man sich gern identifiziert.

Das lese-erfahrene Publikum, das mehr innovative Ideen statt eine Aneinanderreihung bekannter Motive wünscht, könnte hingegen etwas enttäuscht sein, wenn es mit zu hohen Erwartungen an die Bände heran tritt. (IS)

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Das magische Land 02. Das Amulett der Schlange

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