Das Fest der Vampire

Carsten Polzin (Hrsg.)
Das Fest der Vampire

Piper Verlag, München, 10/2008
PB, Mystery, Horror, Fantasy, Krimi, 978-3-492-26678-9, 238/700
Titelillustration von Jan Reiser

www.piper.de
http://janreiser.blogspot.com/

Alle Jahre wiederholt sich Weihnachten, das Fest der Liebe, der Besinnung oder des Konsums, je nachdem wie man es selbst halten möchte. Tatsächlich macht der Handel zu dieser Jahreszeit die meisten Gewinne. Dementsprechend werden seit Jahren die Chancen genutzt, die das Fest des organisierten Schenkens bietet.

Das ebnet u. a. auch Themen bezogenen Anthologien den Weg, selbst in Genres, in denen man es am wenigsten erwartet. Denn wer bringt schon Vampire und andere Wesen der Nacht mit dem Fest eines Glaubens in Verbindung, das sie eigentlich hassen sollten, weil es für viel von dem steht, was ihnen Schmerzen bereitet. Die von Carsten Polzin zusammengestellte Anthologie „Das Fest der Vampire“ beweist jedenfalls, wie unterschiedlich Autoren damit umgehen können.

„Mr. Coldicutt’s Party“ von Jonathan Barnes findet als gemeinsame Feier der Angestellten eines kleinen Betriebes statt. Doch eine junge Sekretärin muss feststellen, dass aufgrund eines düsteren Vermächtnisses noch jemand anderes mit einer besonderen Gabe beschenkt werden soll. Hier spielt der Autor mit Motiven aus der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens, ohne sie jedoch zu kopieren. Allerdings bleibt die Geschichte durch zu deutliche Hinweise schwach, da man sie schnell durchschaut.

„Lang lebe die Königin“ von Susanne Gerdom taucht ganz in die Fantasy ein und benutzt das Auferstehungsmotiv, denn ein König geht einen grausamen Pakt mit einem Nekromanten ein. Auch hier weiß man schon recht früh, auf was die Erzählung hinaus laufen wird.

Nach dem schwachen Anfang geht es allerdings besser weiter. Julia Conrad verzaubert mit einem kleinen, aber feinen Tannenbaum-Märchen, während Daniela Knor in „Mittwinternacht“ die heidnischen Wurzeln des Festes in ihre Fantasy-Welt versetzt und vor allem durch eine sehr passende Atmosphäre verzaubern kann. Wenig Weihnachtliches hat hingegen David Wellingtons Erzählung „Das Experiment“ vorzuweisen, während Terry Pratchetts „Zwanzig Pence mit Umschlag und Weihnachtsgruß“ seinen gewohnt skurrilen Humor aufweist.

Das sind nur einige der insgesamt fünfzehn Geschichte, die überwiegend von deutschen und britischen Autoren stammen. Nur wenige davon, wie etwa Terry Pratchetts Geschichte, sind schon einmal erschienen; gerade die Original-Erzählungen sind allesamt Erstveröffentlichungen und eigens für den Band entstanden.

Was zudem angenehm auffällt, ist die Bandbreite der Themen. Während einige Autoren bewusst unsere Welt verlassen, stürzen sich andere auf das, was Weihnachten heutzutage ausmacht. Einige führen moderne Bräuche ad absurdum und zeigen, wie die Welt der Dunkelheit sie adaptiert und pervertiert hat; andere nutzen dies als letzte Verbindung der lebenden Toten zu ihrem Menschsein.

Es gibt hell- und schwarzhumorige Geschichten, freundliche und verspielte Märchen aber auch brutale Thriller, in denen am Ende mehr als nur Blut fließt. Alles in allem dürfte jeder etwas für seinen Geschmack finden.

In „Das Fest der Vampire“ dreht sich letztendlich nicht alles nur um die Untoten und ihre nahen Verwandten. Wer ein stimmungsvolles und zur Jahreszeit passendes Mitbringsel sucht, wird jedenfalls nicht enttäuscht werden. (CS)

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Das Fest der Vampire: Phantastische Weihnachtsstorys

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