Das Fest der Vampire

das-fest-der-vampireCarsten Polzin (Hrsg.)
Das Fest der Vampire

Piper Verlag, München, 11/2008
PB, Horror, Fantasy
ISBN 978-3-492-26678-9
Titelgestaltung von HildenDesign, München
unter Verwendung einer Illustration von Jan Reiser, München

www.piper.de
www.hildendesign.de
www.enter-and-smile.de/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Seit drei Jahren gibt Carsten Polzin bei Piper Weihnachtsanthologien heraus, von der sich jede dadurch auszeichnet, dass sie eine Mischung aus nationalen und internationalen Autoren und ihrer Texte bietet. So auch in dieser hier, in der es um Vampire und Weihnachten geht – eine Verknüpfung, die neugierig macht. Daher seien zu jeder Story wenigstens einige Worte erwähnt.

Jonathan Barnes – „Mr. Coldicutts Party“ handelt von einem älteren Mann, der seit einem Jahr tot ist und einer abendlichen Firmen-Weihnachtsfeier beiwohnt. Dort erfährt die Ich-Erzählerin von ihrem ältlichen Boss die Geschichte der Firmengründung mit seinem Partner, der ein Jahr zuvor verstarb …

Susanne Gerdom – „Lang lebe die Königin“handelt von einem König, der am Heiligen Abend mit Hilfe eines Nekromanten seine verstorbene Gattin wieder zum Leben erwecken will – zu einem hohen Preis.

Tobias O.Meißner – „Von draußen“ handelt von einem sehr speziellen Fall, mit dem sich Oberinspektor Zundt und sein Assistent Gideoni am Heiligen Abend konfrontiert sehen: einem Dreifachmord und einem verschwundenen Weihnachtsbaum.

John Moore – „Schneeschuhe“handelt von wundersamen Geschehnissen in einem Hotel und einem Hund, der die teuren Markenschuhe der Gäste zernagt und sich, als man ihm eine Falle stellen will, als klüger erweist – denn er ist ein Werzwergspitz.

Julia Conrad – „Blüten“ handelt von besonderen Blüten eines Weihnachtsbäumchens.

David Wellington – „Das Experiment“ handelt von Laura Caxton, die ihren Lebensunterhalt mit der Vernichtung von Vampiren verdient, und einem Zentrum für den Seuchenschutz, in dem die Wissenschaftlerin Helene Fremont ein sehr ‚spezielles’ Untersuchungsobjekt hat: einen ausgesprochen dürren Vampir!

William King – „Karpfen im Netz“ handelt von der Amerikanerin Liz, die Weihnachten nicht mag und immer verreist, dieses Mal nach Prag, wo sie den gut aussehenden Marek kennen lernt, der sie durch die Stadt führt. Durch ihn macht sie Erfahrungen mit dem Geist des Absinth und einem Mann, den sie nach dem Genuss des Getränks sieht und der den Eindruck erweckt, schon eine Weile tot zu sein.

Terry Pratchett – „Zwanzig Pence mit Umschlag und Weihnachtsgruß“ handelt am 24. Dezember 1843 von einem Kutscher, der durch den Schnee irrt und von dem Tor zur Hölle sowie einer konfusen Geschichte dazu …

Daniela Knor – „Mittwinternacht“ handelt von Arion und seiner Schwester Sava, die den Elbstein vom Himmel holen wollen. Hier bekommt der Leser eine reine Fantasy-Story geboten, einer Prolog-Story zu dem Roman „Nachtreiter“ der Autorin.

Michael Peinkofer – „Das Geschenk“ handelt in einem alten Theater in London East End mit leicht bekleideten Tänzerinnen und grausigen Kuriositäten (z. B. dreibusige Frauen, siamesische Zwillinge). Dort tritt auch der Große Raganrick mit mäßigen Zaubertricks in der Weihnachtsabend-Vorstellung auf. Um seine Zuschauer doch noch zu fesseln, ruft er den Geist Morgan LeFays, der großen Zauberin … Ein alter Mann sucht Raganrick nach der Vorstellung in seiner Garderobe auf, und der Zauberer muss feststellen, dass der Greis erschreckend viel über ihn weiß. Dann macht ihm dieser auch noch ein besonderes Geschenk – und das Leben des Zauberers nimmt eine dramatische Wende.

Thomas Plischke – „Horch, was kommt von draußen rein“ handelt von der kleinen Leonie, die auf den Weihnachtsmann wartet. Doch das Haus ihrer Eltern wird von einem anderen ‚Gast’ heimgesucht, der Leonie über ihren Vater ausfragt und sie entführen will – aber da hat er die Rechnung ohne das Mädchen gemacht!

Thomas Finn – „Meister Calamitas’ erstaunliche Kuriositäten“ handelt von einem Großvater, der seinen Enkeln eine mystische Geschichte erzählt: warum sie in ihrem Ort ‚Tannfürst’ jeden Winter das Lichterfest feiern sowie von einem Jungen, der ein Dieb war – jedoch kein gewöhnlicher – und eines Nachts bei einem Zauberer (Meister Calamitas) einsteigt, ein Gespräch belauscht und von dem ‚Ring des Abends’ hört …

Charlotte Kerner – „Vierundzwanzig Hahnenschreie“ handelt auf der Baleareninsel Mallorca von einem Mann, der am 24. Dezember in Port de Pollensa einen einsamen Spaziergang antritt.

Florian Straub – „Das Ritual“ handelt von einer Dämonenmutter, Vara, ihrer Jüngsten und einem speziellen Ritual (alte Feierlichkeit der Dämonen) zum Fest.

Ian Watson – „Wenn Jesus durch den Kamin kommt“ handelt davon, dass die Mutter ihrem kleinen Sohn Jamie von Jesus erzählen soll, und so erfährt der Leser die Geschichte der beiden – und wie Ian Watson sie sieht.

Dem Herausgeber ist eine gute Mischung nationaler und internationaler Autoren/Texte gelungen, die wunderbar unterhält und deutlich zeigt, wie wichtig die Gattung ‚Anthologie’ in der dt. Literaturlandschaften ist. Und wie bedauerlich, dass sie immer stiefmütterlicher behandelt wird, denn grade diese Textform ist oft ein besonderer Lesegenuss! Mögen die Verleger dahingehend mutiger werden und den Lesern endlich wieder gute Kurzgeschichten-Sammlungen anbieten. Diese steht auf jeden Fall dafür, weil alle Texte auf gleich gutem Niveau sind und auch verdeutlicht wird, dass sich die nationalen Autoren keineswegs vor den internationalen verstecken müssen – das Gegenteil ist der Fall.

Auch die Aufmachung des Titels ist wie immer bei Piper erstklassig: Papier, Satz, Layout sind ohne Fehl und Tadel. Dazu gibt es ein nettes Motiv neben den Titel- und Autorennamen, Sternchen-Szenentrenner und ein Motiv unten auf dem Buchrücken – da stimmt das Preis-Leistungsverhältnis zu hundert Prozent! „Fest der Vampire“ ist eine ausgewogene, abwechslungsreiche Kurzgeschichten-Sammlung nationaler und internationaler Autoren in schöner Optik – absolut empfehlenswert!
 
Copyright © 2010 by Alisha Bionda (AB)

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